Digitale Wallets versprechen Nutzerautonomie und das Ende der Abhängigkeit von zentralen Identitätsprovidern. Ein neues Paper zeigt: Die Zentralisierung verschwindet nicht – sie verlagert sich. Wer das nicht versteht, baut an Architekturen, deren Rhetorik ihre eigene Realität verdeckt.
Was passiert, wenn ein System Abhängigkeiten abschaffen will und dabei neue erzeugt? Diese Frage steht im Zentrum eines Papers von Ioannis Konstantinidis, Ioannis Mavridis und Evangelos Markakis, das im März 2026 auf arXiv erschienen ist. Unter dem Titel The Decentralisation Paradox in Digital Identity untersuchen die Autoren, warum nutzerzentrierte Identitätsarchitekturen – von Self-Sovereign Identity bis zur europäischen EUDI Wallet – ihr Kernversprechen strukturell nicht einlösen können: Dezentralisierung herzustellen, ohne Zentralisierung an anderer Stelle zu erzeugen.
Das Paradoxon ist kein Zufall und kein Implementierungsfehler. Es ist, so die These, dem Gegenstand inhärent.
