Die unheimliche Macht von Amazon, Google & Co.

Von Ralf Keuper

Wenn schon dem Economist die Marktmacht von Amazon, Google, facebook, Apple, Alibaba & Co. nicht mehr geheuer ist und zum Ruf nach Regulierung führt (The data economy demands a new approach to antitrust rules) , dann müssen wir eine neue Dimension erreicht haben:

Internet companies’ control of data gives them enormous power. Old ways of thinking about competition, devised in the era of oil, look outdated in what has come to be called the “data economy” (see Briefing). A new approach is needed.

Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hat das Wirtschaftsmagazin erstaunlich lange gebraucht; dabei waren die Medien die ersten “Leidtragenden” der Entwicklung, die jetzt bestenfalls noch eingedämmt werden kann.

Unbehagen bereitet dem Economist auch die Tatsache, dass die großen Internetkonzerne die Nutzer und ihre Gewohnheiten überwachen und im Extremfall manipulieren können. Auch das wiederum keine neue Erkenntnis (Vgl. dazu: Shoshana Zuboff: Secrets of Surveillance Capitalism)

Als Gegenmaßnahme empfiehlt der Economist, dass die Datenproduzenten mehr Rechte an ihrem Produkt erhalten und die Transparenz bei der der Datenerhebung und -verwendung erhöht wird:

More transparency would help: companies could be forced to reveal to consumers what information they hold and how much money they make from it. Governments could encourage the emergence of new services by opening up more of their own data vaults or managing crucial parts of the data economy as public infrastructure, as India does with its digital-identity system, Aadhaar. They could also mandate the sharing of certain kinds of data, with users’ consent—an approach Europe is taking in financial services by requiring banks to make customers’ data accessible to third parties.

Ob Aadhaar nach den letzten Ereignissen so ein leuchtendes Vorbild ist?

Alles in allem sind die Vorschläge des britischen Wirtschaftsmagazins recht einfallslos und entsprechen nicht dem aktuellen Diskussionsstand. Warten wir also noch ein paar Jahre 😉

Da ist die Bundesregierung mit ihrem Weißbuch Digitale Plattformen geradezu innovativ und kreativ.

Leitende Fragen dabei sind:

Wie kann Wettbewerb gesichert werden, wenn Netzwerkeffekte über Konzentrationstendenzen zu Marktverschlüssen führen können? Wie kann Vertragsfreiheit gewahrt bleiben, wenn die Datenkontrolle durch Plattformbetreiber Informationsungleichgewichte entstehen lässt? Welche Funktion erfüllt der Preisbildungsmechanismus, wenn Leistungen auf der einen Seite der Plattform unentgeltlich erbracht werden, weil sie durch Zahlungen auf der anderen Plattformseite finanziert werden? Welche Rolle spielt Eigentum, wenn Daten zum zentralen Gut werden, das jedoch beliebig zu vervielfältigen ist? Und wie können Haftungslücken vermieden werden, wenn Freiheiten entfaltet werden, ohne dass Verantwortung übernommen wird?

Die Research-Abteilung für Technologie der französischen Großbank BNP Paribas teilt in Data brokers: it’s time to lay down some effective rules  die Sorge um die wachsende Marktmacht der Datenhändlerund plädiert ebenfalls für schärfere Regeln, um die Dominanz von Google & Co. zu begrenzen. Letztlich führe das zu einem Menschenrecht auf die Kontrolle der eigenen personenbezogenen Daten. Der Schlüssel dafür ist das Profil, die digitale Identität, die den Nutzern zugeordnet wird. Daten alleine reichen nicht:

We should not however forget that the user of the device, site or platform is central to this business as s/he is the main source of the data in question. So the fundamental issue of its value should not be studied only through the lens of business. Such data basically carries a highly personal value which is actually priceless because all data left behind by the user, assembled into a whole, forms what we may call his/her digital identity. This ‘substitute persona’ only applies in cyberspace, identifying the user and enabling the system to create a more or less informed profile of his/her personality and preferences – which is of course exactly what data brokers are looking for. And looking at it this way, what these companies are in fact doing – in addition to broking and trading raw data – is trying to capture, categorise and sell our digital identities. This is precisely why we need to ask whether such information should be seen as private or public, personal or shared, with a view to perhaps setting up effective data protection systems. If you are your data, then protection of this data is clearly part of your human rights.

So viel steht jetzt schon fest: Amazon, Alphabet, Facebook und Co. sind, wie die NZZ diagnostiziert, Die Gewinner der digitalen Revolution.

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