IoT Identity Platforms

Von Ralf Keuper

Um sicherzustellen, dass Maschinen untereinander sicher kommunizieren, werden spezielle Identitätslösungen benötigt. Auf diesen Bedarf haben sich sog. IoT Identity Platforms spezialisiert.

Hier eine Auswahl:

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Identität 2020: Gesellschaft und Technologie im Umbruch

Die Sicherheit der Identität von Personen und Objekten wird in unserer hochvernetzten Welt zunehmend zum Entscheidungsfaktor. Mobile Rechnersysteme bieten in Verbindung mit dem Internet immer mehr Möglichkeiten eines direkten Zugriffs auf Daten von Unternehmen, Personen sowie Maschinen und Anlagen. Digital gespeichertes Wissen lässt sich in Sekundenbruchteilen vervielfältigen. Hierin steckt ein hohes Potential zur effizienteren und flexibleren Gestaltung von Wertschöpfungs- und Kommunikationsprozessen in Unternehmen und öffentlicher Verwaltung.

Den Vorteilen der allgegenwärtigen Vernetzung stehen aber auch Gefahren gegenüber. Die Wahrung der Privatheit, der Schutz des Wissens eines Unternehmens oder, wie uns der Fall des StuxnetVirus unlängst zeigte, eines manipulationsfreien Betriebs von Maschinen und Anlagen lassen sich nur mit neuen, intelligenteren Verfahren zur Bereitstellung, Übertragung und Prüfung der Identität von Personen und Objekten erreichen. Die schnelle Veränderung von Informations- und Kommunikationstechnologie führt zu einer Veränderung der Kommunikationskultur hin zu einer stark vernetzten asynchronen Form des Austausches miteinander. Private Kommunikation ändert sich gerade bei jungen Menschen rasant, wie uns die Zuwachszahlen sozialer Netzwerke deutlich vor Augen führen. Mit dem Kulturwandel in der Kommunikation verändert sich auch die Identitätskultur unserer Gesellschaft. Identität wird nicht mehr nur durch klassische Merkmale wie Name, Geburtsdatum und -ort definiert, sondern zunehmend durch die öffentliche Sichtbarkeit dessen, was man tut. Das Verfügbarmachen geistigen Eigentums verändert zudem das Konsumverhalten. Der vernetzte Mensch produziert und konsumiert gleichzeitig, er wird zum sogenannten Prosumer. Dies wiederum verändert auch die Kultur im Umgang mit geistigem Eigentum.

Unsere Gesellschaft wird sich innerhalb der nächsten Generation drastisch verändern. Unsere Studie leistet einen Beitrag, um den vor uns liegenden Wandel in Bezug auf die Identität von Personen und Objekten zu begreifen und positiv zu gestalten

Quelle / Link: Identität 2020: Gesellschaft und Technologie im Umbruch

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IoT-Plattformen: Ein Überblick

Von Ralf Keuper

Der Markt für IoT-Plattformen wird für Außenstehende immer unübersichtlicher. So stellt  Jürgen Hill in Die IoT-Plattform gibt es nicht fest, dass die Zahl der IoT-Plattformen in den letzten zwölf Monaten von 400 auf 600 angestiegen ist.

Wie so oft, so gibt es auch im Bereich der IoT-Plattformen nicht die ultimative Lösung für alle denkbaren Szenarien und Geschäftsvorfälle. Einen guten Überblick über die derzeit wichtigsten Trends und Anbieter geben Heinrich Vaske und Oliver Schonscheck in IoT-Produkte und -Strategien der Hersteller. Informativ auch die Marktstudie: IT-Plattformen für das Internet der Dinge (IoT) – Basis intelligenter Produkte und Services von Fraunhofer IAO und die Handlungsempfehlung IoT-Plattformen – aktuelle Trends und Herausforderungen von Bitkom.

