Wer steuert die Fabrik der Zukunft?

Von Ralf Keuper

Der Anbieter, der es schafft, sein Betriebssystem in der Fabrik der Zukunft zum Standard zu machen, wie heute MS Office in der Bürokommunikation, kann sich auf enorme Einnahmen freuen. Insofern ist es nur folgerichtig, wenn Microsoft versucht, auch im Internet der Dinge Lieferant für das führende Betriebssystem zu werden (Vgl. dazu: Microsoft auch im IoT als führendes Betriebssystem?). Das Portfolio von Microsoft im IoT deckt bereits nahezu alle relevanten Aspekte ab:

In addition to Azure Sphere, Microsoft’s rich ecosystem of IoT products includes Azure Digital Twins, Azure IoT Edge, Azure Maps and Azure IoT Central. Separately, it’s partnered with companies like DJI, SAP, PTC, Qualcomm, and Carnegie Mellon University for IoT and edge app development.

Im Zeitalter des Industrial Consumerism oder der Amzonifikation ist davon auszugehen, dass die heute noch bestehenden Grenzen zwischen B2C und B2B weitgehend verschwinden werden. Industrial IT und Office IT wachsen zusammen (Vgl. dazu: IT-Sicherheit & Industrie 4.0 : Security-Konzepte im Praxis-Check).

Zusammen mit Volkswagen entwickelt Amazon eine Industrial Cloud, welche die Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme sämtlicher Fabriken des VW-Konzerns zusammenführt. Gemeinsam mit Microsoft will BMW eine Open Manufacturing Platform einführen.

Mithilfe von Industriestandards und Referenzanwendungen können die Community-Mitglieder ihre eigenen Dienste und Lösungen schneller bereitstellen und mit der Community teilen, sie behalten gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten und ihr geistiges Eigentum.

Den technologischen Kern bildet die Microsoft Azure Industrial IoT Cloud Plattform.

Weiterhin:

Die OMP ist mit der bestehenden Referenzarchitektur für Industrie 4.0 (RAMI4.0) kompatibel und nutzt unter anderem den industriellen Interoperabilitätsstandard OPC UA

In der Liste darf Alibaba mit seiner Alibaba Cloud Industrial IoT Platform for Industrial Manufacturing nicht fehlen. Wichtige Komponenten sind das AliOS Things operating system sowie das Identitätsmanagement:

On the cloud platform, devices connected to the platform are managed based on a unified model. Each device is assigned an independent ID to ensure the uniqueness of the device.

Alles aus einer Hand.

Neben den großen Technologiekonzernen wollen auch eher klassische Industrieunternehmen wie General Electric und Siemens das Betriebssystem für das Industrielle Internet liefern. GE mit Predix und Siemens mit MindSphere. Vor einigen Jahren hatte Siemens mit der Übernahme des Herstellers von PLM-Softwaresystemen, UGS, den Grundstein für MindSphere gelegt. Im Jahr 2017 übernahm Siemens PLM Software das Unternehmen Mentor Graphics für 4,5 Mrd. Dollar. Dadurch entstand der weltgrößte Anbieter von Industriesoftware für Produktkonstruktion, Simulation, Überprüfung, Test und Herstellung.

Mit im Spiel sind daher auch die Hersteller von PLM-Software, wie Dassault, PTC und Autodesk.

Und nicht zu vergessen: Die Hersteller von Automatisierungslösungen bzw. der elektrischen Verbindungstechnik wie Phoenix Contact, Wago, Beckhoff, Harting und Weidmüller sowie Startups wie relayr, IoTOS oder weeve.

Mehrere Industrieunternehmen und Forschungsinstitute arbeiten im Projekt FABOS an einem Betriebssystem für die Fabrik der Zukunft.

Das führt letztlich zu der Frage, welche Bereiche ein Hersteller abdecken muss, um in der Fabrik der Zukunft die Nase vorn zu haben. Ist derjenige der Gewinner, der die Standards für die Software- und Datenplattformen setzt? (Vgl. dazu: Zukunft der Industrie: Kampf um die Steuerung der digitalen Fabrik). Kann das ein privater Anbieter überhaupt? Wenn, dann Stand heute, wohl nur die großen Plattformen, die über den mit Abstand größten, branchenübergreifenden Datenbestand verfügen, wie Amazon, Microsoft, Google oder Alibaba. Deren Plattformen wären der Quasi-Standard. Zudem sind sie in der Lage, beide Seiten – Cloud und Edge – aus einer Hand zu liefern. Vorreiter ist hier Amazon mit AWS Data Exchange.

Können mehr oder weniger neutrale Standards und Referenzarchitekturen wie RAMI oder der IDS-Connector ein Gegengewicht schaffen? Dazu müsste die Bereitschaft der Unternehmen über die Branchengrenzen hinweg an einem Strang zu ziehen, gegeben sein. Danach sieht es momentan aber nicht aus. Profiteure werden die “üblichen Verdächtigen” sein.

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1 Antwort zu Wer steuert die Fabrik der Zukunft?

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