Während etablierte Anbieter Identitätsprüfung als Service verkaufen, positioniert sich Monnai als infrastrukturelle Schicht unterhalb der Anwendungsebene. Die 12-Millionen-Dollar-Finanzierung durch Motive Partners signalisiert das wachsende Interesse an Dateninfrastruktur-Anbietern, die nicht Daten verkaufen, sondern technische Kontroll- und Beobachtungssysteme für deren Nutzung bereitstellen. Ob diese Positionierung trägt, hängt davon ab, ob Finanzinstitute bereit sind, Datenhoheit gegen Standardisierung einzutauschen.


Infrastruktur statt Service: Eine kategorialer Unterschied

Monnai versteht sich explizit nicht als Anbieter von Identitätsprüfungsdiensten, sondern als technologische Basisschicht für Risiko- und Identitätsdaten. Diese Unterscheidung ist kategorial, nicht graduell. Während Unternehmen wie Socure, Trulioo oder Ekata ihre Geschäftsmodelle auf die Bereitstellung von Verifizierungsergebnissen aufbauen – also auf der Applikationsebene operieren –, zielt Monnai auf die darunter liegende Infrastrukturebene ab. Das Unternehmen aggregiert und kontextualisiert Datenströme aus unterschiedlichen Quellen, macht sie für Echtzeitentscheidungen verfügbar und ermöglicht kontinuierliche Modellvalidierung durch eingebaute Backtesting- und Observability-Funktionen.

Diese Positionierung entspricht strukturell dem, was im Enterprise-Datenbereich Snowflake oder im Analytik-Sektor Palantir darstellen: eine Schicht, die bestehende Systeme nicht ersetzt, sondern deren Datennutzung organisiert, überwacht und skalierbar macht. Die technischen Merkmale – extrem niedrige Latenzzeiten, hyperlokale Deployment-Optionen innerhalb weniger Tage, integrierte Performance-Messung – deuten darauf hin, dass Monnai auf Märkte abzielt, in denen Datenresidenz, regulatorische Compliance und Echtzeitfähigkeit kritisch sind.

Regulatorische Treiber und die Verschiebung der Wertschöpfung

Das Wachstum des Segments lässt sich nicht allein durch technologische Innovation erklären. Entscheidender sind regulatorische Entwicklungen, die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Datenqualität erzwingen. Der EU AI Act, die kommende Zahlungsdiensterichtlinie PSD3 und das European Digital Identity Framework (EUDI) verschieben die Anforderungen von der bloßen Bereitstellung von Verifizierungsergebnissen hin zur Dokumentation der zugrundeliegenden Datenqualität und Modellperformance. Finanzinstitute müssen nicht nur nachweisen, dass sie Identitäten prüfen, sondern auch, wie zuverlässig ihre Datenquellen sind und wie akkurat ihre Risikomodelle arbeiten.

Diese Verschiebung begünstigt Infrastrukturanbieter, die keine Black-Box-Lösungen liefern, sondern Transparenz auf Systemebene ermöglichen. Monnais Fokus auf Observability und kontinuierliche Modellvalidierung adressiert genau diese Anforderung. Die Frage ist, ob Banken und Finanzdienstleister bereit sind, ihre internen Risikosysteme auf eine externe Infrastruktur…