Dass die Entwicklung von IoT-Plattformen mit einem hohen Aufwand verbunden ist, macht Georg Giersberg in Daten treiben die Wirtschaft in der FAZ vom 4.07.2018 am Beispiel Mindsphere von Siemens deutlich:

Eine Plattform zu etablieren, übersteigt selbst die Investitionsbudgets großer Unternehmen. Siemens arbeitet an seiner Cloud-Plattform Mindsphere seit 15 Jahren und hat für deren Entwicklung mehr als 10 Mrd. Euro ausgegeben.

Hohe Investitionen alleine sind jedoch kein Garant für den Erfolg einer IoT-Plattform zeigt das Beispiel Predix von General Electric:

Trotz einer ähnlich hohen Investitionssumme schwächelt die Plattform.

Akzeptanzprobleme hat auch die mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachte Plattform Axoom von Trumpf, nachdem sie laut FAZ durch einen tragischen Unfall einen wichtigen Förderer verloren habe. Ob Adamos, das Gemeinschaftsprojekt von Software AG, Zeiss, DMG und Dürr, mehr Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für den Industrial bzw. International Data Space.

Abzusehen ist, dass der Trend, der sich im B2C-Geschäft schon längst durchgesetzt hat, die Schlüsselstellung der Marktplätze, auch im B2B-Geschäft Einzug halten wird:

In Zukunft werden sich Marktteilnehmer mit gleichen, ähnlichen und sich ergänzenden Wertströmen auf Marktplätzen austauschen, dort ihre Produkte und Technologien anbieten und in dieses Netzwerk sowohl ihre Lieferanten als auch Kunden einbeziehen. (in: Die nächste Dimension von Industrie 4.0 – Horizontale Plattformen sind das Ziel).

Allerdings sind laut Platform Providers need to think more about Ecosystems Principles and Design die meisten IoT bzw. IIoT-Lösungen mehr oder weniger geschlossene Systeme bzw. proprietär; sie spiegeln in erster Linie die Sicht des jeweiligen Herstellers und seiner Interessen wider. Dabei geht für die Unternehmen als potenzielle Anwender schnell die Übersicht verloren:

Making choices are even harder. Do you chose Microsoft’s Azure, AWS IoT, IBM Watson, SAP Leonardo, PTC, etc., or do you go with specific manufacturers offering their “specialized” solutions? The likes of GE Predix, Siemens Mindsphere, Schneiders EcoStruxure, Bosch IoT Suite. You literally have hundreds, I mean hundreds of permutations to evaluate, no wonder the “hype” gets often to a fever pitch in sales pitches.

Eine Veränderung der Blickrichtung ist daher nötig:

The new story needs to start here in recognizing open collaboration, knowledge exchanges, and networks, are our base. It is technology then needs to sit on top of these, as do many other enablers to facilitate this. We are designing presently around technology fit, not the client, or ecosystem fit. We need to change what is offered.

Weitere Informationen:

IoT Cloud Platform Landscape

Top 20 IoT Platforms in 2018

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Offene Werkstatt des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards in Hagen offiziell eröffnet

Von Ralf Keuper

Am 10.07.2018 wurde in der FernUni Hagen die Offene Werkstatt des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums eStandards offiziell eröffnet, wie u.a. in Offene Werkstatt für Digitalisierung eröffnet berichtet wird.

Eröffnung Offene Werkstatt Hagen. Ganz Links: Michael Ellinghaus (Geschäftsführer HagenAgentur), in der Mitte: Bettina Bartz (GS1 Köln). Bild: Birgit Andrich

In der Offenen Werkstatt Hagen können sich die Unternehmen und Handwerksbetriebe mit den verschiedenen Einsatzfeldern der Digitalisierung in der Fertigung oder im Smart Home vertraut machen. Wie Jörg Siegmann, Projektleiter vom Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in Hagen, betonte, sei es das Ziel, Mittelstand und Handwerk eine Möglichkeit zu geben, die Digitalisierung in konkreten Anwendungen zu erleben.

