Der Fraunhofer-Tag der Blockchain-Technologie

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Der Aufzug als Kommunikationsplattform

Von Ralf Keuper

Hersteller von Investitionsgütern verwandeln sich in die Betreiber digitaler Plattformen. Im Zentrum steht dabei der Service-Gedanke, d.h. das Produkt an sich rückt in den Hintergrund; wichtig sind die Services, die sich mit dem Produkt verbinden und nach Möglichkeit abrechnen lassen. Aktuellstes Beispiel ist der finnische Hersteller von Aufzügen Kone. Der Aufzug tritt über Displays mit den Fahrgästen in Kommunikation und Interaktion, worüber in Kone monetizes connected elevators with Alexa, music-streaming, and digital displays berichtet wird.

Kone is striving to make elevators a platform, allowing its clients to tailor services such as music, customize digital displays with local information or panoramic views via “virtual windows,” improve accessibility, and enable voice commands.

Displaytechnologien sorgen mit dafür, dass bislang getrennt voneinander agierende Medien näher zusammenrücken und z.T. auch verschmelzen (Vgl. dazu: Banking als Teil des Medienwandels #5).

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FabOS – Technologische Souveränität für KI-Anwendungen in der Produktion

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Leitfaden Wertschöpfung aus Maschinendaten 4.0

Von Ralf Keuper

Der Wert der Maschinendaten rückt in den Fokus. Beispielhaft dafür ist der warnende Hinweis des ehemaligen Leiters des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), Wolfgang Wahlster, der deutschen Industrie bleibe nur noch wenig Zeit, um zu verhindern, dass auch hier, wie zuvor im Konsumgütergeschäft, die Kundenschnittstelle an US-amerikanische und chinesische Technologiekonzerne verloren geht (Vgl. dazu: Der Wettlauf um die Maschinendaten).

Um das Potenzial auszuschöpfen, so der aktuelle Leitfaden Wertschöpfung aus Maschinendaten 4.0 , müssten Maschinenhersteller, Automatisierungshersteller und Maschinenbetreiber an einem Strang ziehen:

  • Der Maschinenbetreiber und der Maschinenhersteller bestimmen gemeinsam die Anwendungsszenarien und die Projektumsetzung. Sie entscheiden, welche Daten wofür verwendet werden.
  • Der Automatisierungshersteller muss seine Komponenten so gestalten, dass diese die benötigten Daten liefern und passend vernetzbar sind. Mittels Analyse der Komponentendaten kann er die Informationen bereitstellen die es erlauben, Maschinen und Komponenten zu optimieren und besser an den Einsatzfall anzupassen.

Auf dem Weg dorthin sind noch einige Hürden, sowohl technologischer wie auch organisatorischer Art zu nehmen. Zum Beispiel:

Engineering
Vorhandene Maschinensoftware muss erweitert werden, Schnittstellen sind zu schaffen, eine Infrastruktur ist herzustellen, Security-Maßnahmen sind zu ergreifen sowie der Aufbau von neuem Know-how und die Qualifikation neuer Lieferanten ist erforderlich.

Vertragsgestaltung
Wem gehören die Maschinendaten? Wer darf welche Maschinendaten wie nutzen? Klare Vereinbarungen und vertragliche Regelungen sind zu schaffen, damit jeder Beteiligte
rechtssicher agieren kann.

Marketing / Vertrieb
Bei den Kunden ist Vertrauen aufzubauen und der Mehrwert ist zu vermitteln. Vertrieb und Marketing des Maschinenherstellers müssen mit dem Maschinenbetreiber zusammen erarbeiten, wie der Nutzen aus Maschinendaten geschaffen wird

Künftig wird die Industrial Analytics, vor allem im Mittelstand, an Bedeutung gewinnen, da die Unternehmen nur auf diese Weise die Daten zu einem vertretbaren Aufwand analysieren und verwerten können. In einem Interview mit Computer & Automation räumte Hans Beckhoff, Gründer und Chef von Beckhoff Automation ein, dass es künftig einen Wettbewerb zwischen den Automatisierungstechnik-Anbietern und den Datenverarbeitern wie Google oder Amazon geben werde. Hinzu kämen noch die Maschinenbauer, die ebenfalls eine eigene Strategie verfolgen würden. Noch hätten die Maschinensteuerungshersteller gegenüber Google & Co. einen großen Know-How-Vorsprung, da die Automatisierungstechnik sehr komplex sei. Außerdem sei der Markt für Automatisierung für Google, Amazon & Co. schlicht zu klein. Was die Daten betrifft, ist das Interesse von Google & Co., wie gesagt, deutlich größer.

