Was Deutsche Bank & Co. mit ihrer Datenplattform wirklich bezwecken könnten

Von Ralf Keuper

In die Diskussion um die Erfolgsaussichten der von der Deutschen Bank, Daimler, Allianz, Postbank und weiterer Unternehmen geplanten Datenplattform bringt Gregory Lipinski in „Generalschlüssel“ fürs Web: Was Axel Springer & Co. mit dem Megaprojekt DIPP wirklich bezwecken eine weitere Facette. Demnach ziele das Megaprojekt DIPP auf die Änderungen bei der Verwendung der personenbezogenen Daten als Folge der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sowie der ePrivacy-Richtlinie. Künftig dürfen die personenbezogenen Daten der Nutzer nur noch mit deren expliziter Zustimmung  verwendet bzw. vermarktet werden. Lipinski schreibt:

Die neue Registrierungsplattform von Axel Springer & Co umschifft das Problem. Denn die User sollen bei der Anmeldung einmalig ihr Okay für übergreifendes werbliches Opt-In geben. Ob dies die Nutzer akzeptieren, wird sich allerdings zeigen. „Es bleibt die Frage, wie viele Nutzer hier am Ende wirklich mitmachen und bereit sind, die Daten zu sharen. Sollte es funktionieren, ist es für alle Partner ein Gewinn, da so auch in Zukunft ausserhalb von Google und Facebook kommunikativ zielgerichtete und damit für den User relevantere Kampagnen realisierbar sind“, meint Mediascale-Chef Simons.

Der Datenschutzbeauftragte für Hamburg, der von einem Leuchtturmprojekt spricht, wird in dem Beitrag mit den Worten zitiert:

Der Schutz persönlicher Daten gewinnt in einer durch Daten und Algorithmen bestimmten Welt für die Verbraucher immer mehr an Bedeutung. Neue Anbieter, die dem Datenschutz und der Datensicherheit einen höheren Stellenwert einräumen, könnten daher eine interessante Alternativen sein

So neu ist die Idee nicht. Mit Emetriq bietet die Deutsche Telekom nach eigener Aussage den derzeit größten Datenpool in Deutschland an. Partner ist u.a. DER SPIEGEL. Ähnliches plant der Handelskonzern Metro mit der ersten branchenübergreifenden Vermarktungsplattform von Handelsdaten in Deutschland. In der Schweiz haben Ringier, SRG und Swisscom vor einiger mit Admeira das Daten-Vermarktungsunternehmen des Landes gegründet. Die Werbeallianz ist in der Schweiz nicht unumstritten (Vgl. dazu: Umstrittene Werbeallianz Admeira. Schweizerisches Kuddelmuddel)

Auf die Entwicklung reagiert hat auch Telefonica mit seiner Personal Data Bank und seiner Data Anonymization Platform. Branchenbeobachter werten das als Zeichen dafür, dass die Telcos im großen Stil in das digitale Advertising-Geschäft einsteigen werden, wie in How telcos like Telefonica plan to muscle in on adland berichtet wird. Erst vor wenigen Tagen gab Telefonica bekannt, dass die Kunden in Deutschland dank einer Partnerschaft mit People.io die Kontrolle über ihre Daten erhalten sollen.

Das alles spricht für das Entstehen der Identity Economy, wie sie auf diesem Blog bereits vorgestellt wurde:

Indentity Economy Landscape (1)

Die Banken würden bei dem Versuch, in das Geschäft mit der Datenvermarktung einzusteigen, ein nicht zu unterschätzendes (Reputations-)Risiko eingehen. Zuerst wird es sehr schwer, mit den Angebot und der Reichweite von Google & Co. konkurrieren zu können. Im Zeitalter großer Medienverbundsysteme haben Google, Apple & Co. hier einen strukturellen Startvorteil. Vor einiger Zeit schrieb ich dazu auf diesem Blog:

Nicht wenige fordern die Banken dazu auf, in das Wettrennen um die Kundendaten mittels Big Data -Technologien einzusteigen. Ganz abgesehen davon, ob diese Strategie zu den gewünschten ökonomischen Ergebnissen (Personalisierung, Cross Selling etc.) führt, handelt es sich dabei um ein zweischneidiges Schwert. Kann eine Bank ein Interesse daran haben, mit den sog. „Datenkraken“ auf eine Stufe gestellt zu werden; widerspricht das nicht ihrem Auftrag als Treuhänder der Kunden und deren ökonomischen Interessen? Wäre es da nicht besser, sich als Anwalt der Kunden zu positionieren? Könnten Banken sich nicht als sog. Algorithmic Angels empfehlen?

Sollte bei den Kunden der Eindruck entstehen, die GDPR und ePrivacy-Richtlinie diene den Unternehmen nur als Feigenblatt, um die Daten für ihre Zwecke zu verwerten, wäre der Image-Schaden beträchtlich.

Langfristig erfolgversprechender erscheint mir das Ziel, eine Personal Data Bank bzw. eine Bank für Digitale Ethik zu gründen und damit das Relationship-Banking in die Digitalmoderne zu überführen:

Ob es künftig Banken geben wird, die sich explizit Personal Data Bank nennen oder in ihrem Namen auf die digitale Ethik verweisen, ist fast schon zweitrangig. Wichtiger ist da schon eher das Bekenntnis zu einer neuen Form des Relationship Banking.  Diese Form des Banking zeichnet sich dadurch aus, dass die Mitarbeiter sich als Verwalter der personenbezogenen Daten und der digitalen Vermögenswerte ihrer Kunden betrachten und in der Lage sind, die Kunden sachgerecht und möglichst objektiv zu beraten. Das setzt natürlich neben einer fachlichen auch eine hohe technische Expertise voraus, die wiederum nicht allein an Algorithmen (wie z.B. Robo Advisors) delegiert werden können. Wer es als Bank versteht, hier menschliche Expertise mit technologischem Know-How zu kombinieren, hat einen großen Wettbewerbsvorteil.

Die Bank hätte als Trusted Advisor u.a. den Auftrag, eine Datendividende für die Kunden zu erwirtschaften.

Crosspost von Bankstil

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