In der Offenen Werkstatt Hagen wird beispielsweise demonstriert, wie ein Objekt dreidimensional gescannt und dann auf einem 3D-Drucker eine originalgetreue Kopie hergestellt wird. Diese Methode der „additiven Fertigung“ wird in Zukunft bei der Herstellung individualisierter Produkte oder von Kleinstmengen eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch Anwendungen für das so genannte „Smart Home“ werden in der Offenen Werkstatt erlebbar gemacht: Sensoren steuern Licht- und Ton-Anwendungen genau da, wo sie gebraucht werden – automatisch.

Ohne offene Standards bleibt es allerdings bei blanker Theorie oder bei Abhängigkeitsverhältnissen von großen Anbietern bzw. Plattformen.

Das Entscheidende bei allen gezeigten digitalen Anwendungen ist: Sie funktionieren nur durch freie, offene Standards automatisch und herstellerübergreifend. Die Standards werden in der Regel auf globaler Ebene vereinbart. Durch den Einsatz dieser „eStandards“ vermeiden die Nutzer, sich und ihr Unternehmen langfristig und mit hohem finanziellen Aufwand an einen Anbieter zu binden. Neben erheblichen Kosteneinsparungen ergeben sich für Unternehmen ganz neue Geschäftsmodelle, z.B. im Bereich der individualisierten Produktion.

Mangelnde Standardisierung führt häufig dazu, dass die Digitalisierung gehemmt wird. Unternehmensübergreifender Datenaustausch sowie Prozessintegrationen zwischen mehreren Betrieben setzen eine durchgehende Digitalisierung der dafür relevanten Verarbeitungs- und Produktionsprozesse voraus. Ein weiterer Hemmschuh sind die Qualifizierung der Fachkräfte sowie die Themen Datensicherheit, Investitionskosten und Nachhaltigkeit (Energieeffizienz).

Das von GS1 in Köln aus gesteuerte Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum eStandards , das von Bettina Bartz geleitet wird, hat bereits 13 Projekte in Deutschland durchgeführt. Beispielhaft dafür sind die Gießerei Düker aus Nürnberg (Vgl. dazu: Digitalisierung: So verhilft die Gießerei Düker dem Kuka-Roboter zu einem Lebenslauf) und der Verpackungshersteller Maag aus dem Sauerland (Vgl. dazu: Digitalisierung, damit der Salat länger frisch bleibt).

In der Industrie 4.0 bzw. in der vernetzten Fabrik sorgen die Kommunikationsstandards OPC-UA und TSN Ethernet dafür, dass die Daten zwischen den Maschinen – herstellerunabhängig –  ausgetauscht und interpretiert werden können, wie Dr. Erich Behrendt von IMK Consulting in seinem Vortag hervorhob. Relativ neu ist das Narrowband IoT bzw. das Low Power Wide Area Network. Dabei handelt es sich laut Wikipedia um ein

Netzwerkprotokoll zur Verbindung von Niedrigenergiegeräten wie batteriebetriebene Sensoren mit einem Netzwerkserver. Das Protokoll ist so ausgelegt, dass eine große Reichweite und ein niedriger Energieverbrauch der Endgeräte bei niedrigen Betriebskosten erreicht werden können.

In zehn thematisch verschiedenen Workshops hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Beispiele aus der Praxis kennenzulernen. In meinem Fall waren das die Themen Digitale Geschäftsmodelle und Smart Building.

Im Workshop Digitale Geschäftsmodelle stellte Dr. Behrendt das Startup Screwerk aus Lüdenscheid vor (Vgl. dazu: Start-Up “Screwerk”: Einzelne Schrauben in die Welt). Das Unternehmen ist eine Kombination aus Online-Shop und Hochleistungs-IT. Im Hintergrund sorgt eine Graphendatenbank dafür, dass Angebot und Nachfrage schnell zusammen kommen. Das Unternehmen hat sich auf Schrauben sog. C-Waren bzw. Mindermengen spezialisiert, deren Versand für die großen Hersteller und Lieferanten nicht wirtschaftlich genug ist. Inzwischen ist Screwerk selbst in die Produktion von Schrauben eingestiegen. Das Geschäftsmodell Online Shop + Hochleistungs-IT lässt sich auch auf andere C-Waren, wie Nieten, übertragen.

