Von der Blockchain zur ID-Chain

Von Ralf Keuper

Bereits im vergangenen Jahr gab Dr. Andreas Wilke in einem Interview mit diesem Blog Einblick in das ID-Chain – Projekt der Bundesdruckerei (Vgl. dazu: Sicheres Identitäts- und Rechtemanagement mit ID-Chains – Interview mit Dr. Andreas Wilke (Bundesdruckerei GmbH)).

In der Zwischenzeit hat das Projekt weiter an Konturen gewonnen, wie u.a. aus der Präsentation ID-Chains. Ein innovativer Ansatz für ein Identitäts- und Rechtemanagement hervorgeht.

Das Land Thüringen hat vor einigen Monaten zusammen mit der Bundesdruckerei die LifeChain vorgestellt (Vgl. dazu: Blockchain-inspiriert: Life-Chain vorgestellt). Die im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG) geplanten Bürgerkonten könnten mit dem ID-Managementsystem FIDES kombiniert werden (Ziel von FIDES ist es, das Erteilen, Entziehen und Delegieren von Rechten transparent und sicher zu gestalten), wobei die ID-Chain die technologische Grundlage bildet. Damit können die Defizite der Blockchain umgangen werden:

Dr. Manfred Paeschke, Bereichsleiter Innovation in der Bundesdruckerei erläutert beim Konzept der Life-Chain: “Bei der Blockchain werden die Daten auf vielen Rechnern abgelegt, wodurch diese unfälschbar werden. Dadurch wird aber auch das Löschen nicht möglich, weil es eine dezentrale Infrastruktur ist. Deshalb haben wie die ID-Chain entwickelt.”
Diese sind im Prinzip kleinere Ketten, die bidirektional verlaufen können. Jede einzelne Kette stellt ein vergebenes Recht für den Zugriff auf die Daten des Nutzers dar. Während eine Blockchain nur wächst, kann eine ID-Chain auch wieder gekürzt werden – also die Rechte werden wieder entzogen.

Mit im Boot ist SAP. Während die Bundesdruckerei die Apps und die Logik liefert, stellt SAP die Cloud-Infrastruktur bereit. In dem Beitrag Das Ende von Antrasformularen? Die Blockchain hält Einzug in die öffentliche Verwaltung schreiben Isabella Groegor-Chechowicz und Holger Tallowitz:

SAP und Partner arbeiten derzeit an der Entwicklung einer sicheren elektronischen ID für Bürger. Dies soll die Basis für eine Digital Citizen Wallet (auch Bürgerkonto oder LifeChain) bilden, das den Zugang zu persönlichen Informationen individuell und sicher regelt. Ausschließlich der Inhaber der jeweiligen Information, zum Beispiel persönliche Daten, Zeugnisse, medizinisch relevante Informationen, Steuerdaten, Führerschein oder Daten für soziale Netzwerke bestimmt über die Verwendung. So braucht beispielsweise das Finanzamt sicher Daten zur Einkommenssituation und ein Krankenhaus gesundheitsrelevante Informationen, jedoch nicht umgekehrt.

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