Das Konzept der Institutionell situierten Agenten (ISA) beschäftigt sich mit der Frage, wie KI-Agenten institutionentheoretisch zu fassen sind, statt sie rein technisch als Automatisierungswerkzeuge zu behandeln.
Den Kern bildet eine Typologie in drei Stufen: regelgebundene Agenten, die vorgegebene Regeln lediglich ausführen, regelintelligente Agenten, die innerhalb eines Regelrahmens situativ interpretieren und anpassen, und regelentwerfende Agenten, die selbst an der Gestaltung der Regeln mitwirken, nach denen sie operieren. Diese Unterscheidung ist an Luhmann angelehnt und zielt darauf ab, den Agenten nicht als isoliertes technisches Artefakt zu betrachten, sondern als etwas, das in ein institutionelles Gefüge eingebettet ist und dessen Handeln erst aus diesem Gefüge heraus verständlich wird.
Die zentrale These, die daraus abgeleitet wurde lautet: Sobald Agenten regelentwerfend agieren, lässt sich Governance nicht mehr als externe Kontrollinstanz denken, die dem Agenten nachträglich übergestülpt wird. Governance muss stattdessen Teil der institutionellen Konstitution des Agenten selbst werden. Das wird als eine genuin neue, an Drucker angelehnte “Praxis des Managements” verstanden: Es geht nicht mehr um Führung oder Koordination während des laufenden Betriebs, sondern um Institutionengestaltung, die der Ausführung vorausgeht.