In dem anderen Workshop Smart Building erläuterte Prof. Dr. Harald Mundinger vom Fachbereich Gebäudesystemtechnologie der FH Südwestfalen, Standort Lüdenscheid, weshalb Standards nicht per se von Vorteil sind. Allein im Bereich Smart Building konkurrieren 30-40 Standards, die miteinander nicht oder kaum kompatibel sind, um die Gunst der Ingenieure und Bauherren. Hinzu kommt, dass sich mit Amazon Alexa ein de-facto-Standard im Smart Building und Smart Home etabliert. Um den Wildwuchs einzudämmen und die Dominanz einiger weniger oder gar eines Unternehmens zu verhindern, sind offene, untereinander kompatible Standards nötig.

Crosspost von Westfalenlob

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“Räumliche wie ideelle Entfernung vom „Move fast and break things“-Silicon Valley könnte sich als Vorteil erweisen” – Interview mit Marc Rohlfing

Marc Rohlfing. Foto: Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF)

Angesichts der Zahl neuer Technologien, die für sich beanspruchen, “disruptiv” zu sein, kann der Überblick schnell verloren gehen. Insofern ist es gut, wenn man jemanden trifft, der hier Orientierung geben kann, wie Marc Rohlfing (Foto). Der Dozent, IT-Berater und Technologiescout (LaudableGuru) verfolgt die Entwicklungen auf dem Gebiet neuer Technologien (3D-Druck, Machine Learning, Augmented Reality, Blockchain) und ihrer möglichen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft aus nächster Nähe. Regelmäßig spricht er in der Veranstaltung Rohlfing redet – im größten Computermuseum der Welt, im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF), über die aktuellen Technologietrends. Im Gespräch mit diesem Blog gibt Rohlfing Auskunft zum aktuellen Stand der Entwicklung und wagt einen Ausblick auf die nähere Zukunft. 

  • Herr Rohlfing, Sie sind als Dozent, IT-Berater und Technologiescout tätig. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in letzter Zeit besonders intensiv?

Das alles bestimmende Thema, an dem derzeit niemand vorbeikommt, ist – und wird wohl auch angesichts der Möglichkeiten noch eine Weile so bleiben – sicherlich Maschinenlernen. Die Konsequenzen, vor allem wenn diese Techniken in dedizierter und miniaturisierter Form direkt innerhalb unserer Geräte verbaut werden, sind noch gar nicht abzusehen.

Zunehmend rücken auch und gerade dabei für mich – und das mag der Weltlage ebenso wie meinem eigenen Älterwerden geschuldet sein – allerdings Fragen nach den sozialen und soziologischen Auswirkungen in den Fokus. Etwa ob „das Internet wenn nicht gleich unser Gehirn verändert, so doch dauerhaft eine andere Aufmerksamkeitsökonomie durchgesetzt hat, die sich nicht rückgängig machen lässt.“ (vgl. Avenassian 2017: 14).

  • Die Klagen darüber, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung den Anschluss verliert, nehmen zu. Ist die Sorge berechtigt?

Ich neige, schon von Berufs wegen, nicht zum Pessimismus – aber die Sorge ist definitiv berechtigt. Viel zu lange haben wir hierzulande so getan, als ließe sich die vergangene Erfolgsgeschichte einfach fortschreiben. Haben Verantwortliche in Politik und Wirtschaft – letztere notfalls mit Betrug – auf inkrementelle Verbesserungen und Verfeinerungen des Bewährten gesetzt, also auf Evolution

Wir haben es bei der Digitalisierung aber mit einer Revolution zu tun, für die jetzt die Weichen gestellt werden müssen. Also anstatt die schwarze Null als Monstranz vor uns herzutragen, bräuchte es dringend Investitionen. Investitionen in Netzinfrastruktur auf der einen, und in Bildung in Form von Lehrern und Schulen auf der anderen Seite.

