Bislang drehte sich die Debatte um digitale Identität fast ausschließlich um Menschen: um Bürgerinnen und Bürger, Kunden, Beschäftigte. Wer eine Wallet ausgibt, wer sie prüft und welche Nachweise darin liegen, wird entlang natürlicher und juristischer Personen entschieden. Mit der Verbreitung von Robotern, autonomen Industrieanlagen und KI-Agenten tritt eine dritte Gruppe hinzu, die sich in dieses Raster nicht einfügt: Maschinen, die handeln.
Der südkoreanische Ansatz
Das südkoreanische Cybersicherheitsunternehmen RaonSecure hat den Zuschlag erhalten, in einem staatlich geförderten Projekt Sicherheitstechnologien für kollaborative intelligente Systeme zu erforschen. Der Ansatz ist mehrschichtig und soll Risiken bei KI-Modellen, Daten, Kommunikationsnetzen, Geräten und Einsatzumgebungen abdecken. Gefördert wird das Vorhaben vom Ministerium für Wissenschaft und IKT sowie von der nationalen Agentur zur Förderung der IT-Industrie. Beteiligt sind weitere Unternehmen, darunter SSenStone, Tilon, Desilo und ITStation, sowie die Universitäten Sogang und Jeonbuk.
Technisch knüpft RaonSecure an seine Lösung für dezentrale Identitäten (DID) an, die bereits im südkoreanischen System der mobilen Identifikation eingesetzt wird. Diese soll auf physische KI-Systeme ausgeweitet werden. Vorgesehen ist, Identitäten, Berechtigungen, delegierte Befugnisse und Aktivitätsprotokolle autonomer Systeme zu verwalten. Ein Roboter in einer Fabrik würde demnach vor jeder Aufgabe in Echtzeit seine Identität und seine Berechtigungen nachweisen. Befehle, die über die erteilte Erlaubnis hinausgehen, sollen automatisch blockiert werden. Das Ziel ist, Angriffe, Fehlfunktionen und unautorisierte Handlungen mit physischen Folgen einzudämmen. Erprobt werden soll zunächst in Smart Factories und der autonomen Fertigung, später in Logistik, Gesundheitswesen und Verteidigung.
Der Firmenchef formuliert den Anspruch so: Entscheidend werde nicht sein, wie leistungsfähig KI-Systeme sind, sondern wie vertrauenswürdig.
