Blockchain trifft Decentralized Identifiers (DIDs)

Von Ralf Keuper

In dem lesenswerten Beitrag Blockchain trifft Digital Identity gibt der Autor Dr. André Kudra einen Überblick der Herausforderungen bei der Verwaltung digitaler Identitäten mittels Blockchain-Technologie.

Insbesondere das Konzept der Decentralized Identifiers (DIDs), wie sie von der Sovrin-Stiftung (Public Permissioned Blockchain) forciert wird, erscheint dem Autor als zukunftsweisend. Dabei geht er auch auf die Rolle der (Software-)Agenten ein, über die der Nutzer mit dem Sovrin Ledger interagieren kann.

Den Einsatz eines identity agent sieht ebenfalls, wenngleich mit anderem Aufgabenspektrum,  die Initiative id4me vor.

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“Unternehmung 4.0 – vom disruptiven Geschäftsmodell zur Automatisierung der Geschäftsprozesse” von August-Wilhelm Scheer

Von Ralf Keuper

Die viel zitierte Digitalisierung stellt die Grundannahmen, auf denen die Geschäftsmodelle der meisten Unternehmen derzeit noch basieren, infrage. Die Hardware verliert an Bedeutung. Die Software übernimmt nicht nur die Steuerung der Maschinen (Firmware), sondern auch die Kommunikation mit den Kunden und Lieferanten. Im Extrem könnte das auf eine Machine Economy hinauslaufen, in der sich die Maschinen über die Unternehmensgrenzen hinweg gegenseitig beauftragen und bezahlen. Die Losgröße 1 könnte der neue Standard werden. Die Vision der Unternehmung 4.0 rückt näher an die Realität heran.

Mit den bestehenden Organisationsstrukturen und Verfahren, so August-Wilhelm Scheer (“Deutschlands Informatik-Pionier“) in  Unternehmung 4.0 – vom disruptiven Geschäftsmodell zur Automatisierung der Geschäftsprozesse wird den Unternehmen der Übergang in die (fast) vollständig vernetzte Welt nicht gelingen.

Kampf um die Kundenbeziehung 

Bis vor einiger Zeit noch hatten die Hersteller von Automobilen, Haushaltsgeräten,  Unterhaltungselektronik und von Bankprodukten den exklusiven Zugang zu ihren Kunden. Vielleicht nicht immer direkt. Häufig fungieren Großhändler, Vertragswerkstätten und (externe) Vertriebsmitarbeiter als Bindeglied zu den Endkunden. Sie befinden sich jedoch nicht in einer Konkurrenzsituation mit den Herstellern – im Gegenteil. Sie brauchen einander. Zwischen die Kunden und die Unternehmen und deren Partner haben sich in den letzten Jahren die großen digitalen Plattformen wie Amazon, Google, Apple und Alibaba geschoben. Sie verkörpern heute die Disruption, von der Clayton Christensen in seinem Klassiker The Innovators Dilemma spricht.

Die neuen Plattformunternehmen nutzen die Digitalisierung (Vernetzung, Mobilität, Verschmelzung von analoger und digitaler Welt) überwiegend dazu, um die verschiedenen Marktakteure (Kunden, Lieferanten, Entwickler, Berater, Hersteller etc.) zusammenzubringen, ohne dass noch eine weitere vertrauenswürdige, vermittelnde Instanz (Intermediär) nötig wäre.

Kunden und Lieferanten oder generell Partner können über das Internet leichter in ihren gemeinsamen Interessen identifiziert und miteinander verbunden werden. Dieses gilt insbesondere, wenn zwischen ihnen noch keine individuellen Beziehungen bestehen und eine große Zahl von zu verbindenden Partnern vorliegt. Plattformunternehmen stellen diese Vermittlung als Kern ihres Business Models heraus.

Ihre herausgehobene Stellung im Informationsfluss können die Plattformunternehmen für die Lancierung weiterer, eigener Angebote (Mehrwertdienste) bis hin zur Herstellung eigener Produkte und Services nutzen. Irgendwann verbinden sie das B2C- mit dem B2B-Modell (B2B2C) und können damit die gesamte Wertschöpfungskette, von der Bestellung bis zur Auslieferung der Ware/Dienstleistung, abdecken, wie das bei Alibaba schon heute der Fall ist.