  • Wie kann die deutsche Industrie, und hier vor allem der Mittelstand, ihre Stärken in der Hardware in die digitale Welt überführen – welche Rollen könnten der 3D-Druck und die Augmented Reality dabei spielen?

Welche Rolle 3D-Druck, Augmented Reality oder andere Buzzwords in der Zukunft spielen ist notorisch schwer vorherzusagen – aber um die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie und des Mittelstandes mache ich mir keine Sorgen; vorausgesetzt, siehe vorherige Frage, wir installieren endlich überall vernünftig schnelles Internet und geben der Bildung den Stellenwert, der ihr in einem Land ohne andere Ressourcen als den Menschen die hier leben und arbeiten gebührt.

  • Werden wir demnächst fast menschenleere Fabriken und Büros haben – können Roboter und Softwareagenten den Menschen auf absehbare Zeit ersetzen?

Nein, das denke ich nicht. Weder auf absehbare Zeit noch überhaupt. Historisch haben neue Technologien Arbeitsplätze nicht verschwinden lassen, sondern verschoben: seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind zum Beispiel bei der amerikanischen Eisenbahn 250.000 Jobs abgebaut– und dafür 300.000 Arbeitsplätze in der Luftfahrt geschaffen worden. Das ist natürlich für den Einzelnen, der von einer solchen Verlagerung betroffen ist, nicht leicht. Nicht jeder, der Kohlen schaufeln kann, kann auch Flugzeuge reparieren. Neu entstehende Jobs sind tendenziell hochwertiger, umso wichtiger die schon erwähnte Aus- und Weiterbildung.

Roboter und Softwareagenten werden als Werkzeuge aber in ganz vielen Fabriken und Büros Einzug halten. Und die Aufgaben erledigen, etwa große Datenmengen zu verarbeiten, in denen Maschinen besser sind. Während sich Menschen auf die Tätigkeiten konzentrieren können, die wir den Maschinen voraushaben, also Kreativität oder Intuition.

  • Das Industrial Internet und das klassische Internet bewegen sich aufeinander zu (Consumerization). Das spielt den großen digitalen Plattformen wie Amazon und Alibaba in die Hände – brauchen wir in Europa digitale Plattformen, die es mit den US-amerikanischen und asiatischen Anbietern aufnehmen können oder ist der Zug bereits abgefahren?

Angesichts der Größe, die die „Big Five“ mittlerweile haben, den resultierenden Netzwerkeffekten und den hilflosen aktuellen Versuchen der Politik, die den Status Quo durch Regulation vermutlich eher noch zementieren… ist er das vermutlich!

Die spannende Frage wäre, ob wir stattdessen in Europa (Geschäfts-)Modelle jenseits der Plattformen und Aggregatoren mit ihrer „Winner takes all“-Dynamik finden können. Modelle, mit denen nicht ganz Wenige ganz reich, sondern Viele wohlhabend werden können.

Die räumliche wie ideelle Entfernung vom „Move fast and break things“-Silicon Valley könnte sich dann vielleicht sogar als Vorteil erweisen.

  • Wie bewerten Sie das Potenzial der Blockchain-Technologie mit ihrem betont dezentralen Ansatz – könnte das “die” Basistechnologie für den Mittelstand werden?

Im klassischen Hype-Zyklus nähert sich die Blockchain gerade mit Riesenschritten dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ (vgl. Hype Cycle for Blockchain Technologies, Gartner 2017).

Ich denke schon, dass die Technik in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Nachdem das „Tal der Enttäuschungen“ durchschritten ist – aber ob als echte Basis oder nur als weiteres Werkzeug der technologischen Toolbox, dafür ist es für eine verlässliche Aussage noch zu früh.

