Wettlauf um die Datenhoheit im Auto

Von Ralf Keuper

Das Connected Car ist zwar noch in relativ weiter Ferne; der Wettlauf um die Datenhoheit im Auto ist indes schon längst im vollen Gange. Gegenüber stehen sich die Automobilhersteller auf der einen sowie die großen Internetkonzerne wie Google und Apple auf der anderen Seite. Die Zulieferer tendieren verständlicherweise eher zu den Automobilherstellern, sind für Kooperationen mit Google & Co. jedoch offen.

Google und Apple sind bereits über seine Infotainment-Systeme im Auto vertreten. Zusammen mit Audi und Volvo will Google ein auf Android basierendes Infotainment-System in die Autos einbauen. Apple plant Ähnliches mit CarPlay.

Unternehmen aus dem Bereich Entertainment und Media-Streaming wie Spotify wollen ebenfalls das Auto erobern. Das Pay TV Netzwerk Epix stattet demnächst den Honda Odyssey mit seiner Video-Streaming-App aus.

Im Zentrum allen Strebens stehen dabei die Daten, die während der Fahrt im Auto, vom Auto selbst (über Sensorik) und/oder den Insassen, produziert und kommuniziert werden. Auf Basis dieser Daten können zahlreiche Geschäftsmodelle entwickelt werden. Beispielhaft dafür ist der Bereich der Autoversicherungen. Die Daten lassen Rückschlüsse auf das Fahrverhalten zu, was wiederum die Versicherungsbeiträge beeinflusst. Weiterhin ist es möglich, anhand der Fahrroute dem Kunden gezielte Angebote örtlicher Unternehmen, Einzelhändler oder Gastronomiebetriebe während der Fahrt einzublenden.

Irgendwann stellt sich Frage fast schon automatisch, ob Autos künftig nicht einer datenschutzrechtlichen Zulassung bedürfen, wie die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff fordert.

Die Datenhoheit müsse bei den Fahrern liegen, solange dem keine rechtlichen Gründe entgegenstünden. Dies umfasse nicht nur die Daten, die den Fahrstil betreffen, sondern auch die Daten, die vom Auto selbst, wie durch Steuergeräte, produziert werden. Weiterhin heisst es in Voßhoff wirbt für datenschutzrechtliche Zulassungsprüfung von Autos, dass

… detaillierte Fahrdaten oder Informationen etwa über die Nutzung von Assistenten oder zum Bremsverhalten ohne Schutzbestimmungen nicht in die Hände Dritter gehörten. Auch müsse klar erkennbar sein, welche Daten ohne ausdrückliche Einwilligung der Fahrzeugnutzer auf Basis eines Gesetzes verarbeitet werden dürfen. Bei Bedarf sollten sämtliche Informationen über die Verarbeitung personenbezogener Messwerte etwa über ein Display einsehbar sein.

Die Nutzer müssen in der Lage sein, personenbezogene Daten in ihrem Auto löschen zu können.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen macht sie für ein Trustcenter für Verkehrsdaten, das die Zugriffsrechte regelt, stark.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie hat seine Position in Zugang zum Fahrzeug und zu im Fahrzeug generierten Daten dargelegt.

Darin machen sie auf die Besonderheit des Automobils aufmerksam:

Was die Automobilindustrie und das Automobil jedoch von anderen bereits etablierten Plattformen unterscheidet, sind die signifikanten Herausforderungen und Risiken bezüglich Sicherheit (Safety und Security) und Datenschutz (Privacy). Denn das Auto ist kein Smartphone: Fahrzeuge benötigen viel höhere Standards Safety und Security betreffend als Tablets oder Handys. Der Schutz des Kunden und seiner Daten ist im Fahrzeug von besonderer Bedeutung. Auf der einen Seite werden durch die voranschreitende Konnektivität von Fahrzeugen neue Anwendungen für den Kunden oder innovative Businessmodelle ermöglicht, auf der anderen Seite macht diese Entwicklung das Fahrzeug allerdings auch verwundbar gegenüber Cyberattacken. Anders als das Smartphone ist das Fahrzeug jedoch für seine/n Nutzer von hoher Sicherheitsrelevanz. Somit haben die Integrität und Sicherheit des Fahrzeugs und Fahrers oberste Priorität und müssen jederzeit garantiert sein.

BMW wirbt mit BWM CarData:

Mit BMW CarData können Sie die wesentlichen Fahrzeugdaten Ihres BMW jederzeit einsehen und auf Wunsch für Dritte freigeben. Dabei entscheiden Sie allein, wem Sie Ihre Daten anvertrauen. Behalten Sie Ihre Telematikdaten so immer unter Kontrolle und profitieren Sie durch die Datenfreigabe für Dritte von maßgeschneiderten Serviceangeboten, die vorher so nicht möglich waren.

Google dagegen bevorzugt offene Schnittstellen. Dazu hat das Unternehmen vor einiger Zeit die Open Automotive Alliance ins Leben gerufen.

So oder so: Aus dem Auto werden sich Google & Co. nicht mehr vertreiben lassen, vor allem dann nicht, wenn sie selber in die Produktion einsteigen oder Automobilhersteller, wie Tesla, übernehmen. Unter sich werden die Automobilhersteller das nicht mehr regeln können; ebenso wenig aber auch die Internetkonzerne. Benötigt werden Trust Center oder Personal Data Banks. Vorreiter auf diesem Gebiet ist nach meinem Eindruck Japan, wo in den nächsten Jahren die weltweit erste Personal Data Bank entstehen soll.

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