Industrie 4.0, Smart Factory und BOO (Build, own, operate)

Die Industrieunternehmen sind gezwungen, auf die Wünsche ihrer Kunden und Lieferanten direkter und schneller einzugehen, als das in der Vergangenheit nötig war. Wenn Autos, wie das Beispiel Tesla zeigt, sich demnächst zu mobilen Kommunikationsplattformen wandeln und durch Updates quasi ständig aktualisiert werden, dann kann es sich kein Hersteller mehr erlauben, in Produktzyklen von mehreren Jahren zu agieren. Um diese Flexibilität zu ermöglichen, sind neue Formen der Fabriksteuerung nötig, wie sie unter dem Begriff Smart Factory zusammengefasst werden. Mittels sog. Cyber Physical Systems (CPS) kann die Produktion sich selbst steuern.

Dieses (CPS) sind softwareintensive Produktionssysteme, die mit dem Internet verbunden sind und untereinander sowie mit ihrer Umgebung und intelligenten Materialien kommunizieren. Materialien werden als intelligent bezeichnet, wenn sie ihre Eigenschaften wie Qualität und benötigte Fertigungsschritte (Arbeitspläne) auf einem Datenträger (Chip) mit sich führen. Über Techniken wie Radio Frequence Identification (RFID) oder Bilderkennung können dann die Materialien selbständig den Weg durch die Fertigung finden.

Für die Hersteller von Maschinen bieten Verfahren und Technologien wie CPS und Predictive Maintenance die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Beispielhaft dafür ist das Build, Own, Operate (BOO) – Geschäftsmodell. Dabei übernimmt der Hersteller den Betrieb der Anlagen. So bieten die Hersteller von Flugturbinen (GE, Rolls Royce) ihren Kunden (Fluglinien) an, die Maschinen fortlaufend über das Internet zu überwachen. Die Turbinen bleiben dabei Eigentum der Hersteller. Die Fluglinien bezahlen die Nutzung nach Flugstunden.

Die Teile zusammenbringen 

Wenn die selbstgesteuerte Produktion, die Smart Factory Realität werden soll, dann sind Anpassungen an den bestehenden IT-Systemen und Geschäftsprozessen unumgänglich. Eine zentrale Rolle übernehmen dabei Integrationstechnologien (Middleware). Der Autor stellt die Software-Architektur “Scheer Process Excellence” aus seinem eigenen Haus vor.

Quelle: Prof. Dr. A.-W. Scheer

Die unterste Ebene wird durch externe Systeme repräsentiert, die mit der Software verbunden werden können. Die Ebene Objects umfasst menschliche Benutzer, Softwareroboter, maschinelle Roboter und andere intelligente Dinge aus dem Internet der Dinge wie Autos oder Waschmaschinen. Als Infrastruktur können Cloud-Systeme oder die Blockchain (Distributed Ledger Technologies) angebunden werden. Als weiteres Element kommen externe Applikationen wie ERP-Systeme, Office-Lösungen und andere hinzu.

Die Klammer ist die Middleware, die u.a. Konnektoren zu den Workflows und die Integrationsengine enthält.

Damit ist im Idealfall die Grundlage für die Anwendung der Verfahren der Künstlichen Intelligenz (Machine Learning) und der Prozessautomatisierung (Process Mining, Robotic Process Automation, Complex Event Processing) und damit für den Betrieb der Smart Factory und weiterer Anwendungsfälle (Smart Home, Smart City ..) geschaffen.

Innovationsnetzwerke für die Digitalisierung

Der Unternehmer, Hochschullehrer und ehemalige Bitkom-Präsident geht in dem letzten Kapitel auf das Zusammenspiel von Grundlagenforschung und Anwendungsforschung mit der Wirtschaft ein. Dabei diagnostiziert er eine Lücke zwischen der Forschung und der Verwertung ihrer Ergebnisse.

So finden sich für die öffentlichen Forschungsausgaben in Milliardenhöhe keine entsprechenden Erfolgsunternehmen für das Angebot von Digitalisierungsprodukten in Deutschland. Vielmehr wird dieser Markt bei der Software von den USA und bei der Hardware von Asien dominiert.

Als Beispiel für ein Innovationsnetzwerk stellt Scheer das Scheer Innovationsnetzwerk vor.

