Expertenmeinung: Auswirkungen von Corona auf die Digitale Identifizierung #2 (Karl Steinacker)

Von Ralf Keuper

In der Folge “Welche Auswirkungen hat Corona auf die Digitale Identifzierung?” antwortet Karl Steinacker, expert on issues relating to humanitarian aid, leadership of multicultural teams and digital identity and trust:

  • Wird Corona die Digitalisierung beschleunigen, d.h. werden künftig (noch) mehr Vorgänge/Transaktionen aus der Ferne durchgeführt?

Nach nur 10 Tagen Corona-Krise beobachte ich bereits in meinem persönlichen Umfeld, wie sich virtuelles Arbeiten (sog. “Home Office”) professionalisiert, für Schulkinder Lernplattformen freigeschaltet werden, und in Geschäften des täglichen Bedarfs das Bargeld durch Kartenzahlung ersetzt wird. Das wird unseren Alltag dauerhaft verändern und es wird kein zurück zur Situation vor der Krise geben.

  • Wie wird die Regulierung reagieren – Beschleunigung, Lockerung?

Ich befürchte, dass die Politik sich hauptsächlich auf den Gesundheitssektor fokussieren wird, anstatt holistisch zu reagieren. Daher erwarte ich eine Beschleunigung im Bereich Digital Health, aber keinen Innovationsschub, der beispielsweise die öffentliche Verwaltung insgesamt umfasst. Ich erwarte auch kein Paradigmenwechsel, der das Verhältnis von Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit neu justiert, oder etwa von Datenschutz und Transparenz. Beides wäre notwendig, damit die Bundesrepublik in absehbarer Zeit ein “skandinavisches Niveau” von Digitalisierung erreicht.

  • Welchen Beitrag könnte die digitale Identifizierung zur Lösung der aktuellen Probleme, z.B. bei der Beantragung von Krediten oder anderen Hilfsleistungen, kurzfristig leisten – aber auch zum Schutz der Bürger vor einer ausufernden Überwachung?

Um kurzfristig spezielle Absonderungs- und Quarantänemassnahmen auf Kontaktpersonen der Kategorien 1 bis 31)Kontaktpersonen­nachverfolgung bei respiratorischen Erkrankungen durch das Coronavirus SARS-CoV-2 zu begrenzen und Nicht-Kontaktpersonen in ihrer Freiheit weniger zu beeinträchtigen als dies gegenwärtig der Fall ist, aber auch die sog. “Tagebücher” der Kontaktpersonen online zu führen und damit Datenanalyse überhaupt erst möglich zu machen, müsste es die Bereitschaft geben vom Krisenmanagement in China zu lernen. Ich kann diese Bereitschaft nirgendwo erkennen. Die gegenwärtige Krise rechtfertigt m.E. ein experimentelles vorgehen. Um- und Feinjustierungen können während und nach der Krise noch stattfinden. Datenschutz, informelle Selbstbestimmung sind wichtige Rechtsgüter, aber Massnahmen des Seuchenschutzes, die der physischen Unversehrtheit der Menschen dienen auch. Hier muss eine Abwägung stattfinden, die nicht das eine über das andere stellt.

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