Grenzen Selbstsouveräner Digitaler Identitäten #1

Von Ralf Keuper

Digitale Identitäten, die von den Nutzer:innen in eigener Regie verwaltet werden, sollen dazu beitragen, die bisher allmächtigen Datenkonzerne in ihre Schranken zu verweisen. Daneben bieten Selbstsouveräne bzw. Selbstbestimmte Digitale Identitäten große Effizienz-Vorteile für die Wirtschaft. Die Datenqualität steigt, Produkte und Services können gezielter auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden. Die Nutzer:innen geben nur so viel Daten heraus, wie für den betreffenden Vorgang nötig sind; ebenso ist es möglich, sich weitestgehend anonym im Netz zu bewegen. Es existiert keine zentrale Instanz, die einen maßgeblichen Einfluss auf die technische und organisatorische Gestaltung der SSI-Infrastruktur ausüben kann.

Zu schön, um wahr zu sein?

Ideengeschichtlich orientieren sich Selbstsouveräne Digitale Identitäten am wirtschafts- bzw. neoliberalen Gedankengut[1]Self Ownership, wie bei Friedrich August von Hayek[2]weitaus extremer noch Ayn Rand, wonach Machtkonzentrationen und Wissensmonopole für den Wettbewerb und das Funktionieren der Gesellschaft schädlich sind. Je dezentraler Wirtschaft und Gesellschaft gegliedert sind, um so besser. Der Einzelne hat nahezu vollständige Autonomie über die ihn betreffenden Entscheidungen. Ein Zusammenschluss der Einzelnen, wie in NGOs oder Gewerkschaften, um einen Ausgleich zu Machtungleichgewichten zu schaffen, ist überflüssig.

Wie realistisch ist dieses Szenario?

Bislang benötigte jede moderne Gesellschaft Institutionen, die dafür sorgen, dass die Akteure in der Wirtschaft bestimmte Spielregeln einhalten, wie im Rechts- Finanz-, Verkehrs- und Gesundheitswesen. Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann…

References

1 Self Ownership
2 weitaus extremer noch Ayn Rand
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