Deutsche Industrie benötigt gemeinsam betriebene Datenaustauschplattformen

Von Ralf Keuper

Die deutsche Industrie hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel vollzogen. Auffallend dabei ist, so Frank Maier, Vorstand der Lenze SE, in einem Statement, dass es in der Konsumgüterindustrie, wie in der Unterhaltungselektronik, kaum noch deutsche Hersteller gibt. Anders verhält sich dagegen im Maschinenbau. Hier ist Deutschland führend. Es scheint so, dass statt Smart Products die Smart Factory die Stärke der deutschen Industrie ist. Leitende Frage ist: In welchem Wettbewerb wollen wir uns eigentlich behaupten?

Ziel müsse sein, die weltweite führende Position bei der Intelligenten Fabrik zu erreichen und zu behaupten. Dabei kommen der deutschen Industrie ihre Stärken in der Systemintegration zugute. Eigentlich, so Maier, sind wir die Systemintegratoren der Welt. Wir benutzen die Basistechnologien anderer Länder, um damit überlegene Maschinen zu bauen. Wo Stärken sind, da sind auch Schwächen. Und die liegen, so Maier, ganz eindeutig im Bereich B2C. Das liegt uns eher nicht. Bemühungen, eine bessere Suchmaschine als Google zu bauen, werden kaum von Erfolg gekrönt sein. Wichtig sei die Erhaltung der Systemintegrationsfähigkeit, d.h. die Möglichkeit, in eine neue Qualität von Plug and Play zu kommen, um komplexe Anlagen bauen und unterhalten zu können.

Auch im B2B-Geschäft werden, so Maier weiter, neue Geschäftsmodelle entstehen. Das werden jedoch nicht Kopien der Geschäftsmodelle von Google & Co. sein. Man müsse sich vergegenwärtigen, woraus das Geschäftsmodell der Internetkonzerne im Kern bestehe: Daten zu sammeln, aufzubereiten und die Informationen anderen für Werbezwecke zur Verfügung zu stellen. Das ist jedoch kein Geschäftsmodell für B2B. Es werden andere sein: Wie können wir Funktionalität kapseln, Cyber Physical Systems bauen, um Plug and Play-fähig zu sein, um die komplexe Systemintegration tausender unterschiedlicher Komponenten zu ermöglichen. Das ist die große Stärke und Chance der deutschen Industrie – ohne neue Methoden und Standards sei das nicht möglich.

Dieser Ansicht scheint man auch in Japan zu sein, wobei man hier nach meinem Eindruck noch einen Schritt weiter geht. Wie in wie in Japan businesses seek single exchange for internet of things data berichtet wird, planen 100 japanische Unternehmen eine Datenplattform für das Internet der Dinge.

More than 50 billion devices are expected to be connected to the internet in 2020. Japan accounts for roughly 40% of the global market for sensors, which is a central component of IoT technology. Japan hopes also to play a leading role in the market for data generated by interconnected devices. While American giants like Google dominate in providing data-based services to retail customers, no efforts have yet been made in Europe or the U.S. to create a larger market that connects multiple exchanges for IoT-related data.

Die Chancen sind groß:

There are various business opportunities associated with this type of data. Companies could develop medical services based on physical data collected through wearable devices, for example. Supermarkets could also streamline their inventory based on the contents of their customers’ refrigerators.

In Deutschland haben wir mit dem Industrial Data Space ähnliche Initiativen. Knackpunkt bei allen Lösungen dieser Art ist die Frage der Datenhoheit und der Einhaltung der Datenschutzbestimmungen wie GDPR. Die Kunden müssen demnach ihre explizite Zustimmung geben, wenn ihre Daten weiter verwendet werden sollen.

Diese Frage stellt man sich auch in Japan:

Businesses must first obtain permission from their customers before selling personal information, like e-money payment histories. But there are no clear rules for data collected through the IoT. The committee will discuss this and other issues that must be ironed out before companies can smoothly trade such data.

Am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik gibt die »Collaborative-Business-Process-as-a-Service«-Plattform »PREsTiGE« darauf eine mögliche Antwort.

Die Plattform führt sowohl Nutzer als auch Provider durch den gesamten Prozess: vom Anbieten und Anbinden eines Services über die Modellierung eines Geschäftsprozesses bis hin zur Kontrolle der Einhaltung der individuellen Privacy-Regeln. Dabei führt jeder Partner die im System integrierten Dienste in seiner Cloud-Umgebung aus und behält so die Kontrolle.

Daraus folgt, das, wenn Deutschland seine führende Rolle als Systemintegrator der Welt behaupten will, entsprechende Datenaustauschplattformen, wie in Japan, benötigt werden.

 

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