SSI in den Niederlanden: Noch ein weiter Weg

Eine von INNOPAY und TNO durchgeführte Untersuchung der Self-Sovereign Identity (SSI) in den Niederlanden hat ergeben, dass die dortige SSI-Landschaft sehr zersplittert ist, was es für die relevanten Parteien schwierig macht, eine kritische Masse zu erreichen. Dennoch verfügt das niederländische Ökosystem über genügend Partner, um eine Rolle bei der Gestaltung von SSI auf europäischer – und vielleicht sogar globaler – Ebene zu spielen. Die Forscher Eefje van der Harst (INNOPAY) und Sterre den Breeijen (TNO) fordern die niederländische Regierung auf, den rechtlichen Rahmen zu klären und sich mit dem Privatsektor auf Standards zu einigen. Außerdem fordern sie die Regierung auf, der “Henne-Ei”-Situation im Ökosystem ein Ende zu setzen, indem sie Quelldaten zur Verfügung stellt.

Kernaussagen[1]Control over data is still a long way off, according to Dutch Self-Sovereign Identity study:

In den Niederlanden werden derzeit verschiedene SSI-Initiativen, -Produkte und -Normen von der Regierung, dem Privatsektor und der Wissenschaft entwickelt. Dies hat das niederländische Ministerium für Inneres und Königreichsbeziehungen veranlasst, INNOPAY und TNO mit der Durchführung einer Studie über die SSI-Landschaft zu beauftragen.

Momentan sind große Technologieunternehmen wie Apple, Google und Microsoft dabei, ihre eigenen SSI-ähnlichen Geldbörsen-Initiativen zu starten, einzuführen und auszubauen. Viele der Befragten sehen in den Big-Tech-Unternehmen eine ernsthafte Bedrohung, insbesondere in Apple und Google, die durch ihre App-Stores letztlich “kontrollieren”, wie Mobiltelefone genutzt werden. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass es schwieriger ist, bestehende Produkte oder Dienste einzuschränken, als im Vorfeld einen geeigneten Rahmen zu schaffen.

Die Studie zeigt, dass eine etwas stärker konsolidierte SSI-Landschaft im Allgemeinen für alle am digitalen Datenaustausch Beteiligten positiver sein wird: Bürger, Unternehmen und die Regierung. Die selbstverwaltete Identität und eine kohärente SSI-Landschaft sind jedoch kein Selbstzweck. Die Entscheidung, ob ein dezentraler digitaler Datenaustausch erleichtert werden soll, indem die Bürgerinnen und Bürger vollständig souverän werden, oder ob eine eher “traditionelle” digitale Identität verwendet werden soll, hängt ganz vom Kontext und dem Kompromiss zwischen den verschiedenen öffentlichen Werten (die manchmal miteinander in Konflikt stehen) ab… aber das ist eher eine gesellschaftliche als eine technologische Entscheidung.

Die Forscher von INNOPAY und TNO kommen zu dem Schluss, dass die niederländische Regierung angesichts des gesellschaftlichen Werts des digitalen Datenaustauschs gut beraten wäre, die weitere Konsolidierung der SSI-Landschaft aktiv zu fördern. Ein erster Schritt sollte darin bestehen, Klarheit über die Beziehung zwischen dem Wet Digitale Overheid (nationales Gesetz zur digitalen Verwaltung) und der EU Digital Identity Wallet zu schaffen. Die Regierung kann auch eine Rolle bei der Schaffung einer stärker harmonisierten und interoperablen Landschaft spielen, indem sie die über 90 öffentlichen und privaten Parteien, die mit SSI experimentieren, zusammenbringt, damit sie ihr Wissen und ihre Erfahrung austauschen können.

Weitere Informationen:

Eindrapport Nederlandse Self-Sovereign Identity ecosysteem (SSI )

Dieser Beitrag wurde unter Digitale Identitäten, Forschungsprojekte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.