Die Partnerschaft zwischen dem südkoreanischen Anbieter Hopae und der luxemburgischen Beratung Datai illustriert eine bemerkenswerte Verschiebung im europäischen Digital-Identity-Markt. Während etablierte Anbieter auf proprietäre KYC-Lösungen setzen, positioniert sich Hopae als technologischer Intermediär, der über 50 nationale eID-Systeme aggregiert. Die Strategie zielt auf eine strukturelle Schwachstelle der eIDAS-2.0-Architektur: die anhaltende Fragmentierung trotz regulatorischer Harmonisierung. Ob sich das Aggregator-Modell gegen integrierte Anbieter durchsetzt, hängt weniger von technischer Überlegenheit als von der Frage ab, wer die Transaktionskosten der europäischen Interoperabilitätslücke trägt.
Die strukturelle Ausgangslage
Der europäische Markt für digitale Identitäten bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen regulatorischer Vereinheitlichung und operativer Fragmentierung. Während eIDAS 2.0 ab 2026 die Akzeptanz der European Digital Identity (EUDI) Wallet für Finanzinstitute und Very Large Online Platforms (VLOPs) verpflichtend macht, bleibt die technische Implementierung auf nationaler Ebene heterogen. 50 verschiedene eID-Systeme, unterschiedliche Vertrauensniveaus, inkompatible Schnittstellen – die regulatorische Harmonisierung überdeckt eine technische Fragmentierung, die für grenzüberschreitende Geschäftsprozesse erhebliche Transaktionskosten verursacht.
Diese Konstellation eröffnet einen spezifischen Markt für Intermediäre, die nicht selbst Identitäten verifizieren, sondern als technologische Übersetzungsschicht zwischen fragmentierten nationalen Systemen und vereinheitlichten Unternehmensanforderungen operieren. Hopae positioniert sich genau in dieser Lücke.
Die Kooperation: Technische Architektur und regulatorische Einbettung
Die Partnerschaft zwischen Hopae und Datai adressiert einen konkreten Engpass im europäischen Finanzsektor: die fragmentierten nationalen eID-Frameworks, die grenzüberschreitendes Kunden-Onboarding verzögern und die Verifikation von Nicht-Residenten behindern. Hopaes Lösung besteht darin, sich als “Universal Connector” für elektronische Identitäten zu positionieren – eine Abstraktionsschicht, die Finanzinstituten den Zugang zu über 50 eIDs und digitalen Wallets über eine einzige API ermöglicht.
Die technische Architektur folgt dem Single-API-Prinzip: Banken und Finanzdienstleister integrieren einmal Hopaes Schnittstelle und erhalten damit Zugriff auf das gesamte Portfolio nationaler Identitätssysteme.
Der geplante Ausbau auf 100 Integrationen bis Mitte 2026 ist zeitlich auf den eIDAS-2.0-Rollout abgestimmt – ein bewusstes Timing, das die regulatorische Verpflichtung zur EUDI-Wallet-Akzeptanz als Wac…
