Ein aktuelles Paper zur TEE-basierten Brücke zwischen EUDI Wallet und Self-Sovereign Identity illustriert das Spannungsfeld europäischer Digital-ID-Strategie: Zwischen regulatorischen Anforderungen und dezentralen Architekturen entsteht ein Hybrid, der technisch anspruchsvoll, aber konzeptionell herausfordernd ist. Die Architektur zeigt exemplarisch, wie sich die “PR-Schere” europäischer Digitalvorhaben in technischen Lösungsansätzen widerspiegelt.


Technische Brückenlösungen für regulatorische Spannungsfelder

Wenn Ricci et al. in ihrem kürzlich veröffentlichten Paper Enabling SSI-Compliant Use of EUDI Wallet Credentials through Trusted Execution Environment and Zero-Knowledge Proof eine Architektur vorstellen, um Credentials aus dem italienischen EUDI Wallet “SSI-kompatibel” zu machen, dann dokumentieren sie mehr als eine technische Innovation. Sie illustrieren ein fundamentales Spannungsfeld: Das European Digital Identity Wallet folgt trotz Self-Sovereign-Identity-Rhetorik einer zentralisierten, PKI-basierten Trustarchitektur – was nicht notwendigerweise ein Fehler, aber eine bewusste Designentscheidung mit weitreichenden Konsequenzen ist.

Die vorgeschlagene Lösung ist technisch anspruchsvoll – Trusted Execution Environments (TEE) kombiniert mit Zero-Knowledge Proofs (ZKP), um EUDI-Credentials in SSI-Ökosysteme zu integrieren. Diese Architektur wirft interessante Fragen auf: Was hier als Brücke zwischen zwei Welten präsentiert wird, ist gleichzeitig ein Indikator dafür, wie unterschiedlich regulatorische und dezentrale Ansätze strukturiert sind.

Designentscheidungen mit strukturellen Konsequenzen

Die Autoren identifizieren drei “Blockaden”, die EUDI-Credentials für SSI-Nutzung herausfordernd machen: die Zentralisierung von Authorities, die Exklusivität von PID-Daten und die Einschränkung auf registrierte Verifier. Diese Charakterisierung ist aufschlussreich, denn es handelt sich weniger um technische Hindernisse als um bewusste Architekturentscheidungen, die der Logik europäischer Digitalregulierung entspringen.

Das EUDI Wallet ist zentralisiert konzipiert, weil eIDAS 2.0 föderale Governance-Strukturen in digitale Identitätssysteme übersetzt. Die europäische Trust-Föderation reflektiert regulatorische Anforderungen an Zurechenbarkeit und Kontrolle. Wenn staatliche Identitätsanbieter eine privilegierte Stellung bei PID-Daten erhalten, entspricht dies der politischen Architektur europäischer Digital-Souveränität – mit allen damit verbundenen Implikationen für Dezentralisierung.

Man könnte hier mit Niklas Luh…