Persönliche digitale Assistenten: Das bessere Ich?

Von Ralf Keuper

Wäre es nicht schön, wenn wir einen digitalen Doppelgänger hätten, der uns im Internet von unserer besten Seite zeigt und uns dazu noch von lästigen Routinetätigkeiten entlastet?

In  Vom persönlichen Assistenten zum digitalen Besser-Ich spielt Stefan Pfeiffer dieses Szenario durch. Damit der Assistent seine Aufgabe zu unserer Zufriedenheit erledigen kann, benötigt er den exklusiven Zugriff auf unsere Daten, um Daten-, Verhaltens- und Emotionsanalysen durchführen zu können. Ziel ist die Optimierung unserer Verhaltens- und damit in gewisser Weise auch Denkweisen. Kurzum – es geht um Selbstoptimierung.

Auch Pfeiffer überkommen dabei leise Zweifel; ist ein neues Über-Ich oder Besser-Ich wirklich wünschenswert, besteht nicht die Gefahr der Überoptimierung, der Über-Anpassung an die gegebenen Verhältnisse? Ist es nicht so, so möchte ich an dieser Stelle hinzufügen, dass die Abweichung von gängigen Meinungen häufig die Voraussetzung für Kreativität und Innovation ist? Dabei kann es durchaus mal vorkommen, dass man die gängigen Regeln der Konvention verstösst. Soll das künftig, wenn überhaupt, nur noch in die Zuständigkeit der Kunst fallen?

In eine ähnliche Richtung geht Alexa Galeo in seinem Beitrag Emergence of the Personal Data Analyst. Darin entwirft er das “Berufsbild” eines Personal Data Analysten:

This person might get paid a fixed value to data mine a client’s life; the deliverable could be something simple like a scrapbook-style report or something elaborate like an interactive set of dashboards. The key here will be to tell a story. Oh and by the way, this “person” will probably be a computer 😉

Die Aufgabe des Personal Data Analyst besteht zunächst darin, den Nutzer einen Überblick der über ihn im Netz vorhandenen Daten zu verschaffen und daraus ein zusammenhängendes Bild zu erstellen. Der Personal Data Anlayst als Storyteller unserer Digitalen Identität:

A successful Personal Data Analyst Agency would staff people with different strengths, so they can deliver a diverse product. Their work would still involve huge amounts of automation, but their deliverables can be more advanced and specific than my proposed social-media / web-app services. Plus they can give clients that personalized touch. These companies could foreseeably run on monthly retainers or rely on contract work.

So oder so: Wir werden in Zukunft Applikationen benötigen, die uns dabei helfen, die Datenspuren, die virtuellen Teile unseres “digitalen Selbst” unter unsere Hoheit zu bringen, damit andere sich nicht ein falsches oder verzerrtes Bild von uns machen, ohne dass wir Kenntnis davon und damit keine Chance zur Korrektur haben. Wir sind die valideste Auskunftsquelle unserer selbst. Allerdings stellt sich damit die Frage, wie transparent wir sein wollen bzw. sein müssen. Jedenfalls sollten wir, wie Alex Schoof empfiehlt, vermeiden, mit nur einer digitalen Identität vertreten zu sein.

Dieser Beitrag wurde unter Digitale Identitäten, Personal Data abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.