Crosspost von Econlittera

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Identity Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #48

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen, die mir in der vergangenen Woche besonders ins Auge gefallen sind:

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Was ist Ethereum? – Eine Einführung

Von Ralf Keuper

Auf CoinCentral gibt Alex Moskov in What is Ethereum? | The Ultimate Beginners’ Guide einen informativen und lesenswerten Überblick über die Entwicklung der letzten Jahre, den aktuellen Stand und die künftigen Herausforderungen bei Ethereum. 

Sein Fazit:

While there is a lot of speculative interest around Ethereum, it’s important to note that the Ethereum and dapp communities are very much focused on building a tangible future.

Ethereum is a phenomenal application of the blockchain and has made it possible for hundreds of projects to exist.

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Zukunftsmarkt Internet of Payments / IoT-Payments: Interview mit Joachim Dorschel (DPS Gruppe)

Joachim Dorschel. Foto: DPS-Gruppe

Wenn demnächst Maschinen in der Lage sind, sich gegenseitig zu beauftragen und zu bezahlen, dann entsteht hier ein Markt, der für viele Anbieter lukrativ ist. Im Gespräch erläutert Joachim Dorschel (Foto), Rechtsanwalt und Geschäftsführer der DPS Engineering GmbH und der DPS Innovations GmbH, welche Anforderungen die vernetzte Produktion (Industrie 4.0) an die Banken und ihre IT-Infrastrukturen stellt, wer sonst noch eine relevante Rolle im Internet of Payments bzw. bei den IoT-Payments spielt und demnächst noch übernehmen wird, weshalb die sichere Identifizierung der Maschinen und damit Identity-as-a-Service ein Wachstumsmarkt ist und welche Funktion die Blockchain-Technologie in der Machine Economy übernehmen könnte. Joachim Dorschel hat zusammen mit David Karlin den Beitrag Technik und Prozesse für ein Internet of Payments veröffentlicht. 

  • Herr Dorschel, was genau macht DPS; welche Funktion haben Sie dort?

DPS ist seit fast dreißig Jahren als IT Dienstleister für Finanzinstitute und banknahe Retail-Services am Markt aktiv. Unsere Kunden sind unter Anderem große Privatbanken, Landesbanken, die Sparkassenorganisation, genossenschaftliche Institute sowie Payments Service Provider. Schwerpunkte von DPS sind das Transaction Banking, insbesondere Payments und Securities Settlement, Omnichannel Banking sowie techniknahe Regulatorik. In unserer Innovations-Einheit entwickeln wir Produktideen in den Bereichen Blockchain, RegTech und seit einiger Zeit auch IoT.

Ich selbst bin gelernter Rechtsanwalt und Geschäftsführer der DPS Engineering GmbH und der DPS Innovations GmbH und dort zuständig für Strategie, Marketing und Vertrieb.

Die Bedeutung von IoT und Industrie 4.0 für industrielle Produktionsprozesse und Wertschöpfungsketten ist bekannt. Banken spielen bei der Beschaffung, dem Absatz und allgemein in der Supply Chain eine wesentliche Rolle als Finanzierer und als Anbieter von Zahlungsverkehrsprodukten. Mit IoT sind gänzlich neue Preis- und Geschäftsmodelle denkbar. Dies erfordert neue Modelle der Finanzierung und Abrechnung. Banken können sich hier als innovativer Serviceprovider profilieren.

  • Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen?

Bislang gibt es wenige produktive Anwendungsfälle. Ein Prototyp, an dem wir gerade arbeiten, erlaubt es, die Finanzierung von technischen Geräten mit dem Gerät selbst zu verbinden. Denkbar sind so Vertragsmodelle, bei denen die Zahlungsverpflichtung aus der Anschaffungsfinanzierung mit einer Weiterveräußerung automatisch auf den Erwerber übergeht. Hierdurch werden auch finanzierte Geräte (z.B. Fahrzeuge) leicht weiterveräußerbar. Zins- und Tilgungsdienst leistet primär der jeweilige Eigentümer oder Besitzer, bei dem das wirtschaftliche Interesse am Betrieb des Produktes liegt. Wird nicht fristgerecht bezahlt, geht das Gerät außer Betrieb.

