Digitale Identität – Dampfmaschine der digitalen Ökonomie

Von Ralf Keuper

Der Zustand auf dem Markt für digitale Identitäten erinnert Andrew Nash in Identity is the Steam Engine of the Digital Economy an die Zeit, als die ersten Dampfmaschinen für betriebliche Zwecke eingesetzt wurden. Es hat noch lange gedauert, bis die Dampfmaschine ihre Wirkung entfalten und sich in verschiedenen Branchen, heute würde man Anwendungsfälle dazu sagen, verbreiten konnte. Zuvor mussten noch weitere Verbesserungen vorgenommen werden. Erst dadurch, dass er einen speziellen Kondensator entwickelte, der sich außerhalb des Zylinders befand, gelang es James Watt, die Leistung der Dampfmaschine zu verdoppeln und damit massentauglich zu machen.

So wie die Dampfmaschine die Industrielle Revolution ermöglicht habe, werden Digitale Identitäten die Digitale Revolution auslösen. Bis dahin seien allerdings einige Veränderungen und Verbesserungen nötig.

Sadly, most of the technology developed over the last fifteen years has been directed at managing user accounts for enterprises rather than managing identities for individual people.

Es sei Zeit für einen Richtungswechsel weg von den Nutzerkonten der Unternehmen hin zu Identitäten für die Nutzer. Wer könnte die Nutzer bei der Verwaltung und Verwendung ihrer digitalen Identitäten unterstützen, welche vertrauenswürdigen Institutionen kommen dafür infrage?

Nash bringt nicht ganz uneigennützig die Banken ins Spiel (Nash ist Vice President Customer Identity bei Capital One).

In the simplest terms, traditionally it was the highly regulated bank you relied on to store some of what is most precious to you – your money. It is therefore the opportunity, and perhaps the responsibility, for a bank to do for identity what it has always done to protect money.

Ein Punkt, der auf diesem Blog bereits häufiger thematisiert wurde. Die Frage wird sein, ob wir für die Verwaltung digitaler Identitäten, ebenso wie heute in Geldfragen, Banken beauftragen, ob andere Unternehmen (Telkos, Internetkonzerne, Auskunfteien) diese Aufgabe übernehmen können oder Self Sovereign Identities auf Basis der Blockchain-Technologie die Lösung sein werden. Ganz ohne Regulierung wird es nicht gehen. Somit kommen Banken oder bankähnliche Institutionen automatisch ins Spiel. Vorstellbar ist die Gründung neuartiger Genossenschaftsbanken (Daten-Genossenschaften) oder anderer bankähnlicher Institute. Ob die bestehenden Banken mit ihrem Geschäftsmodell dazu in der Lage und willens sind, bleibt abzuwarten. Nötig sind gemeinsame, offene Standards, die es den Nutzern ermöglichen, sich mit ihrer digitalen Identität bei jedem beliebigen Anbieter – medienbruchfrei –  anmelden zu können. Gut möglich, dass die meisten Nutzer mit der Verwaltung ihrer Digitalen Identitäten überfordert sind oder aber die Zeit nicht darauf verwenden wollen und diese Aufgabe daher an andere Akteure oder die Blockchain delegieren.

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