Intermediäre in der Identity Economy

Von Ralf Keuper

Gerade die Identity Economy benötigt vertrauenswürdige Mittelsmänner in Form spezieller Institutionen oder Organisationen, wie in der Vergangenheit Banken in ihrer Rolle als Finanzintermediäre. In der Identity Economy könnten eine Identity Bank oder ein Identity Broker diese Funktion übernehmen und für das nötige Systemvertrauen der Akteure bei der Anbahnung und Abwicklung von Transaktionen sorgen.

Wie so ein Identity Broker agieren könnte, beschreibt Neil Wilson:

The Identity Broker business model is the ultimate fulfillment of the Identity Economy vision, as there are service providers that act as middlemen to connect those who buy and sell identity attributes. These identity brokers make money on the transaction, much like Visa and MasterCard make money processing credit card transactions. The identity broker can also be an owner of identity data – this makes them a seller as well as a buyer.

Auch in Zukunft, mit der wachsenden Verbreitung der eID in Deutschland und der EU, sind Intermediäre, Digital Identity Service Provider nötig, die dafür sorgen, dass die verschiedenen Informationen, Berechtigungen und Formate abgestimmt werden, wie in dem Report The Rise of Digital Identities zu entnehmen ist:

This is a fragmented landscape. Digital identities rely on FSOs being able to navigate a complex array of ID schemes, regulations and digital assets. Often, they need specialist support in order to access all this information and reduce the complexity. As such, many are working with a digital identity services provider (DISP) to help join the dots.

A DISP makes it easier for organizations performing the onboarding to connect to different schemes and source all aspects of the identity puzzle. It does this by facilitating connections with various platform models, trusted frameworks and other verification networks through one single technical interface.

Die Aufgabe dieser neuen Akteure/Instanzen besteht zum einen darin, für das nötige Systemvertrauen zu sorgen, und zum anderen in der Reduktion der Komplexität.

Warum das Systemvertrauen gerade angesichts der zunehmenden Digitalisierung und der Verlagerung weiter Teile der Geschäfte und Transaktionen in das mehr oder weniger anonyme Netz (E-Commerce, Soziale Netzwerke) besonders nötig und auch gefordert ist, wird deutlich, wenn man die Gedanken von Niklas Luhmann zu dem Thema auf sich wirken lässt:

Die Umstellung auf Systemvertrauen scheint das Lernen des Vertrauens zu erleichtern, die Innengarantien weithin entbehrlich zu machen bzw. durch funktionierende Interaktion zu ersetzen, die Kontrolle des Vertrauens dagegen zu erschweren. Sie macht das Vertrauen diffus und dadurch widerstandsfähig, ja fast immun gegen einzelne Enttäuschungen, die stets speziell erklärt oder abreagiert werden können, währen das persönliche Vertrauen durch verräterische Kleinigkeiten zum Platzen gebracht werden kann. Das Systemvertrauen braucht nicht immer wieder neu gelernt zu werden.  …

Während man bei persönlichem Vertrauen Darstellungen durchschauen und sich gegen Täuschungen vorsehen und wappnen muss, wird man von diesen Vertrauensanforderungen im Fall des Systemvertrauens entlastet. Dass die Bank mehr Geld ausleiht, als sie besitzt, dass der Staat mehr Befehle erlässt, als er mit Polizeigewalt durchsetzen könnte, dass im fachlichen Rat mehr Information vermittelt wird als logisch und empirisch stichhaltig belegt werden könnte, wird man kaum als Täuschung bezeichnen wollen. Das Vertrauen ist in diesen Fällen durch Generalisierung und durch Indifferenz gegen Fragen der Motivation über die Ebene herausgehoben, in der Täuschungen zu erwarten und gefährlich sind (in: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität).

Könnte ein Digitaler Notar das nötigen Systemvertrauen erzeugen?

Besteht nicht Bedarf an einer neutralen Instanz, die als Intermediär, als Trusted Advisor oder Digitaler Notar, zwischen den beteiligten Akteuren/Instanzen vermittelt? Diese hätte die Aufgabe, den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu verschaffen und den Unternehmen die nötige Rechtssicherheit zu geben. Quasi ein Third Party Provider, wie er von der neuen Payments Directive (PSD2) vorgesehen ist. Eine Schlüsselrolle könnte dabei auch die eID übernehmen, die sich über den Neuen Personalausweis (nPA) über das Smartphone einlesen lässt. (Eigenzitat)

Wir werden sehen.

 

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