Verimi – das nächste Paydirekt?

Von Ralf Keuper

Die gemeinsame Single Sign On – Lösung namhafter deutscher Unternehmen und Finanzdienstleister, Verimi, nimmt Fahrt auf – zumindest in den Medien. Neuestes Mitglied ist der Chip- und Sicherheitsspezialist Giesecke + Devrient (Vgl. dazu: Chip-Spezialist G+D tritt Datenbündnis Verimi bei). 

Offiziell präsentiert sich Verimi als Identitäts-, Registrierungs- und Datenplattform in einem.

Ziel ist, den großen US-amerikanischen Internetkonzernen Paroli zu bieten. Diese können ihre Social-Login Lösungen, wie Gmail und Facebook Connect, schon seit langem als Single Sign On – Lösung einsetzen. Verimi wirbt mit den strengeren Datenschutzbestimmungen in Europa. Vorrang hat die digitale Souveränität der Nutzer. Die Verbraucher haben die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten und digitalen Identitäten.

So weit so gut.

Nicht alle sind indes von dem Konzept überzeugt, wie Rouven Heck von uPort:

Verimi sounds very interesting and a good step towards an alternative to Google & Facebook, but from my limited knowledge from the public information, it’s ultimately a platform which is operated by one entity. This entity is in control of users IDs and their data. Therefore whilst it seems like a great offering for German and European customers, it’s not fundamentally different from existing federated systems.

So imposant die Liste der beteiligten Unternehmen ist – sie repräsentieren nur einen schmalen Ausschnitt der deutschen oder gar europäischen Wirtschaft. Es ist kaum vorstellbar, dass andere Automobilkonzerne, Banken oder Verlage dem Bündnis beitreten werden. Selbst wenn: Die Interessen sind zu verschieden, die Koordination extrem schwer.

Bei Licht betrachtet handelt es sich um eine proprietäre Plattform – so wie Amazon oder Google – nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass Google und Amazon über eine deutliche höhere Verbreitung im Netz und über die nötigen Skills verfügen. Das erleichtert die Koordination und die Umsetzung deutlich. Die wichtigen Entscheidungen werden von wenigen Personen gefällt – bei Amazon wohl nur von einer.

Bei Verimi dagegen müssen die Beteiligten sich permanent abstimmen, die Umsetzung und Koordination liegt, so weit jedenfalls mein Eindruck, bei externen Dienstleistern – ähnlich wie bei Paydirekt. Im Vergleich zu Verimi hat Paydirekt den Vorteil, dass die Beteiligten aus einer Branche kommen und sich in einem Stammgeschäft, dem Zahlungsverkehr, zusammenschließen. Sie bringen also ein relativ hohes Maß an Know How mit. Das ist bei Verimi anders. In der Plattform- bzw. Datenökonomie verfügt keines der Unternehmen über eine Expertise, die der von Google oder Amazon auch nur annähernd entspricht. Es ist der Versuch, monolithischen Blöcken im Internet als Monolith entgegenzutreten. Unter den derzeitigen Machtverhältnissen in der Plattformökonomie ein vergebliches Bemühen. Diese Erfahrung muss Paydirekt seit einiger Zeit machen.

Da brauchen wir andere Ansätze. Ein Weg sind dezentrale Lösungen und offene Standards, die Distributed Ledger Technologies verwenden. Also eine andere Infrastruktur. Anders lässt sich der strukturelle und organisatorische Nachteil der Plattformökonomie nicht überwinden.

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