Der jährliche „Air Transport IT Insights”-Report von SITA gehört zu den meistzitierten Branchenpublikationen im Luftfahrt-IT-Bereich. Die Ausgabe 2025 liefert bemerkenswerte Zahlen: Airlines investieren rund 36 Milliarden Dollar in IT, Flughäfen weitere 14,8 Milliarden Dollar – und dennoch bleibt die operative Realität weit hinter dem technologisch Machbaren zurück. Wer den Report nicht nur als Investitionsstatistik, sondern als Symptombeschreibung liest, erkennt ein strukturelles Grundproblem, das weit über die Luftfahrt hinaus vertraut ist: Die Lücke zwischen Investitionsvolumen und tatsächlicher Wirkung entsteht nicht aus Mangel an Kapital, sondern aus Mangel an institutioneller Koordination.


Die PR-Schere im Luftfahrt-IT-Kontext

49 Prozent der Airlines benennen fragmentierte Daten als zentrale Barriere für ihr Disruption-Management. Gleichzeitig setzen nur 17 Prozent Generative AI tatsächlich für die Echtzeit-Überwachung von Turnaround-Prozessen ein – obwohl 63 Prozent KI für Operations-Control einsetzen und Generative AI als Investitionspriorität Nummer eins gilt. Diese Diskrepanz ist kein Ausreißer, sondern ein Muster: Hohe kommunikative Intensität trifft auf niedrige operative Durchdringung. Die Ursache ist strukturell, nicht technisch.

Flugverspätungen kosten die Branche nach eigenen Angaben jährlich 30 Milliarden Dollar. Das entspricht fast exakt dem IT-Budget der Airlines. Die Frage, warum milliardenschwere IT-Investitionen diesen Verlust nicht substanziell reduzieren, beantwortet der Report selbst: Daten, die für eine koordinierte Reaktion auf Störungen notwendig wären, liegen in organisatorisch getrennten Silos – bei Airlines, Flughafenbetreibern, Bodenabfertigern, Behörden. Der systemische Charakter des Problems wird im Report zwar benannt, aber die Konsequenz nicht vollständig gezogen: Keine technische Lösung überwindet institutionelle Grenzziehungen, solange diese Grenzziehungen für die beteiligten Akteure rational sind.

Digital Identity: Ambitionen und Governance-Defizit

Für das Identity-Economy-Themenfeld ist der Befund zu Digital Identity besonders aufschlussreich. 64 Prozent der Airlines planen eigene digitale Credentials – eine Verdoppelung gegenüber 2024. Bis 2028 sollen 83 Prozent der Flughäfen biometrische Grenzkontrollen nutzen. Die Wachstumskurven sind beeindruckend. Doch der entscheidende Satz steht im Report fast beiläufig: 57 Prozent der Airlines sehen Flughafenkooperation als Voraussetzung für die Skalierung dieser Lösungen.

Hier trifft man auf das klassische Governance-Dilemma digitaler Identitätsinfrastrukturen. Airlines und Flughäfen sind operativ aufeinander angewiesen, aber rechtlich, wirtschaftlich und oft auch kulturell getrennte Akteure. Ein Airline-eigenes digitales…