Digitalisierung: Deutschland verzettelt sich

Von Ralf Keuper

In Deutschland herrscht kein Mangel an Projekten, in denen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft und Gesellschaft untersucht und daraus branchenbezogene Prototypen abgeleitet werden. Ein roter Faden ist indes weit und breit nicht in Sicht. Es fehlt eine klare Strategie. Das Rad wird in jedem Projekt neu erfunden; die Ergebnisse aus abgeschlossenen Projekten finden kaum Eingang in andere, nach- oder übergelagerte. Häufig starten diverse Projekte mit einem ähnlichen Fokus. Insofern ist Theresa Martus in Zukunft ist woanders: Deutschland im Digitalisierungsbrei zuzustimmen:

Ein Forschungswettbewerb hier, ein Pilotprojekt da: Das reicht nicht. Das wird der Dimension der Aufgabe nicht gerecht. In der Kleinteiligkeit, mit der Digitalthemen angegangen werden, wirkt die Bundesregierung wie ein Schüler, der erst einmal sein Zimmer aufräumt, mit dem Hund rausgeht, freiwillig Geschirr spült, bevor er endlich seine Hausaufgaben macht.

Aber nicht nur die Politik hat keine klare Vorstellung davon, wie den Herausforderungen der Digitalisierung begegnet werden soll. Ähnlich orientierungslos agiert die Industrie. Hier überwiegt der Glaube, es irgendwie alleine schaffen zu können. Ansonsten beteiligt man sich gerne an öffentlich geförderten Projekten.

Zu den wenigen Ausnahmen zählt die Landmaschinenindustrie. Dort hat man, wie mit Data Connect, erkannt, wie wichtig die Kooperation über Unternehmensgrenzen hinweg ist, wenn man nicht irgendwann die Kundenschnittstelle an die großen digitalen Plattformen verlieren will.

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