Digitaler Protektionismus behindert den freien Austausch von Maschinendaten

Von Ralf Keuper

Was die Menge an Maschinendaten betrifft, besitzt Deutschland derzeit noch einen Vorsprung gegenüber den USA und China. Dennoch, so u.a. Wolfgang Wahlster, drohe dieser Vorsprung in den nächsten Jahren verloren zu gehen (Vgl. dazu: Der Wettlauf um die Maschinendaten). In die gleiche Kerbe schlägt der Präsident des BDI, Dieter Kempf, der für Datensouveränität statt Datensparsamkeit plädiert (Vgl. dazu: Industriepräsident: Weg von der Datensparsamkeit, hin zur Datensouveränität). Ohne die ausreichende Menge an aussagekräftigen Maschinendaten könne Deutschland seinen Wettbewerbsvorsprung nicht halten. Ein klare Trennung zwischen personenbezogenen Daten und Maschinendaten sei daher nötig, ebenso wie digitale Treuhänder.

Das ist jedoch nur ein Teil des Problems, wie aus der Studie zum Digitalen Protektionismus von Bird & Bird im Auftrag der IMPULS-Stiftung hervorgeht. Darin weisen die Autoren darauf hin, dass neben den unterschiedlichen Datenschutzregelungen Europas, der USA und Chinas der Schutz kritischer Infrastrukturen nicht ohne Folgen für die freien Tausch von Maschinendaten bleibt. Die Autoren sprechen dabei von einem asymmetrischen Regulierungsumfeld, auf das sich die deutschen Maschinenbauer einstellen müssen. So können in China schon heute Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus unter den Netzwerkbetreiberbegriff und damit unter die entsprechenden regulatorischen Anforderungen fallen. Daneben sind es Regelungen der Ausfuhrkontrolle und Handelssanktionen, die den freien Datenaustausch be- bzw. verhindern können. Die Autoren empfehlen den Unternehmen nicht nur auf eine technische Lösungen zu setzen, sondern mehrere zu verwenden, die auf die spezifischen regulatorischen Anforderungen der jeweiligen Märkte ausgelegt sind.

Unter den Maschinendaten nehmen die Konfigurationsdaten eine Sonderstellung ein. Sie stellen die Grundlage für die Durchführung und Steuerung des eigentlichen Bearbeitungsprozesses dar. Bei Änderungen wie beim Rohmaterial, geforderte Prozessqualität oder Bearbeitungsgeschwindigkeit sind Anpassungen an den Konfigurationsdatensätzen erforderlich. Diese können nun selbst entwickelt oder von Dritten, über Datenaustauschplattformen, bezogen werden. Normalerweise sind Konfigurationsdaten das Ergebnis umfangreicher Tests.

Beim Remote Access muss darauf geachtet werden, dass Zugriffe nur über sichere Digitale Identitäten erfolgen können. Fallen hierbei personenbezogene Daten an, wie über den Zugriff mittels Nutzerkonten und Nutzer-IDs, muss der Schutz der personenbezogenen Daten gewährleistet sein, wie mit Verschlüsselung.

Zweck von Datenaustauschplattformen ist nicht nur der Handel mit Daten. Vorstellbar ist, dass Unternehmen ihre Daten für “Forschung und Entwicklung” zur Verfügung stellen und dafür bezahlt werden. Ebenso können vom Maschinenhersteller den Betreibern über die Cloud Maschinenfunktionen zum Kauf angeboten werden, wie auch umgekehrt die Maschinenbetreiber den Herstellern ihre Daten für Auswertungszwecke verkaufen können. Die Datenaustauschplattform könnte wie ein App Store funktionieren. Daten und Maschinenfunktionen können über eine Cloud-basierte Plattform abrufbar gehalten, bedarfsgerecht lizensiert und auf der Maschine verwendet werden. Daneben könnten noch Anwendungen bereitgestellt oder gemeinsam entwickelt werden.

Alles in allem, ein wichtiger Diskussionsbeitrag.

Dieser Beitrag wurde unter Data Banking, Datenökonomie, Datensouveränität, Industrie 4.0, Maschinendaten / M2M-Kommunikation, Standards/Protokolle, Technik und Gesellschaft veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.