Eine fotorealistische Darstellung ist keine Identität. Diese Unterscheidung, so banal sie klingt, bildet den epistemischen Kern einer aktuellen Studie, die das Potenzial gängiger KI-Tools – ChatGPT, Gemini, Grok – zur biometrischen Entmaskierung von Gesichtern systematisch untersucht und klar begrenzt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die generierten Gesichter täuschen das menschliche Auge, nicht aber biometrische Erkennungssysteme.


Fotorealismus als Täuschungsform

Die Studie arbeitet mit mehreren Datensätzen: 400 maskierten Gesichtern (Dataset Different-ID), einem Same-ID-Korpus, einem Set maskierter US-Senatoren sowie einer Doppelgänger-Sammlung. Als Messverfahren dient die Kosinus-Ähnlichkeit der Gesichts-Embeddings via ArcFace, einem der robustesten biometrischen Referenzmodelle. Die Befunde sind konsistent: Gemini erzielt mit einem Mittelwert von 0,52 die besten Ergebnisse, ChatGPT schwankt zwischen 0,29 und 0,54. Der Schwellenwert für echte Identitätsübereinstimmung liegt bei 0,71. Die KI-generierten Gesichter siedeln sich biometrisch zwischen „fremde Person” (0,04) und „Doppelgänger” (0,15) an – statistisch gesehen eine Leerstelle, keine Identität.

Was die Studie damit aufzeigt, ist strukturell bedeutsam: KI-generierte Gesichter operieren im Raum des Scheins, nicht der bio…