Blockchain als möglicher Disrupter der Plattformunternehmen

In letzter Zeit ist häufig zu lesen, dass die Blockchain-Technologie die Vorherrschaft der Plattformunternehmen wie Amazon, Google und Alibaba bald beenden könnte. Wegen ihrer dezentralen Struktur, die keine dominante Stellung zulasse, könnten die Plattformunternehmen künftig umgangen werden. Dem hält Scheer entgegen, dass diese Hoffnung bereits mit dem Web 1.0 und Web 2.0, dem Internet wie wir es kennen, verbunden wurde. Ergebnis war jedoch eine in der Wirtschaftsgeschichte einmalige Machtkonzentration von Unternehmen, die mehrere Branchen gleichzeitig in Beschlag nehmen. Eine ähnliche Entwicklung ist auch mit der Blockchain durchaus möglich und wohl auch wahrscheinlich.

Dennoch kann die Blockchain einigen Verwerfungen entgegenwirken:

Hier könnten genossenschaftliche Strukturen die Macht der Monopolisten brechen. Warum sollten sich die Beteiligten im Bereich von Social Media nicht selbst in der Blockchain organisieren und die mit ihren Daten erzielten Werbungserlöse dann unter sich aufteilen, als sie den Plattformunternehmen zu überlassen?

Das hat große Ähnlichkeit mit dem Modell einer Daten-Genossenschaft, wie sie vor einiger Zeit von Hans-Jörg Naumer in die Diskussion gebracht wurde (Vgl. dazu: “Informationelle Selbstbestimmung und der Schutz der Privatsphäre liegen bei dem, der die Daten bereitstellt. Der ökonomische Nutzen übrigens auch” – Interview mit Hans-Jörg Naumer (Allianz Global Invest)).

Fazit

Das Buch gibt einen guten Überblick der aktuellen Treiber der Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf die Unternehmen – und hier insbesondere auf die Industrie. Das ist vor allem für Deutschland mit seinem starken industriellen Kern von großer Bedeutung. Künftig wird es nicht mehr ausreichen, mit zuverlässiger Hardware zu überzeugen. Für den Kontakt mit dem Markt, mit den Kunden ist die Beherrschung der Software essentiell. Das jedoch setzt einige gravierende Veränderungen in der Organisation und der Unternehmenskultur voraus. Der deutsche Ingenieur mit seinem Hang zur Perfektion und zum Over-Engineering entwickelt am Bedarf vorbei, wenn er den Kontakt zum Kunden verliert oder erst gar nicht sucht. Diesen Luxus können wir uns hierzulande nicht mehr leisten. Sind deutsche Unternehmen überhaupt in der Lage, Plattformen oder Netzwerke, die mehrere Branchen umfassen oder adressieren, wie Amazon oder Alibaba, zu managen? Denken wir vielleicht immer noch in den Kategorien der Deutschland AG? Reichen Industrieplattformen wie Adamos oder MindSphere aus, um dem Sog der großen Plattformunternehmen auf Dauer entgehen zu können? Ist die Blockchain vielleicht die geeignete Technologie, um den Rückstand zu den USA und Asien auf diesem Gebiet aufzuholen? Reicht es aus, wenn wir uns darauf konzentrieren unsere Produkte mit Künstlicher Intelligenz zu veredeln? (Vgl. dazu: Wir setzen auf KI-Anwendungen für die Veredelung unserer in Deutschland produzierten Produkte und für disruptive Geschäftsmodelle (Wolfgang Wahlster)). Was nützt es, wenn deutsche Automobilhersteller die meisten Patente beim autonomen Fahren halten, wenn sie diese Erkenntnisse nicht in brauchbare Produkte und Services umsetzen können? Dazu werden künftig mehr als bislang große Plattformen benötigt. Reicht es für die deutsche Wirtschaft aus, sich auf den Bereich B2B und seine Rolle aus Systemintegrator zu konzentrieren? Wohl kaum, wenn man folgende Zeilen auf sich wirken lässt:

The industrial IoT domain summarizes everything what is outside the classical consumer domain with a strong emphasis on B2B business. In general, there is a convergence of consumer and industrial internet. We see signs of “consumerization”, for instance, in the home market through the appearance of voice control appliances like Amazon’s Alexa or Apples Homepad. Also, it is typically the case in the automotive industry in which consumer and industrial platforms are merging the concept of connected and automated driving (in: Cognitive Hyperconnected Digital Transformation. Internet of Things Intelligence Evolution)

Das vorliegende Buch zeigt die Zusammenhänge auf, die in der Digitalen Ökonomie für den Erfolg bestimmend sind. Zentral ist die Frage, wie wir es schaffen, die verschiedenen Teile (Organisation, Prozessmodelle, Technologie, Kultur) zusammenzubringen und auf eine neue Stufe zu heben. Hierfür gibt das Buch zahlreiche Beispiele und Denkanstösse.