Allerdings ist die Kooperationsbereitschaft der Unternehmen untereinander noch eher schwach ausgeprägt. Es fehlt nach wie vor das Problembewusstsein. Daran ändern auch nichts die zahlreichen Initiativen in dem Bereich. Hier einen Einstellungswandel herbeizuführen ist schwierig und wird dauern. Die Frage ist, ob die Zeit noch reicht. Der vorliegende Leitfaden gibt, zusammen mit anderen Whitepaper Leitfaden Datennutzung
Orientierungshilfe zur Vertragsgestaltung für den Mittelstand
und Interoperabilität durch standardisierte Merkmale, auf jeden Fall schon mal wichtige Hilfestellungen.

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Digitale Identitäten: Sicher, dezentral und Europäisch?

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Offene Betriebssysteme und KI-Marktplätze für die Fabrik der Zukunft

Von Ralf Keuper

In letzter Zeit nimmt die Anzahl an Initiativen, die darauf abzielen, die Datensouveränität bzw. die digitale Souveränität der Unternehmen zu sichern, spür- und messbar zu. Aktuelles Beispiel ist FabOS.

Mit FabOS entwickeln Wissenschaft und Industrie ein Betriebssystem für die Produktion, das eine einheitliche Einbindung von Produktionstechnik sowie Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ermöglicht. FabOS soll so auch die Erhebung von Produktionsdaten erleichtern und Künstliche Intelligenz (KI) in der Breite nutzbar machen.

Weiterhin:

Entsprechend den Prinzipien bekannter Betriebssysteme für Computer oder Smartphones, Hardware mit Apps und Programmen zu verknüpfen, soll FabOS eine Plattform für Maschinen, Infrastruktur und KI-Dienste einer kompletten Fabrik werden. Um zu verhindern, dass sich Industrieunternehmen von einem Hersteller abhängig machen, wollen die Forscher teilweise Open-Source-Komponenten und Ansätze von Community- und Crowdsourcing in FabOS integrieren.

In die gleiche Richtung zielt das Forschungsprojekt Digitaler Marktplatz für KI-Anwendungen im Produktentstehungsprozess.

Der KI-Marktplatz funktioniert auf ähnliche Weise wie bekannte Marktplätze, zum Beispiel Amazon, im Konsumentenbereich. Ein Hersteller von Maschinen hat über den KI-Marktplatz beispielsweise Zugang zu Forschungsergebnissen aus dem Bereich KI im Engineering. Diese Ergebnisse kann er dann ohne aufwändige und kostenintensive firmeninterne Forschung nutzen, um sie für das eigene Engineering anzupassen.

Im Projekt wird dazu untersucht, wie ein derartiger Marktplatz gestaltet werden muss, damit Unternehmen ihn nutzen.

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Banken im Würgegriff der Plattform- und Datenökonomie

Von Ralf Keuper

Der Ansatz, Banken in digitale Plattformen oder Ökosysteme zu verwandeln, übt auf Berater, Medienvertreter, Banker und Forscher eine hohe Anziehungskraft aus. Allerdings gehen die Meinungen darüber auseinander, was eine Plattform eigentlich ist und ob der Begriff auf Banken überhaupt sinnvoll angewendet werden kann.

In dem Beitrag Daten, Plattformen und die Rolle von Banken in der Open Data Economy (BIT, Band 20, Heft 2, Oktober 2019) fügt Dr. Udo Milkau (Chief Digital Officer Transaction Banking DZ Bank) der Diskussion eine weitere Facette hinzu.

Plattformen sind für Milkau kein neues Phänomen. Ihre Prinzipien wurden bereits im Mittelalter auf den Messen in der Champagne verwirklicht. Plattformen bringen Angebot und Nachfrage an einem Ort zusammen. Die Handelspartner müssen die dort gültigen Regeln und Standards akzeptieren. Dennoch unterscheiden sich “Märkte” von digitalen “Plattformen”. Plattformen sind nicht nur passive Intermediäre, sondern betreiben auch aktive Geschäftspolitik, indem sie Kunden durch Nutzungsregeln und die Verwertung der Daten an sich binden.

Milkau unterteilt Plattformen – grob gesprochen – in Plattformen in weiterem und Plattformen im engeren Sinn. Plattformen im engeren Sinn sind solche, die ihre Kunden identifizieren können und als Element der Bindung das Matching auf Basis der Daten verwenden. Diese wiederum gliedert er in Plattformen erster Ebene (GAFA und BAT), zweiter Ebene (Vergleichsportale/(CHECK24), Plattformen für selektive Produkte oder Services (z.B. Immobilienfinanzierung/Genopace), Individuelle Anbieter-Plattformen (z.B. Rohstoffhändler wie Klöckner) und unechte Plattformen (Ergänzungen bei Vertriebsportalen).

