Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft

Von Ralf Keuper

Für den Nationalökonomen Friedrich Georg Knapp war Geld ein Geschöpf der Rechtsordnung. Eine Theorie des Geldes könne daher nur rechtsgeschichtlich begründet sein[1]Zur Aktualität der “Staatlichen Theorie des Geldes” von Georg Friedrich Knapp. Katharina Pistor geht in ihrem Buch Der Code des Kapitals – Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft deutlich darüber hinaus.

Indem es bestimmte Vermögenswerte codiert und mit der Fähigkeit versieht, privaten Reichtum zu schützen und zu produzieren, bestimmt das Recht, was als Kapital akzeptiert wird. Prinzipiell kann jedes Objekt, jeder Anspruch oder jede Idee in Kapital umgewandelt bzw. codiert werden. Dafür sorgen Anwälte in ihrer Eigenschaft als die Hüter dieses Codes. Aus den verschiedenen Rechtssystemen und Rechtsinstrumenten wählen sie diejenigen aus, die den Bedürfnissen ihrer Mandanten am besten dienen. Die Techniken der Vergangenheit, als es galt, Landbesitz in Kapital umzuwandeln, werden heute für die Codierung von Aktien, Anleihen, Ideen und Zukunftserwartungen verwendet.

Nicht ein physischer Produktionsprozess, sondern die rechtliche Codierung ist das Entscheidende. Für die Kommodifizierung allein sind zwei Attribute des Codes ausreichend: Priorität und …

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