Verbraucherzentrierte Datenportale

Von Ralf Keuper

In seinem Gutachten Digitale Souveränität regt der Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) die Etablierung Verbraucherzentrierter Datenportale an:

Der SVRV empfiehlt die Entwicklung eines verbraucherzentrierten Datenportals (Dashboard) zur Realisierung der individuellen Datensouveränität. Darin hat der Verbraucher Transparenz über die Nutzung (Umfang, Inhalt) seiner individuellen Daten durch die unterschiedlichen Anbieter im Netz und kann sie zentral löschen, ändern und die Zugriffsrechte verwalten. Der Zugang zu einem solchen Dashboard sollte durch ein individuelles durchsetzungsfähiges Recht gesichert werden. Praktisch umsetzbar wäre ein solches Datenportal beispielsweise durch eine von Staat und Unternehmen gemeinsam getragene Initiative.

Der Handel mit den eigenen Daten steht dabei zunächst nicht im Vordergrund:

Die Möglichkeit des Handels mit eigenen Daten hingegen sollte bei der Entwicklung des Datenportals nicht im Fokus stehen, sondern nur ein mögliches Szenario für Verbraucher sein. Hinsichtlich des Handels mit eigenen Daten stellt der SVRV fest, dass eine Monetarisierung von Daten für Verbraucher aktuell kaum sinnvoll realisierbar ist und möglicherweise nur diejenigen Verbraucher von Datenhandel profitieren, die über die nötige Datenkompetenz (Data Literacy) verfügen.

Sinnvoll könnte auch der Einsatz von Recommender-Systemen sein:

Ein weiterer Ansatz für eine verbrauchernahe Kontrolle des Datenflusses besteht in der Implementierung eines sogenannten kontextsensitiven Recommender-Systems (World Economic Forum, 2014). Ein solches System würde die Rolle eines Mittlers zwischen dem Dienstleister, der die Nutzung von Daten anfragt, und dem Verbraucher selbst einnehmen. Auf der Grundlage verschiedener Faktoren wie Nutzer-Historie, Grundeinstellung, Art der Datennutzung etc. würde das Recommender-System dem Verbraucher die Nutzung der Dienstleistung nahelegen oder aber abraten, wenn zum Beispiel Datenschutzbedenken vorliegen. Das System könnte zudem selbstlernend aufgebaut sein, so dass es aus den Entscheidungen des Verbrauchers lernt. Solche Systeme können den Verbraucher insgesamt bei der Entscheidung über die Angemessenheit von Geschäftsbedingungen und Wertschöpfungsmodellen auf der Grundlage von individuellen Daten unterstützen und dabei die Nutzbarkeit für ihn steigern.

Gegenstand des Gutachtes ist auch das wachsende Segment des Internets der Dinge:

Die Absicherung im IoT-Segment sollte eine Verpflichtung zum Schreiben von Sicherheitsupdates durch die Hersteller umfassen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zu prüfen, in welcher Form der Quellcode eines Systems zum Beispiel bei einem Treuhänder hinterlegt werden kann, wenn der Hersteller seiner Verpflichtung, Sicherheitsupdates zu entwickeln, nicht nachkommt. In diesem Fall sollte auch die Variante geprüft werden, den Quelltext offen zu legen (Open Source).

Verbraucher, die nicht bereit sind, ihre Daten für die Nutzung digitaler Dienste zur Verfügung zu stellen, dürften, so der SVRV, nicht diskriminiert werden:

Nutzer sollten darüber entscheiden können, ob sie bei der Nutzung digitaler Dienste und Produkte Informationen über die eigene Mediennutzung preisgeben möchten oder ob sie hierauf teilweise oder vollständig verzichten möchten, ohne dass dabei die grundlegenden Funktionen eines digitalen Produkts eingeschränkt werden. Verbraucher, die keine Daten preisgeben wollen, dürfen nicht benachteiligt werden (analog zum Anti-Diskriminierungsrecht). Dies impliziert für den konkreten Geschäftsverkehr, dass keine negativen Folgen daran geknüpft sein dürfen, wenn eine Verbraucherin entscheidet, beispielsweise ohne das Anlegen eines Kundenkontos oder anderer Preisgabe von Daten (die nicht unmittelbar zur Vertragsabwicklung nötig sind) Produkte und Dienstleistungen online zu erwerben.

Weitere Informationen:

Verbraucherschutzgutachten: Was die nächste Bundesregierung für die Nutzersouveränität tun kann

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