Digitale Identifizierung als Medienpraktik

Von Ralf Keuper

Die Identifizierung von Personen ist eng mit den technischen und organisatorischen Möglichkeiten verbunden, die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stehen. Von den Wappen und herrschaftlichen Siegeln des Mittelalters bis zum neuen Personalausweis und selbstverwalteten Digitalen Identitäten zieht sich demnach ein roter Faden. Diese Entwicklung wird in Identifizieren: Theorie und Geschichte einer Medienpraktik näher beschrieben.

Die Kernthese:

Beim Identifizieren handelt es sich um eine ko-operative Medien- und Datenpraktik, an der stets mehr als eine Person beteiligt ist. Sie involviert von Anfang an menschliche Körper samt ihrer semiotischen Ressourcen und koppelt diese mit bürokratischen Aufschreibesystemen. Auch die neuesten digitalen Prozeduren greifen bevorzugt auf Gesichter und Fingerabdrücke zu: Biometrie versucht, den für das Identifizieren konstitutiven Abstand zwischen Konten, Körpern und Personen aufzuheben.

Im Gegensatz zu früheren, analogen Zeiten, ist eine Trennung von Daten, Körpern und Gesichtern in der Digitalmoderne nicht mehr möglich:

Registrieren und Identifizieren beinhalten .. alltägliche logistische Medien- und Datenpraktiken, Adressieren, Einschätzen, Auffinden, Tracking und das Liefern einer Nachricht, eines Objekts oder einer Person. Registrierungs- und Identifizierungstechniken ermöglichen die Referenz auf singularisierte Personen, Zeichen und Objekte, aber au…

Dieser Beitrag wurde unter Digitale Identitäten, Technik und Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.