Den gängigen Slogan, dass Daten das neue Öl seien, sieht Milkau kritisch. Wäre dem so, dann müssten die Datenvermögenswerte als solche in den Bilanzen auftauchen, was wiederum ein Eigentum an Daten voraussetzt.

Ohne die Klarheit, welche beispielsweise durch die Einführung eines “Dateneigentums” mit (i) einer Bepreisung für die Sammlung der Kundendaten und (ii) der Möglichkeit zur anschließenden bilanziellen Bewertung der Ergebnisse der Datenanaylsen gegeben wäre, sind Banken in Europa aktuell gegenüber der globalen Konkurrenz bzgl. einer “Data Economy” deutlich eingeschränkt.

Schlussbetrachtung

Der Beitrag von Milkau schafft an vielen Stellen Übersicht und Ordnung; vor allem was die Begrifflichkeiten (Plattform, Daten als Öl) betrifft. Die Klassifizierung der Plattformen ist brauchbar, zumal sie den Punkt “Identifizierung” als ein Hauptunterscheidungsmerkmal einführt.

Allerdings sind Intermediäre, wie Banken, ebenso wie die heutigen digitalen Plattformen und Ökosysteme, nie neutral gewesen. Sie haben ihre Rolle dazu benutzt, selber in das Marktgeschehen einzugreifen, indem sie z.B. Geldschöpfung betreiben und – wie bei der letzten Finanzkrise – in die Produktion von Finanzinstrumenten eingestiegen sind und damit einen Markt schufen, den es zuvor in dieser Ausprägung nicht gab. Die Folgen für die Realwirtschaft sind bekannt. Die Vergabe von Krediten nach bestimmten Kriterien, die Verzinsung der Einlagen, sind ebenfalls alles andere als neutral oder passiv zu bewerten.

Neu ist dagegen, dass die digitalen Plattformen wie Google und Apple, wie der Soziologe Philipp Staab in seinem Buch Digitaler Kapitalismus – Markt und Herrschaft in der Ökonomie der Unknappheit schreibt, keine neutralen Intermediäre, sondern “Marktbesitzer” sind. Sie agieren als Meta-Plattformen und technische Ökosysteme, die mit ihrer Software (Betriebssysteme) und Hardware (Smartphone) die Regeln bestimmen.  Sie verfügen über die Kontrolle der Informationen, des Marktzugangs, der Preise und des Leistungsangebots (Vgl. dazu: Die Ambitionen von BigTech im Banking und darüber hinaus). Insofern sind Plattformen und Märkte, anders als vielleicht noch im Mittelalter, eins. Eine Schlüsselrolle neben den Plattformen übernehmen die Medien (Smartphone, Soziale Netzwerke, Entertainment, Gaming) als Medien der Kooperation. Auch Medien sind nicht neutral. Oder, wie der Medienphilosoph Marshall McLuhan schrieb: Das Medium ist die Botschaft. Medien haben ihre eigene Logik (Vgl. dazu: Bezahlen als Medienpraktik – die neuen Infrastrukturen des Geldes ohne Banken & Angewandte Medienlogik: Von der Kreditkarte über Apple Pay und Apple Card zur Digitalen Identität).

Milkau kommt das Verdienst zu, die Identifizierung als Erfolgsfaktor in die Betrachtung der Plattform- und Datenökonomie aus Bankensicht einzuführen. Ebenso wie die Identitäten von Personen müssen jedoch die Identitäten der Maschinen und Unternehmen und der Wert der Maschinendaten berücksichtigt werden. In der vernetzten Wirtschaft sind sichere Digitale Identitäten und verifizierte, attestierte Daten erfolgskritisch. Hierfür bedarf es bestimmter Verfahren und Institutionen. Banken könnten hier eine wichtige Funktion als Intermediäre, Vermögens- und Risikomanager übernehmen.

Soviel ist sicher: Wenn sie es nicht machen, machen es (erneut) andere.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Cloud und digitale Souveränität. Positionspapier der Open Source Business Alliance

Im Zuge einer immer umfassenderen Durchdringung aller Lebens- und Arbeitsbereiche mit digitaler Technologie stellt sich die Frage nach der digitalen Selbstbestimmung. Wie abhängig sind Individuen, Unternehmen und Staat von einzelnen Technologien, bestimmten Produkten oder einzelnen Herstellern und Anbietern? Und ist diese Abhängigkeit für den Anwender ersichtlich bzw. kann bewusst zwischen Alternativen gewählt werden? Im Rahmen einer digitalen Souveränität muss der Anwender in der Lage sein, die Entscheidung über die Nutzung von Diensten und die Ablage und Verwendung seiner Daten bewusst und informiert zu treffen und diese Entscheidung auch jederzeit ändern zu können.