Ein Tenor des Buches ist, dass die Optimierung des Bestehenden nicht mehr reichen wird. Wir brauchen eigene disruptive Geschäftsmodelle, die zu unserem Wirtschaftsstil passen.

Dabei wird die Frage, wem, welche Daten gehören und wie der Ertrag daraus verteilt wird, entscheidend sein. Sollten wir im Industrial Internet die gleiche Entwicklung sehen, wie zuvor beim klassischen Internet bzw. wie im Bereich Social Media, dann wird es für die deutsche und europäische Wirtschaft eng.

Crosspost von Econlittera

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SAMPL (Secure Additive Manufacturing Platform)

The objective of the SAMPL project is the development of a comprehensive security solution – also known as a chain of trust – for additive production processes. The process starts with the generation of the digital 3D print data and the exchange of the data with a 3D print service provider. The 3D printers are protected by special Secure Elements and the secure additive manufacturing process is completed by the capability of identifying the printed components by means of an imprinted RFID chip. In addition to the currently available mechanisms for the encryption of 3D data a digital license management based on Blockchain technology will be integrated into the data exchange solution OpenDXM GlobalX of PROSTEP AG. The Industry 4.0 Standard OPC-UA will be used as an interface to exchange the certification and licensing data between the rights holder and the recipient.

Quelle / Link: SAMPL (Secure Additive Manufacturing Platform)

Weitere Informationen:

3D-Druckerhersteller integriert SAMPL-Technologie als erster Hersteller in seine Anlagen 

Bauteile aus 3D-Druckern zweifelsfrei identifizieren

 

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Standards und Initiativen Digital Identity

Von Ralf Keuper

Nachfolgend eine Aufstellung nationaler und internationaler Standards bzw. Initiativen für digitale Identitäten:

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Jeder Mensch wird sein eigener Identity Provider

In der SSIS-Welt ist jeder Mensch sein eigener Identity Provider: Er hält seine Identitätsdaten selbst und hat – mithilfe eines privaten digitalen Schlüssels – volle Kontrolle darüber, wem er Zugriff gewährt. Für den Zugang zu den zahlreichen Webshops und sozialen Netzwerken, bei denen heute jeder von uns zahlreiche Bruchstücke seiner Identität verstreut hat, ist das ein sehr mächtiger Mechanismus.

Um damit an ernsthaften Geschäftsprozessen teilnehmen zu können, bedarf es aber noch eines komplementären Instrumentes, das die Korrektheit der Daten garantiert. Zum Beispiel darf es nicht – wie heute oft – für eine Altersüberprüfung bei einem Onlineshop ausreichen, dass der Benutzer sein Geburtsdatum selbst einträgt. Man braucht die Bestätigung einer Instanz, auf die sich der Shopbetreiber verlassen kann. …

Quelle / Link: Wie man Daten einen Wert beimessen kann

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Christoph Jentzsch (slock.it): Ich möchte, dass wir der Marktführer dafür sind, alle IoT Payments aus der Blockchain abzuwicklen

Ich möchte, dass wir der Marktführer dafür sind, alle IoT Payments aus der Blockchain abzuwicklen. Ich hoffe, dass unsere Hauptkunden zum einen Sharing Plattformen sind und dass sich unsere App am Markt als Leader etabliert, als Hauptprovider für IoT-Payments. Wir sind heute schon international unterwegs und das wollen wir ausbauen. In der Blockchain-Community haben wir bereits einen sehr bekannten Namen, nicht zuletzt über Social Media.

Quelle: Wir verbinden Geräte, die ans Internet angebunden sind, über die Blockchain und machen sie darüber nutzbar, in: IM+io, Heft Juni 2018, hrsg. vom August-Wilhelm Scheer-Institut.

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Identity Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #44

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen, die mir in der vergangenen Woche besonders ins Auge gefallen sind:

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Blockchain – der Barcode des Banking?

