Blockchain – der Barcode des Banking?

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht des Chefs der ING Group, Ralph Hamers, hat die Blockchain das Potenzial, der globale Standard für das Banking werden. Die DWN zitieren Hamers mit den Worten:

Wenn die fünf führenden sechs globalen Banken sich darauf festlegen und sich auf einen Standard einigen würden, könnte man diesen Standard dem Globus aufzwingen.

Demnach könnte die Blockchain so etwas wie der Barcode des Banking werden. In The Rise and Success of the Barcode: some lessons for Financial Services schreibt Alistair Milne über die Erfolgsgeschichte des Barcodes:

This standardization, together with the adoption of that humble but crucial component of the global supply chain the shipping container, underpins modern international trade. In the subsequent 30 years companies have come to rely on electronic recording and communication to provide extraordinary visibility of their global supply chains. Consignments can now be tracked by location and interventions – initial orders, response to delays, financing and payments – can carried out promptly and appropriately. The consequence has been a transformative, reducing costs and delays and radically improving quality standards.

Da haben sich Hamers und sein Kollege von der BBVA, Carlos Torres Vila, einiges vorgenommen. In dem genannten Beitrag benennt der Autor die Gründe dafür, weshalb es den Banken bis dato nicht gelungen ist, so etwas wie einen globalen Standard für das Banking zu etablieren. Ein Grund ist, dass einige Banken kein allzu großes Interesse an zunehmendem Wettbewerb und mehr Transparenz haben:

For individual firms in many, although not all, financial markets and financial transactions, the cost and efficiency benefits of standardization are not nearly large enough to outweigh the potential threat to revenues from increased competition. The virtuous circle found in the supply chain — of development and adoption of standards in the supply encouraging more development and adoption – is not present in most areas of financial services.

Überhaupt: Welche Art von Informationen soll über die Banken-Blockchain transferiert werden, die nicht schon über andere Kanäle im Internet bereitgestellt werden, wie will man die Lösung der Wirtschaft, d.h der Industrie, dem Handel und den Internetkonzernen, aufzwingen? Sind die Banken überhaupt noch in der Position? Wohl kaum. Amazon, Google, Microsoft, Alibaba, Tencent & Co. arbeiten derzeit selber intensiv an blockchain-basierten Lösungen und de-facto-Standards. Vor wenigen Tagen erst vermeldete Baidu eine Superchain entwickelt zu haben. Sollten demnächst Maschinen, wie in der Machine Economy vorgesehen, sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können, wo ist das noch Platz für eine weitere Blockchain neben IOTA, Streamr und Weeve – ganz abgesehen von den Initiativen der Industrieunternehmen und der Internetkonzerne, die ganz gewiss nicht mit zusehen werden, wie einige Banken ihnen einen Standard aufdrücken wollen.

Was soll die Banken-Blockchain können, was die anderen nicht können? Welches unverzichtbare, nicht-kopierbare Know How, welche Expertise, sowohl technologischer wie organisatorischer Art wollen die Banken in die Waagschale werfen? Warum soll mit der Blockchain gelingen, was Jahrzehnte zuvor unter ungleich besseren Bedingungen nicht vollbracht werden konnte  – noch dazu, da es sich bei der Blockchain – ihrem Wesen nach – um eine dezentrale Technologie handelt.

Hamers räumt in einem Interview mit CNBC ein, dass das Banking in der Internetökonomie nur ein untergeordneter, nachrangiger Bestandteil sei, weshalb das Zahlungsgeschäft für die Internetkonzerne nur ein Mittel zum Zweck ist. Sie haben das Ganze im Blick. Google & Co. brauchen gar keine “echte” Bank zu werden. Sie besetzen die Schaltstellen.

In Data Standardization A Call To Action fordert JPMorgan Chase die Branche auf, sich zu einem einheitlichen Standard für den Datenaustausch durchzuringen. Das sei auch mit Blick auf neue Technologien von großer Bedeutung:

These new technologies, such as machine learning, for example, have the best outcomes when the data used in their processes is good, i.e., standardized, accurate, complete and timely. Said simply, good data in, good data and information out. Without standardized underlying data, the applied technology could be less effective and efficient, and the insights it produces less helpful and potentially incorrect.

Data standardization and harmonization is not only a critical step towards making the current financial industry more efficient; it will also provide a foundation for the implementation of new technologies and processes in the future.

Von der Blockchain ist darin übrigens nicht die Rede.

Die Banken könnten kuratierte, qualitätsgesicherte Data-Feeds (Oraclize) für die globale Blockchain bereitstellen.

Crosspost von Bankstil

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