Eckpunkte der Bundesregierung für eine Strategie Künstliche Intelligenz

Von Ralf Keuper

Die Bundesregierung hat im Juli diesen Jahres die Eckpunkte der Bundesregierung für eine Strategie Künstliche Intelligenz vorgestellt. Darin hebt sie die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für die Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland hervor.

Mit einiger Sorge sieht man die Dominanz US-amerikansicher und asiatischer Internetkonzerne:

Im Bereich der Verknüpfung von Nutzerdaten haben amerikanische und asiatische Firmen in den letzten Jahren eine weltweite Dominanz und einen Vorsprung vor deutschen und europäischen Unternehmen erlangt, der ihnen auch bei der weiteren Nutzung von KI-Technologien aktuell Wettbewerbsvorteile verschafft.

Jedoch: Noch ist nicht alles verloren:

Bei der wirtschaftlichen Nutzung von Unternehmens-, Prozess- und Produktdaten aus komplexen Wertschöpfungsketten und deren Verknüpfung mit hybriden Dienstleistungen – einem perspektivisch deutlich größeren Markt – beginnt der Wettbewerb aber erst. Hier hat Deutschland insbesondere aufgrund seiner Wirtschaftsstruktur mit einem starken Anteil des produzierenden Gewerbes, einer weltweiten Spitzenposition im Bereich der Logistik sowie hervorragend ausgebildeter Fachkräfte eine besonders günstige Ausgangsposition. Nicht zuletzt durch einen Vorsprung in Schlüsselfeldern der KI wie Industrie 4.0 und Mobilität. Deutschland bieten sich hier große Chancen.

Zur Rolle des Datenschutzes:

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bildet einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen für innovative Technologien und Anwendungen auch im Bereich der KI. Sie enthält Vorschriften zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Verkehr solcher Daten. Die Überarbeitung der E-Privacy-Verordnung soll dieses Schutzkonzept abrunden.

Weitere Punkte sind die Schaffung eines europäischen Datenraumes und öffentlich-rechtlicher Datenpools:

Weitere Verwirklichung des Europäischen Datenraumes, um in ganz Europa verfügbare Daten besser nutzbar zu machen und die Skalierung datenbasierter Angebote in der EU zu erleichtern. …

Vernetzung privater und öffentlicher Akteure zur Stärkung der Prozessoptimierung mit Hilfe von KI und Unterstützung von Datenkooperationen zwischen Staat und Privatwirtschaft im Sinne eines öffentlich-privaten Datenpools.

So weit, so gut.

In der Tat ist es so, dass der Bereich der Prozess-, Unternehmens-, und Produktdaten weitaus größeres Potenzial hat, als die Nutzerdaten. Allerdings lassen sich diese Daten nicht voneinander trennen, d.h. hier die Industrie dort die Privatpersonen. Die Privatpersonen sind es in der Regel, die in den Unternehmen mit ihrer Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen die Prozesse auslösen. Wenn also Google & Co. die Schnittstelle zu den Nutzern besetzen, dann haben sie damit die Möglichkeit, die weiteren Prozessschritte zu integrieren, was im Bereich Connected Cars und Smart Home bereits passiert.  Laut August-Wilhelm Scheer wird es darauf ankommen ob es uns gelingt,

unsere gegenwärtig erfolgreichen, mehr materiellen Produkte zu digitalisieren und mit neuen Dienstleistungen wie Predictive Maintenance oder Predictive Quality Assurance zu ergänzen (in: “Wir brauchen einen Ruck durch Politik, Forschung, Unternehmen und Gesellschaft” – Interview mit Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer)

Ein Problem, so August-Wilhelm Scheer weiter, sei, dass wir hierzulande die  konsum- und informationsorientierten  Produkte nicht rechtzeitig  in ihrer Bedeutung für die Digitalisierung erkannt hätten. Ob die Künstliche Intelligenz allein zur Verfeinerung der Maschinen ausreicht, wie Wolfgang Wahlster meint, bezweifeln sowohl Prof. Scheer wie auch Dr. Thomas Schmidt (Netzökonom). Schmidt bemängelt, dass KI  in Deutschland überwiegend zur Steigerung der Effizienz, weniger zur Entwicklung datenbasierter Produkte oder Geschäftsmodelle eingesetzt werde. Dafür fehlten oft noch die nötigen Daten und die Fachleute.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der auch von der Bundesregierung angesprochen wird, ist die Standardisierung:

Wer die Standards setzt, bestimmt den Markt. Gemeinsame Normen und Standards sorgen für den Abbau technischer Hemmnisse, unterstützen die Öffnung von Märkten und erhöhen damit die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Gemeinsame Standards können die Nutzerfreundlichkeit von Anwendungen erhöhen und Interoperabilität ermöglichen. Deshalb ist eine angemessene Stoßkraft Europas in internationalen Standardisierungsprozessen sicherzustellen.

Das gilt vor allem für den Bereich der Sicheren Digitalen Identitäten.

In der virtuellen Welt erfolgt die Darstellung und Identifikation einer Entität über Nullen und Einsen. Für das Funktionieren der digitalen Welt im Allgemeinen und für die Zukunftsprojekte der deutschen Wirtschaft im Speziellen sind „Sichere Digitale Identitäten“ essentiell. Das unternehmens-, system-, branchen- und andere „Grenzen“ – übergreifende digitale Interagieren erfährt mit der Industrie 4.0, den Smart Cities, Smart Mobility oder dem Internet of Things ein vollkommen neues Ausmaß. Dies lässt nach der Bedeutung und Notwendigkeit eines gemeinsamen Verständnisses und Herangehens fragen (in: Vertrauensanker für die Digitalisierung).

Auch hier sind US-amerikanische und asiatische Konzerne, wie Microsoft und Samsung, eifrig dabei, Standards zu setzen. Bevorzugte Technologie ist die Blockchain. Wenn Europa und Deutschland auch diesen Wettlauf verlieren, wird es eng. Um die Abhängigkeit von US-amerikansichen und asiatischen Technologiekonzernen zu verringern, bietet sich neben dem Einsatz der Blockchain-Technologie auch die Verwendung von Open Source – Lösungen an (Vgl. dazu: Mit Open Source-Software die Hoheit über Daten und digitale Identitäten sicherstellen).

Alternativen sind demnach vorhanden.

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