  • Sind Banken sowohl technisch wie organisatorisch überhaupt in der Lage, die Vielzahl der Geräte und deren Kommunikationsströme zu erfassen und als Zahlungs- und Clearingstelle zu fungieren?

Was die Leistungsfähigkeit der Bank-IT angeht, so ist zu bedenken, dass die meisten Institute sich mit Instant Payments heute bereits darauf einrichten, Massenzahlungen in Echtzeit auszuführen. Aus Sicht des Zahlungsverkehrs wird IoT häufig nur ein weiterer Eingangskanal sein, den es entsprechend zu bedienen gilt.

Im Bereich Maschine-to-Maschine-Payments geht es darum, aus IoT-Daten Zahlungsinstruktionen zu generieren und diese transaktionssicher und regulatorikgerecht auszuführen. Die Verbindung zwischen der Bank-IT und einer IoT-Plattform wird hier mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Payment-Layer schaffen, ein Stück Software wie unser eCMS IoT-Server.

Für andere Modelle, etwa beim oben erwähnten Beispiel der maschinengebundenen Finanzierung, bedarf es gänzlich neuer Anwendungsarchitekturen. Wie sich die funktionalen Anforderungen zwischen Bank-IT, IoT-Plattformen und Verbindungsschichten verteilen, wird die technische Entwicklung zeigen.

  • Die großen digitalen Plattformen, wie Alibaba und Amazon, bieten bereits Internet Payments an. Warum sollten die Plattformen die Dienste von Banken noch in Anspruch nehmen?

Amazon und Alibaba sind auf Bezahlvorgänge im Consumer-Geschäft ausgerichtet – im Electronic Commerce und seit einiger Zeit auch im stationären Handel. Im IoT-Bereich geht es um Zahlungsverkehrslösungen für Unternehmenskunden, wobei die wesentliche Herausforderung darin liegt, in einem stark regulierten Umfeld innovative Payment-Lösungen für neue Geschäftsmodelle zu finden. Hinzu kommt, dass viele Use Cases virtuelle Abrechnungseinheiten benötigen werden, wobei die etablierten Kryptowährungen ungeeignet sind. Hier können Banken als Vertrauensgeber, als Berater und als Lösungsanbieter eine entscheidende Rolle spielen.

  • Unternehmen bzw. Startups wie IOTA oder Slock.it wollen es ermöglichen, dass Maschinen sich gegenseitig beauftragen und bezahlen können. Ein realistisches Szenario?

Die Idee hinter den genannten Initiativen ist in beiden Fällen durchaus realistisch. Bei IOTA sehe ich allerdings das Problem, dass das Konzept auf einer handelbaren Kryptowährung basiert, welche definitionsgemäß volatil ist. Eine Kryptowährung, deren einziger Zeck es ist, als Recheneinheit für Maschine-to-Maschine-Transaktionen zu dienen, sollten aber eher an eine etablierte Fiat-Währung gebunden sein. Für solche Stable Coins oder auch über DLT organisiertes e-Geld bedarf es einer vertrauensgebenden Instanz. Hier kommen wieder Banken ins Spiel.

  • Sind IoT-Datenmarktplätze wie Streamr ein Modell mit Zukunft?

Neutrale und universelle Plattformen für den Datenaustausch werden für IoT-Anwendungen sicherlich an Bedeutung gewinnen. Welche Formate, Konzepte und Anbieter sich letztlich durchsetzen werden, ist aus heutiger Sicht völlig offen. Anbieter von Payments Services und IT-Lösungen werden sich auf unterschiedliche Konzepte und Formate einstellen müssen. Dabei muss man bedenken, dass sich Infrastruktur und Angebote auch auf der Payment-Seite weiterentwickeln. Instant und Mobile Payments sind hier nur zwei Beispiele.

