Der geplante Verkauf von Imprivata durch Thoma Bravo für bis zu 7 Milliarden Dollar markiert mehr als nur einen erfolgreichen Private-Equity-Exit. Der Deal signalisiert die Konsolidierung eines Marktsegments, in dem digitale Identität zur kritischen Infrastruktur wird.
Die Arithmetik des Erfolgs
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 2016 erwarb Thoma Bravo das auf Identity- und Access-Management (IAM) spezialisierte Unternehmen Imprivata für 544 Millionen Dollar. Neun Jahre später steht ein potentieller Exit bei bis zu 7 Milliarden Dollar im Raum – ein Return-Multiple von annähernd 13x. Bei einem Jahresumsatz von etwa 500 Millionen Dollar impliziert diese Bewertung ein Revenue-Multiple von rund 14, was selbst in den hochbewerteten Segmenten des Cybersecurity-Marktes bemerkenswert ist.
Doch die eigentliche Bedeutung dieses Deals liegt nicht in der Renditeoptimierung eines einzelnen Private-Equity-Investors, sondern in dem, was er über die strukturelle Entwicklung eines Marktsegments aussagt. Imprivata operiert in der Nische der Single Sign-On-Lösungen (SSO) für das Gesundheitswesen – ein Bereich, der an der Schnittstelle mehrerer konvergierender Trends liegt: der Digitalisierung kritischer Infrastrukturen, der Regulierung sensibler Datenverarbeitung und der Transformation von Authentifizierungsverfahren.
Marktstruktur und Penetrationsdynamik
Die Besonderheit des Healthcare-IAM-Marktes liegt in seiner paradoxen Struktur: Einerseits herrscht hoher Transformationsdruck – Cyberangriffe auf Gesundheitseinrichtungen, regulatorische Anforderungen (HIPAA, GDPR) und die operative Notwendigkeit, Zugriffsprozesse zu beschleunigen. Andererseits zeigen die Adoptionsraten eine erhebliche Trägheit: Weniger als zehn Prozent der Kliniken haben auf passwordlose Authentifizierung umgestellt, obwohl die Technologie verfügbar und ihre Vorteile dokumentiert sind.
Diese Diskrepanz zwischen Transformationsdruck und Implementierungsgeschwindigkeit ist charakteristisch für Märkte mit hohen Wechselkosten (Switching Costs) und komplexen Alt-Systemen. Sie schafft zugleich das, was Private-Equity-Investoren als “lange Runway” bezeichnen: einen adressierbaren Markt mit nachgewiesener Nachfrage, aber noch geringer Penetration. In diesem Szenario sind Marktführer wie Imprivata nicht nur auf absehbare Zeit wachstumsfähig, sondern können auch signifikante Preissetzungsmacht …
