Datenplattform Verimi will Google & Co. herausfordern

Von Ralf Keuper

Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass die Deutsche Bank, Daimler, Springer und weitere Unternehmen eine gemeinsame Datenplattform für das Single Sign On aufbauen wollen. Inzwischen hat das Kind auch einen Namen: Verimi sollt die Plattform heißen, mit der Deutsche Bank, Daimler & Co. Google und die anderen Internetkonzerne herausfordern wollen, wie u.a. in Deutsche Datenplattform Verimi fordert Google & Co. heraus berichtet wird.

Über die Erfolgschancen habe ich mich auf diesem Blog bereits vor einiger Zeit in Wiederkehr der Deutschland AG mittels branchenübergreifender Datenplattformen? skeptisch geäußert. Seitdem hat die Skepsis noch zugenommen, wenngleich ich Verimi mehr Chancen einräume als dem Konkurrenzangebot von RTL, Pro Sieben und United Internet. Allerdings halte ich die Chancen in beiden Fällen für gering.

Noch vor wenigen Wochen war zu lesen: Kartellverdacht gegen Daimler: Kippt die geplante DIPP-Datenallianz um Axel Springer und Deutsche Bank?. Es kann der Eindruck entstehen, dass Daimler, Deutsche Bank und Allianz mit Springer im Schlepptau die alte Deutschland AG in digitaler Form wiederbeleben wollen, also quasi eine Interessengemeinschaft bilden. Der Ruf von Daimler und insbesondere der Deutschen Bank hat in letzter arg gelitten. Das Vertrauen ist zumindest erschüttert. Keine allzu guten Voraussetzungen für eine Plattform, für die Vertrauen das mit Abstand wichtigste Kriterium für die Nutzer ist. Die Tatsache, dass Springer weiterer Teilnehmer ist, trägt auch nicht gerade dazu bei, dass Vertrauen zu stärken.

Außerdem repräsentieren die Unternehmen nur einen begrenzten Ausschnitt der Wirtschaft – es ist kaum vorstellbar, dass sich VW, BMW und Bertelsmann an der Allianz beteiligen werden – aus unterschiedlichen Gründen; und selbst wenn: es würde nicht reichen, da die Unternehmen auch zusammen nicht über eine ausreichende Digitale Souveränität verfügen, d.h. sie kommen an den großen digitalen Plattformen wie Google, Amazon, Apple und Alibaba mit ihren Stärken in Hardware, Software und Logistik letztlich nicht vorbei. Deutschland, und auch Europa reichen nicht.

Auch die Nähe zur Regierung kann daran nichts ändern. So stellte die an der Allianz beteiligte Beratungsgesellschaft CORE in der aktuellen Studie The Empire Strikes Back unter Verweis auf die Banken fest:

While attempts to counteract this development by means of lobbying in Berlin, Bonn or Brussels may seem enticing, an objective assessment of overarching global forces reveals that such lobbying has little hope of success. In fact, it would be akin to the Luddite movement, as the efficiency potential offers a far greater benefit to society as a whole than the no longer appropriate protection of particular local spheres of interest represented by individual institutions or groups.

Momentan wird noch, wie auf heise in Wenn für die Startseite schon zig Megabyte…, über die wahren Absichten von Verimi spekuliert. Es ist durchaus vorstellbar, dass Daimler & Co. auf die Datenvermarktung und Datennutzung nach Einwilligung der Nutzer abzielen (Vgl. dazu: Was Deutsche Bank & Co. mit ihrer Datenplattform wirklich bezwecken könnten).

Damals schrieb ich:

Sollte bei den Kunden der Eindruck entstehen, die GDPR und ePrivacy-Richtlinie diene den Unternehmen nur als Feigenblatt, um die Daten für ihre Zwecke zu verwerten, wäre der Image-Schaden beträchtlich.

Warten wir es ab.

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