Digitale Identitäten nicht den KI-Silos überlassen

Von Ralf Keuper

Dass die Digitale Identität der Dreh-und Angelpunkt für die Aufrechterhaltung der Souveränität des einzelnen sowie der Motor der Wirtschaft ist bzw. sein wird, ist eine der Grundüberzeugungen dieses Blogs. Die Identity Economy wird das beherrschende Paradigma der Ökonomie der nächsten Jahrzehnte.

Insofern trifft der Beitrag Wem gehört unser digitaler Zwilling ins Schwarze. Darin wird der Aufbau sog. KI-Silos problematisiert:

Anwender könnten nur das damit tun, was vom Anbieter vorgesehen sei. Und das könne sich immer mal ändern.

Um dem entgegenwirken zu können, benötigen wir alternative Infrastrukturen, offene Identitätsmanagement-Systeme, die es uns ermöglichen, unsere Digitale Identitäten eigenverantwortlich zu verwalten. Anderenfalls gibt es aus den KI-Silos von Anbietern wie Google, facebook, Amazon oder Microsoft kein Entkommen.

Die Frage ist nun, welche Form von Identitätsmanagementsystemen den geschilderten Anforderungen gerecht werden. Aus dem Beitrag geht das nicht eindeutig hervor. Sind damit Identitätsmanagementsysteme für Unternehmen gemeint oder Self-Sovereign Digital Identities für den einzelnen? Eine Kombination daraus? Die in dem Beitrag erwähnte Univention jedenfalls ist vorwiegend im Bereich Identitätsmanagementsysteme (Open Source) für Unternehmen  aktiv.

Mit mehr oder weniger proprietären Lösungen, wenngleich auf Open Source-Basis, werden wir das strukturelle Problem nicht beheben. Das geht m.E. nur durch alternative Infrastrukturen, wie die Blockchain-Technologie bzw. die Distributed Ledger Technologies und/oder Trusted Frameworks. Damit ließe sich die Abhängigkeit der einzelnen und Unternehmen von den digitalen Plattformen mit ihren KI-Silos vermindern.

Auch Microsoft bewegt sich in diese Richtung. Wie u.a.in Microsoft will Blockchain für Identity-Management nutzen zu erfahren ist, will das Unternehmen föderierten digitalen Identitäten zum Durchbruch verhelfen. Darin wird u.a. ein Unternehmensvertreter zitiert:

„Die Zustimmung der Nutzer vorausgesetzt, wird Microsoft Authenticator als User Agent die Identitäts-Daten und die kryptographischen Schlüssel verwalten können“, erläutert Patel. Dabei werde aber lediglich die ID auf der Chain gerootet. Die eigentlichen Identitätsdaten werden jedoch in einem Hub außerhalb der Blockchain gespeichert. So könne auch Microsoft die Nutzerdaten nicht einsehen. Dieser ID-Hub jedoch wird über die Blockchain verschlüsselt.

Zumindest Microsoft scheint bereit zu sein, seinen KI-Silo zu öffnen.

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