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht des Chefs der ING Group, Ralph Hamers, hat die Blockchain das Potenzial, der globale Standard für das Banking werden. Die DWN zitieren Hamers mit den Worten:

Wenn die fünf führenden sechs globalen Banken sich darauf festlegen und sich auf einen Standard einigen würden, könnte man diesen Standard dem Globus aufzwingen.

Demnach könnte die Blockchain so etwas wie der Barcode des Banking werden. In The Rise and Success of the Barcode: some lessons for Financial Services schreibt Alistair Milne über die Erfolgsgeschichte des Barcodes:

This standardization, together with the adoption of that humble but crucial component of the global supply chain the shipping container, underpins modern international trade. In the subsequent 30 years companies have come to rely on electronic recording and communication to provide extraordinary visibility of their global supply chains. Consignments can now be tracked by location and interventions – initial orders, response to delays, financing and payments – can carried out promptly and appropriately. The consequence has been a transformative, reducing costs and delays and radically improving quality standards.

Da haben sich Hamers und sein Kollege von der BBVA, Carlos Torres Vila, einiges vorgenommen. In dem genannten Beitrag benennt der Autor die Gründe dafür, weshalb es den Banken bis dato nicht gelungen ist, so etwas wie einen globalen Standard für das Banking zu etablieren. Ein Grund ist, dass einige Banken kein allzu großes Interesse an zunehmendem Wettbewerb und mehr Transparenz haben:

For individual firms in many, although not all, financial markets and financial transactions, the cost and efficiency benefits of standardization are not nearly large enough to outweigh the potential threat to revenues from increased competition. The virtuous circle found in the supply chain — of development and adoption of standards in the supply encouraging more development and adoption – is not present in most areas of financial services.

Überhaupt: Welche Art von Informationen soll über die Banken-Blockchain transferiert werden, die nicht schon über andere Kanäle im Internet bereitgestellt werden, wie will man die Lösung der Wirtschaft, d.h der Industrie, dem Handel und den Internetkonzernen, aufzwingen? Sind die Banken überhaupt noch in der Position? Wohl kaum. Amazon, Google, Microsoft, Alibaba, Tencent & Co. arbeiten derzeit selber intensiv an blockchain-basierten Lösungen und de-facto-Standards. Vor wenigen Tagen erst vermeldete Baidu eine Superchain entwickelt zu haben. Sollten demnächst Maschinen, wie in der Machine Economy vorgesehen, sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können, wo ist das noch Platz für eine weitere Blockchain neben IOTA, Streamr und Weeve – ganz abgesehen von den Initiativen der Industrieunternehmen und der Internetkonzerne, die ganz gewiss nicht mit zusehen werden, wie einige Banken ihnen einen Standard aufdrücken wollen.

Was soll die Banken-Blockchain können, was die anderen nicht können? Welches unverzichtbare, nicht-kopierbare Know How, welche Expertise, sowohl technologischer wie organisatorischer Art wollen die Banken in die Waagschale werfen? Warum soll mit der Blockchain gelingen, was Jahrzehnte zuvor unter ungleich besseren Bedingungen nicht vollbracht werden konnte  – noch dazu, da es sich bei der Blockchain – ihrem Wesen nach – um eine dezentrale Technologie handelt.

Hamers räumt in einem Interview mit CNBC ein, dass das Banking in der Internetökonomie nur ein untergeordneter, nachrangiger Bestandteil sei, weshalb das Zahlungsgeschäft für die Internetkonzerne nur ein Mittel zum Zweck ist. Sie haben das Ganze im Blick. Google & Co. brauchen gar keine “echte” Bank zu werden. Sie besetzen die Schaltstellen.

In Data Standardization A Call To Action fordert JPMorgan Chase die Branche auf, sich zu einem einheitlichen Standard für den Datenaustausch durchzuringen. Das sei auch mit Blick auf neue Technologien von großer Bedeutung:

These new technologies, such as machine learning, for example, have the best outcomes when the data used in their processes is good, i.e., standardized, accurate, complete and timely. Said simply, good data in, good data and information out. Without standardized underlying data, the applied technology could be less effective and efficient, and the insights it produces less helpful and potentially incorrect.

Data standardization and harmonization is not only a critical step towards making the current financial industry more efficient; it will also provide a foundation for the implementation of new technologies and processes in the future.

Von der Blockchain ist darin übrigens nicht die Rede.

Die Banken könnten kuratierte, qualitätsgesicherte Data-Feeds (Oraclize) für die globale Blockchain bereitstellen.

