Agentenzentrierte Identitäten für Industrie 4.0

Von Ralf Keuper

Der Einsatz von Softwareagenten in der vernetzten Produktion verspricht großes Potenzial. Agenten könnten im Auftrag von Maschinen mit anderen Maschinen über Lieferungen, Preise und Bezahlmodalitäten verhandeln. Dieses Szenario erörtert der VDI in Agenten zur Realisierung von Industrie 4.0. Wenn Softwareagenten als Stellvertreter für Maschinen und deren Digitale Zwillinge auftreten wollen, dann benötigen sie dazu eindeutige Identitäten – agentenzentrierte Identitäten. Der VDI unterscheidet u.a. zwischen Kommunikations- und Koordinationsagenten. Die Identität gibt Auskunft über die wesentlichen Eigenschaften/Attribute des Agenten.

Die ID ermöglicht eine eindeutige Identifizierung und wird in der Regel nach ISO 29002-5 (z. B. bei ecl@ss) oder durch eine URI/URL (z. B. zur Verfügung gestellt durch die NAMUR) definiert. Die Attribute selbst werden in der IEC 61360 definiert. Einschlägige Normen dieser Reihe (z. B. IEC 61360-4 bzw. IEC-CDD) helfen bei der Identifikation der relevanten, im Idealfall standardisierten, Merkmale bzw. Attribute.

Bei der Kommunikation zwischen den Agenten werden Informationen zur Identität und zum Datenbereich übergeben:

Eine Nachricht enthält einen Identifikations- sowie einen Datenbereich. Im Identifikationsbereich werden Absender, Empfänger und Referenzen zu bestimmten Konversationen hinterlegt. Innerhalb des Datenbereichs erfolgt die Angabe der Nachrichtenintention bzw. des Zwecks (z. B. „call for proposal“) sowie die eigentlich zu übertragenden Daten (z. B. Zustandsinformationen).

Vorstellbar ist, dass Agenten in der Lage sind, ihre Identitäten selbst zu verwalten. Sie geben nur die Informationen weiter, die von den anderen Agenten für deren Aufgabe benötigt werden. Weiterhin können sie mehr oder weniger anonym agieren, d.h. nicht in jedem Fall muss der Agent seine Identität offenlegen, sofern eine Instanz im Hintergrund für die Richtigkeit der Identitäten garantiert – wie es im Konzept der Selbstverwalteten Identitäten vorgesehen ist. Diesem Ziel nahe kommt Spherity. Zu klären ist die Frage, inwieweit Softwareagenten als Rechtssubjekte behandelt werden können. All das ist lösbar.

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