Sichere Digitale Identitäten: Wichtiger denn je

Von Ralf Keuper

Heutzutage werden viele Transaktionen über das Internet abgewickelt. Häufig kennen sich die Geschäftspartner nicht persönlich, noch besteht die Aussicht, dass sie sich jemals in der realen Welt begegnen werden. In den meisten Fällen reicht ein digitales Äquivalent zur physischen Identität aus – die digitale Identität. Das kann ein sog. Social-Login, wie es von facebook oder Google angeboten wird, sein, oder aber auch eine verifizierte Identität, wie mit dem neuen Personalausweis, Video-Ident-Verfahren oder durch die Nutzung der Bank-Credentials.

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung, d.h. der zunehmenden Vernetzung von Personen, Unternehmen und technischen Objekten, sind sichere digitale Identitäten nötig.

Der Verein Sichere Identität Berlin Brandenburg schreibt dazu:

Eine Sichere Digitale Identität bedeutet, dass diese nicht manipuliert, gefälscht oder missbraucht werden kann. Sie stellt sicher, dass jemand tatsächlich derjenige ist, für den er sich ausgibt. Mit einer Sicheren Identität lässt sich beispielsweise eine E-Mail zweifelsfrei ihrem Absender zuordnen.

Aber nicht nur Personen und Organisationen, sondern auch Objekte und Dienste besitzen Identitäten. So können sich Produktionsanlagen beispielsweise bei der Fernwartung eindeutig identifizieren oder sich ein Ersatzteil einer Maschine als Originalteil ausweisen.

Sichere Identitäten sind somit eine grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung auf allen Ebenen – Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Sie legen die Grundlage für eine vertrauenswürdige elektronische Kommunikation und sichere digitale Geschäftsprozesse.

Der in dieser Form einmalige Verein versteht sich als ein praxisnahes Technologienetzwerk und Expertenforum. Dafür arbeitet der Verein mit Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus der Region Berlin-Brandenburg zusammen.  Zu den Mitgliedern zählen u.a. die Bundesdruckerei, das Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme, die Securitas GmbH und die Freie Universität Berlin. Beispielhaft ist die Animation Smart City. Darin werden verschiedene Anwendungsszenarien/Themenbereiche (Versorger, Privathaushalt, Gesundheit, Verkehr/Transport, Verwaltung, Polizei/Feuerwehr, Kommunikation, Kulturelle Einrichtungen) visualisiert. Eingeblendet werden dabei die jeweiligen Lösungen der Mitgliedsunternehmen im Bereich der Sicheren Identitäten. 

Deutschland verfügt mit dem neuen Personalausweis – im Prinzip – über eine fortschrittliche Technologie, die für die eindeutige Identifizierung der Nutzer im Internet verwendet werden kann, so Arno Fiedler, Vorstandsmitglied des Vereins Sichere Identität Berlin-Brandenburg. Ein bislang weitgehend unbekanntes Feature des nPA ist die Restricted ID, eine Pseudonymisierungsfunktion. Trotz der genannten und allgemein anerkannten technischen Vorzüge des nPA ist die Anwendung in der Praxis verhalten. Während der Anhörung über den neuen Personalauweis im Innenausschuss des Bundestages wurde u.a. der geringe Werbeetat für die schleppende Verbreitung des nPA verantwortlich gemacht. So wurden die Ausgaben von 21 auf 3 Mio. Euro gesenkt. Sinnvoll wären auch Schulungsmaßnahmen im Bereich eGovernment. Auch Arno Fiedler ist der Ansicht, dass die Marketing- und Werbemaßnahmen verstärkt werden sollten. Ideal wäre ein Anteil von 30 Prozent vom Gesamtbudget.

Ob die Blockchain-Technologie prädestiniert für die Verwaltung sicherer Identitäten ist, steht derzeit noch nicht fest (Vgl. dazu: Fünf Probleme, die sich mit Digitalen Identitäten auf Blockchain-Basis nicht lösen lassen). Für Arno Fiedler wird die Blockchain in ihrer Rolle als Sicherheitstechnologie überschätzt. Der Hauptnutzen der Blockchain bestehe in dem Schutz der Integrität von Objekten, hierfür ist oftmals auch ein qualifizierter Zeitstempel hinreichend.

Wenn der European Digital Single Market Realität werden soll, dann sind noch einige Hürden zu nehmen. Allerdings sollte man die Fortschritte nicht klein reden, wie am Beispiel von eIDAS oder dem Single Digital Gateway belegt werden kann.

So viel steht fest: Sichere Digitale Identitäten werden unseren Alltag künftig entscheidend prägen. Wie der in wenigen Jahren aussehen könnte und welche Rolle Sichere Identitäten dabei spielen, hat der Verein Sichere Identitäten Berlin-Brandenburg bereits 2012 in der Studie Identität 2020. Gesellschaft und Technologie im Umbruch beschrieben.

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