Big-ID-Projekte in der Kritik #WhyID

Von Ralf Keuper

Überall auf der Welt werden Big-ID-Projekte durchgeführt, um die zivilen Registrierungssysteme durch digitale Identifikationssysteme zu ersetzen. Das größte und bekannteste dieser Art ist Aadhaar in Indien. Mit 1,2 Milliarden eingetragenen Mitgliedern ist Aadhaar die größte biometrische Datenbank weltweit. Schätzungsweise sind dort 99 % der Bevölkerung über 18 Jahren erfasst[1]Aadhaar. In einem #WhyID-Brief kritisieren 100 Organisationen aus der ganzen Welt, dass viele der Begründungen für Big-ID-Projekte oft nur theoretisch sind und diese Projekte ohne ausreichende Belege für die versprochenen Vorteile durchgeführt werden[2]Big ID, bad idea: busting ID myths that are endangering human rights.

Big-ID-Projekte sehen oft sehr ähnlich aus: große Programme, die vom öffentlichen Sektor gefördert werden oder mit ihm verbunden sind und die darauf abzielen, Bürgern und Einwohnern eine eindeutige und allgegenwärtige digitale Kennung zuzuweisen, demografische und biometrische Daten in einer Datenbank zu speichern und Identitäten über ein zentrales System zu authentifizieren, das häufig mit der biometrischen Authentifizierung verbunden ist.

Nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler, Anwälte und Aktivisten in Indien stellt ein digitales, zentralisiertes, biometrisch basiertes System eine unüberwindbare Bedrohung für die Privatsphäre und die Sicherheit der Menschen dar. Vor dem Obersten Gerichtshof Indiens konnten sie einen Teilerfolg erzielen. Die Richter lehnten einige der bedenklichsten Erweiterungen des Aadhaar-Projekts ab, bestätigten aber eine verkürzte Version. Trotz seiner wackeligen Grundlagen werde das Aadhaar-Projekt weiterhin von mächtigen internationalen Akteuren als der Goldstandard für Big ID pr…

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