Trending Topics hat am 4. November 2026 ein Interview mit Markus Vesely veröffentlicht, dem CEO des Wiener Vertrauensdiensteanbieters A-Trust. Die Zusammenfassung der Redaktion verspricht, was die EUDI-Wallet kann, wie sie mit der ID Austria zusammenspielt und warum Vertrauen über ihren Erfolg entscheidet. Vorab zur Einordnung: Das Interview trägt die Kennzeichnung „Anzeige“, A-Trust ist als Partner ausgewiesen, und der Text nennt als Verfasser Jakob Steinschaden. Es ist also Anbieterkommunikation, und so sollte man es lesen.
Der Anwendungsfall zuerst
A-Trust ist Launch-Partner der deutschen Wallet d-you, die am 2. Januar 2027 starten soll. Das Unternehmen bringt dort seine qualifizierten elektronischen Signaturen (QES) ein. Berechtigte Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland sollen nach Einrichtung und Identifikation über d-you für einen begrenzten Zeitraum kostenlos qualifiziert signieren können. In Österreich nutzen nach Veselys Angabe über fünf Millionen Menschen aktiv eine A-Trust-QES. Das Unternehmen verweist außerdem auf mehr als 25 Jahre Erfahrung im Zertifikatsbereich und auf das europäische Pilotprojekt POTENTIAL, in dem die Integration qualifizierter Signaturen in Wallet-Anwendungen erprobt wurde.
Veselys Argument ist, dass Akzeptanz an konkretem Nutzen hängt. Eine sichere Infrastruktur sei die Voraussetzung, ihren Mehrwert erkennten Menschen aber erst, wenn sie damit zum Beispiel Verträge einfach und rechtsgültig digital unterschreiben. Als erste spürbare Fälle für Unternehmen nennt er die Kontoeröffnung und den digitalen Vertragsabschluss, den Altersnachweis ohne Preisgabe des vollständigen Geburtsdatums und perspektivisch Vertretungsbefugnisse über die geplante European Business Wallet.
Die Umfrage: Bekanntheit niedrig, Bereitschaft hoch
Die Zahlen stammen aus einer A-Trust-Umfrage unter Befragten in Österreich, die der Text als „Befragung im August“ beschreibt:
- 62 Prozent haben noch nie von der EUDI-Wallet gehört.
- 49 Prozent können sich vorstellen, sie künftig im Alltag zu nutzen, bei den 16- bis 29-Jährigen sind es 59 Prozent.
- 87 Prozent nennen Datensicherheit und Schutz vor Missbrauch als wichtigste Nutzungsvoraussetzung.
- 62 Prozent wollen selbst kontrollieren, wer welche persönlichen Informationen einsehen darf.
Tragend ist hier vor allem das Verhältnis der ersten beiden Zahlen: Mangelnde Bekanntheit ist nicht dasselbe wie mangelnde Bereitschaft. Zu Stichprobe und Methodik macht der Text keine Angaben, die Zahlen sind daher als Anbieterumfrage zu lesen und stützen die Aussage in der Tendenz, ohne sie allein zu tragen.
Was offen bleibt
Auffällig ist, wo Vesely konkret wird und wo nicht. Zur Rolle von A-Trust und zu den Nutzerzahlen gibt er klare Auskunft. Bei den Fragen, die für Österreich entscheidend wären, bleibt er allgemein. Die Frage, ob die EUDI-Wallet die ID Austria ersetzt oder ergänzt, beantwortet er mit der Feststellung, die Wallet sei kein vollständiger Neustart, die technische Integration sei „Teil der nationalen Umsetzung“. Und was für den Start in Österreich noch passieren muss, fasst er als Verbindung bestehender Lösungen mit den Anforderungen der Wallet zusammen, ergänzt um gemeinsame Standards, Ausstellung und Prüfung von Nachweisen und die Anbindung von Behörden und Unternehmen. Einen Termin nennt er für Österreich nicht. Vorbilder will er ausdrücklich nicht benennen: Entscheidend sei, ob die nationalen Lösungen einfach und zuverlässig miteinander funktionieren.
Auch zur Annahmeseite, also zur Frage, ob Behörden und Unternehmen die Nachweise tatsächlich verarbeiten, bleibt es bei der Feststellung, dass diese angebunden werden müssen. Hier liegt vorläufig die offene Flanke der Argumentation: Die Signatur ist ein überzeugender Anwendungsfall für die Nutzerseite, sagt aber wenig darüber, wann die Gegenseite bereit ist.
Vertrauen als Lieferkette
Bemerkenswert ist die Formulierung, mit der Vesely die Aufgabe des Vertrauensdiensteanbieters beschreibt: sichere und überprüfbare Prozesse ermöglichen und zugleich den praktischen Nutzen verständlich vermitteln. Vertrauen entsteht danach nicht durch die Ankündigung einer Technologie, sondern dadurch, dass Nutzer nachvollziehen können, welche Daten sie weitergeben und wie diese geschützt sind. Das deckt sich mit dem Prinzip der gezielten Datenweitergabe, auf das er mehrfach verweist.
Sein Ausblick ist entsprechend optimistisch: In fünf Jahren sollen digitale Identitätsnachweise so selbstverständlich sein wie heute digitale Zahlungen. Das ist eine Erwartung, keine Prognose mit Begründung, und der Text liefert dafür keine weiteren Belege. Erfolgreich würden, so Vesely, jene Lösungen sein, die Sicherheit, einfache Bedienbarkeit und konkreten Nutzen verbinden.
Ralf Keuper
Quellen
- Jakob Steinschaden: Digitale Identitätsnachweise: „In fünf Jahren so selbstverständlich wie heute digitale Zahlungen“, Trending Topics, 04.11.2026 (als Anzeige gekennzeichnet)