Crosspost von Bankstil

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Smart Contracts und Sensoren in Blockchains für Industrie-4.0- Anwendungen (DIN SPEC 27006)

Das geplante Vorhaben zielt auf die Formulierung einer DIN SPEC zur nationalen Konkretisierung von Teilaspekten der ISO TC 307 ab. Insbesondere im unternehmensübergreifenden Warenverkehr bieten Blockchains aufgrund der hohen Manipulationssicherheit sowie der dezentralen Datenhaltung eine geeignete Plattform, um ohne Mittelsmann Daten kontrolliert zwischen mehreren Parteien austauschen zu können. Wenn nun in hochautomatisierten und flexiblen Industriebereichen Produkte bestellt, produziert und geliefert werden und gleichzeitig die Fertigungsanlagen durch die Produkte dynamisch konfiguriert werden sollen, stellt dies ein komplexes Zusammenspiel von sogenannten „distributed applications“ oder genauer „smart contracts“ dar: Obwohl an einer exakten Definition dieser beiden Begriffe im Rahmen von ISO TC 307 noch gearbeitet wird lässt sich als Arbeitsdefinition unter einer „distributed application“ eine mit oder in der Blockchain verteilte Anwendung verstehen, bei einem „smart contract“ besteht mit einer solchen Anwendung darüber hinaus ein Rechtsbindungswille.

Wenn nun I4.0-Systeme mit Hilfe von Blockchains untereinander Informationen austauschen und Sensoren solche automatisierten Anwendungen in großer Anzahl auslösen, müssen hierfür zwei Voraussetzungen geschaffen werden: Die Sensoren müssen an die Blockchain, in der sie die rechtverbindlichen Aktionen auslösen, mit vergleichbarer Zuverlässigkeit wie die Blockchain selbst angebunden werden und gleichzeitig muss die Blockchain in der Lage sein, Rahmenbedingungen zur Rechtssicherheit von Transaktionen zu erfüllen. …

Quelle / Link: Geschäftsplan für ein DIN SPEC-Projekt nach dem PAS-Verfahren zum Thema „Smart Contracts und Sensoren in Blockchains für Industrie-4.0-
Anwendungen (DIN SPEC 27006)“

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IUNO – Nationales Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0

Im Forschungsprojekt „IUNO – Nationales Referenzprojekt zur IT- Sicherheit in Industrie 4.0“ werden Bedrohungen und Risiken für die intelligente Fabrik identifiziert und Schutzmaßnahmen entwickelt sowie exemplarisch umgesetzt. Ziel ist es, Sicherheitsrisiken im Kontext von Industrie 4.0 ganzheitlich zu erforschen und möglichst allgemein verwendbare Lösungen für Herausforderungen der IT-Sicherheit im industriellen Anwendungsfeld zu entwickeln, die auf alle produzierenden Unternehmen übertragbar sind und als Blaupausen für eine sichere Implementierung von Industrie 4.0 herangezogen werden können.

Quelle / Link: Das Projekt IUNO – Nationales Referenzprojekt zur IT-Sicherheit in Industrie 4.0

Auszug:

Das vielfältige Themenfeld der Industrie 4.0 wird in IUNO anhand von vier Anwendungsfällen betrachtet, die zusammen ein repräsentatives Bild der Herausforderungen ergeben .. Hierbei befasst sich der erste Anwendungsfalle mit der kundenindividuelle Produktion (Sichere Prozesse). In diesem Szenario werden u.a. Methoden zur Erkennung von Anomalien in cyber-physischen Produktionssystemen (CPPS), digitale Identitäten für CPPS, die Identifikation von Werkstücken und die Simulation einer Produktion erforscht. Der zweite Anwendungsfall widmet sich der Entwicklung eines Marktplatzes zum Handel mit Technologiedaten (Sichere Daten). Hervorzuheben ist hierbei eine produktionsbezogene Kontrolle der Datennutzung und sichere Übertragungsmedien. Im dritten Anwendungsfall wird eine Web-Plattform für sichere Fernwartungs-Zugriffe (Sichere Dienste) entwickelt. Der vierte und letzte Anwendungsfall widmet sich der Entwicklung eines visuellen Security-Leitstands für vernetzte Produktionsumgebungen, der Sicherheitsinformationen übermittelt und intuitiv darstellt (Sichere Vernetzung).

 

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