  • Die Themen Datenschutz / Privacy by Design sowie die sichere Identifizierung befinden sich im IoT noch in den Anfängen. Zeichnet sich hier der Bedarf von Identity-as-a-Service – Providern sowohl für Personen wie auch für Maschinen ab?

Die sichere Identifikation von Maschinen wird eine der Herausforderungen bei Maschine-to-Maschine-Payments sein. Die PSD2 verlangt für Zahlungsaufträge eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dieses Konzept ist auf Maschinen nicht ohne weiteres übertragbar. Das IoT-Referenzmodell RAMI 4.0 weist jedem Gegenstand einer Verwaltungsschale zu. Eine zentrale Anforderung ist dabei, dass die Verwaltungsschale und der ihr zugeordnete Gegenstand über eine eindeutige ID verfügen.

Bei netzwerkübergreifenden Transkationen zwischen Maschinen müssen diese ID´s auch untereinander eindeutig und unverfälschbar sein. Hier kommt der Authentifizierung der Identität, wie man sie heute bereits beim OPT-Verfahren kennt, entscheidende Bedeutung zu. Dabei werden aus heutiger Sicht Instanzen benötigt, die Zertifikate erteilen und die Zuordnung von Maschinen und Personen (eine Maschine kann juristisch nicht Inhaber von Rechten und Pflichten sein) sicherstellen. Identity-as-a-Service kann hier eine weitaus größere Bedeutung gewinnen, als dies heute der Fall ist.

  • Welche Rolle könnte die Blockchain-Technologie im Internet of Payments übernehmen?

Blockchain und DLT sind Schlüsseltechnologien für Zahlungen in dezentralen IoT-Netzwerken. Es liegt nahe, dass Wertetransfers zwischen Maschinen typischerweise nicht über klassische Zahlungsverkehrsnetzwerke abgewickelt werden, sondern hierfür eigene Tokens zum Einsatz kommen. Die mögliche Bedeutung von Stable Coins oder in Blockchain implementiertes E-Geld hatte ich bereits erwähnt.

Darüber hinaus ist es auch denkbar, das Identitätsmanagement und die Authentifizierung von Maschinen dezentral über entsprechende Technologien zu organisieren. Der große Vorteil einer solchen Lösung ist der Verzicht auf zentrale Instanzen, die als Single Point of Failure ein gesamtes Netzwerk blockieren können.

  • Wie wird sich der Markt für Internet Payments in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Entscheidend wird sein, wie sich die großen Industriekonzerne sowie die heute bereits etablierten IoT-Anbieter positionieren und welche Innovationskraft Banken und Payment Provider bei der Entwicklung von Lösungsangeboten zeigen. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass in fünf Jahren viele Transaktionen zwischen Maschinen ohne direktes oder indirektes menschliches Zutun erfolgen.

Crosspost von Bankstil

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IoT powered by Blockchain: How Blockchains facilitate the application of digital twins in IoT

… Blockchain technology appears today as potentially the most suitable and efficient way to generate, monitor and exchange digital twins. This evaluation roots in Blockchain’s highly desirable attributes like auditability, security and immutability. Digital twins benefit from these features, as they allow the transmission of data and value of any kind over the internet without intermediaries and a high degree of transparency. Already, many small and large companies provide opportunities to store physical objects on Blockchains, calling them “tokenized assets” and making full use of the immutability and transparency Blockchains offer. The next step is to connect these digital twins with each other and with interested third parties. For this, a specialized distributed ledger platform that allows sharing information among digital twins is required. Consequently, this Point of View outlines such a platform’s requirements, use cases and how stakeholders emerge as new leaders in their respective felds. …

Quelle / Link: IoT powered by Blockchain: How Blockchains facilitate the application of digital twins in IoT

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Netzwerkbasierte Geschäftsmodellinnovationen: Das Beispiel der Industrie 4.0-Anlage SmartFactoryKL

Quelle / Link: Netzwerkbasierte Geschäftsmodellinnovationen: Das Beispiel der Industrie 4.0-Anlage SmartFactoryKL

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