Leitfaden Wertschöpfung aus Maschinendaten 4.0

Von Ralf Keuper

Der Wert der Maschinendaten rückt in den Fokus. Beispielhaft dafür ist der warnende Hinweis des ehemaligen Leiters des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster, der deutschen Industrie bleibe nur noch wenig Zeit, um zu verhindern, dass auch hier, wie zuvor im Konsumgütergeschäft, die Kundenschnittstelle an US-amerikanische und chinesische Technologiekonzerne verloren geht (Vgl. dazu: Der Wettlauf um die Maschinendaten).

Um das Potenzial auszuschöpfen, so der aktuelle Leitfaden Wertschöpfung aus Maschinendaten 4.0 , müssten Maschinenhersteller, Automatisierungshersteller und Maschinenbetreiber an einem Strang ziehen:

  • Der Maschinenbetreiber und der Maschinenhersteller bestimmen gemeinsam die Anwendungsszenarien und die Projektumsetzung. Sie entscheiden, welche Daten wofür verwendet werden.
  • Der Automatisierungshersteller muss seine Komponenten so gestalten, dass diese die benötigten Daten liefern und passend vernetzbar sind. Mittels Analyse der Komponentendaten kann er die Informationen bereitstellen die es erlauben, Maschinen und Komponenten zu optimieren und besser an den Einsatzfall anzupassen.

Auf dem Weg dorthin sind noch einige Hürden, sowohl technologischer wie auch organisatorischer Art zu nehmen. Zum Beispiel:

Engineering
Vorhandene Maschinensoftware muss erweitert werden, Schnittstellen sind zu schaffen, eine Infrastruktur ist herzustellen, Security-Maßnahmen sind zu ergreifen sowie der Aufbau von neuem Know-how und die Qualifikation neuer Lieferanten ist erforderlich.

Vertragsgestaltung
Wem gehören die Maschinendaten? Wer darf welche Maschinendaten wie nutzen? Klare Vereinbarungen und vertragliche Regelungen sind zu schaffen, damit jeder Beteiligte
rechtssicher agieren kann.

Marketing / Vertrieb
Bei den Kunden ist Vertrauen aufzubauen und der Mehrwert ist zu vermitteln. Vertrieb und Marketing des Maschinenherstellers müssen mit dem Maschinenbetreiber zusammen erarbeiten, wie der Nutzen aus Maschinendaten geschaffen wird

Künftig wird die Industrial Analytics, vor allem im Mittelstand, an Bedeutung gewinnen, da die Unternehmen nur auf diese Weise die Daten zu einem vertretbaren Aufwand analysieren und verwerten können. In einem Interview mit Computer & Automation räumte Hans Beckhoff, Gründer und Chef von Beckhoff Automation ein, dass es künftig einen Wettbewerb zwischen den Automatisierungstechnik-Anbietern und den Datenverarbeitern wie Google oder Amazon geben werde. Hinzu kämen noch die Maschinenbauer, die ebenfalls eine eigene Strategie verfolgen würden. Noch hätten die Maschinensteuerungshersteller gegenüber Google & Co. einen großen Know-How-Vorsprung, da die Automatisierungstechnik sehr komplex sei. Außerdem sei der Markt für Automatisierung für Google, Amazon & Co. schlicht zu klein. Was die Daten betrifft, ist das Interesse von Google & Co., wie gesagt, deutlich größer.

Allerdings ist die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen untereinander noch eher schwach ausgeprägt. Es fehlt nach wie vor das Problembewusstsein. Daran ändern auch nichts die zahlreichen Initiativen in dem Bereich. Hier einen Einstellungswandel herbeizuführen ist schwierig und wird dauern. Die Frage ist, ob die Zeit noch reicht. Der vorliegende Leitfaden gibt, zusammen mit anderen Whitepaper Leitfaden Datennutzung
Orientierungshilfe zur Vertragsgestaltung für den Mittelstand
und Interoperabilität durch standardisierte Merkmale, auf jeden Fall schon mal wichtige Hilfestellungen.

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