Zusammengefasst ist digitale Souveränität die Fähigkeit einer Organisation oder eines Individuums, selbst und sicher bestimmen zu können, wer unter welchen Bedingungen, mit welcher Software und für welchen Zweck auf die eigenen Daten zugreifen kann. …

Quelle / Link: Cloud und digitale Souveränität. Positionspapier der Open Source Business Alliance

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Identity Valley Initiative (IDV)

Von Ralf Keuper

Über die große Bedeutung digitaler Identitäten für das Leben der Menschen bestehen kaum noch Zweifel. Dennoch ist der Bedarf an Aufklärung und Sensibilisierung groß. Für die meisten ist es ein eher abstraktes, technisches Thema; etwas für technikaffine Nutzer oder für Menschen mit entsprechender Ausbildung. Zwar blickt man mit gemischten Gefühlen auf die Marktmacht von facebook, Google & Co, die sich zu einem hohen Maß der (indirekten) Kontrolle der digitale Identitäten der Nutzer verdankt; indes, man fühlt sich gegenüber dieser Macht und des sog. Lock-In-Effekts ohnmächtig. Außerdem ist die Nutzung der Services der großen Plattformen bequem und ein Wechsel zu alternativen Angeboten, so sie denn überhaupt existieren, mit hohem Aufwand verbunden.

Die Identity Valley Initiative will zeigen, dass es auch anders gehen kann. Europa soll der Digitalisierung eine andere Note geben:

Die Identity Valley Initiative ist als europäische Reaktion auf den Hype des amerikanischen Silicon Valleys entstanden. Dort, wo technologische Entwicklungen einander im Spitzentempo jagen, dort wo digitale Technologie zur Maxime erhoben wird, dort wo die Verschmelzung von digitaler und realer Welt die Zukunft bedeutet – dort ist eine Sinnkrise entstanden. Ist Digitalisierung alles? Europa ist „das Valley“ für eine glaubwürdige, transparente und wertebasierte Digitalökonomie.

Weiterhin:

Das Identity Valley (IDV) bringt Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft an einen Tisch. Ziel der gemeinnützigen Plattform ist es, die persönliche Identität zu schützen, gemeinsames Vertrauen zu fördern und digitale Innovation zu ermöglichen – für Mensch und Maschine. Im Verständnis um Identität als Nukleus einer wertebasierten Digitalisierung schaffen wir Chancen für eine deutsch-europäische Digitalökonomie.

Oberstes Menschenrecht sei in Zukunft der Schutz der digitalen Identität.

… Es geht um ein würdiges Miteinander von Mensch und Maschine. Und es geht um Identität. Digitale Identität ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Digitale Produkte und Services, die Identitäten respektieren und schützen, ohne ausschließlich Richtlinien abzuhaken, sind die Zukunft. Menschliche und digitale Identitäten stehen gemeinsam im Mittelpunkt aller Betrachtungen.

Partner sind u.a. das Bayerische Ministerium für Wirtschaft, regionale Entwicklung und Energie, Festo, der KI Bundesverband e.V. sowie, was durchaus gewöhnungsbedürftig ist, das Google Safety Engineering Center in München.

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LIGHTest: Eine globale Vertrauensinfrastruktur

Von Ralf Keuper

In diesem Monat endet das von der EU geförderte Projekt Lightweight Infrastructure for Global Heterogeneous Trust management in support of an open Ecosystem of Stakeholders and Trust schemes (LIGHT est). Der Startschuss fiel im Oktober 2016 auf dem Open Identity – Summit in Rom.

Zur Zielsetzung:

Immer mehr kritische Transaktionen werden heute über das Internet abgewickelt. Aber sind die virtuellen Identitäten wirklich, was sie vorgeben? Das von der EU geförderte Projekt LIGHTest setzt genau dort an, indem es eine globale Vertrauensinfrastruktur schafft. Sein Ziel ist, eine Lösung bereitzustellen, mit der sich rechtmäßige von betrügerischen Identitäten unterscheiden lassen. Dies ist maßgeblich, um effiziente elektronische Transaktionen für verschiedenste Anwendungen einzuführen – von der einfachen Prüfung elektronischer Signaturen über eProcurement, eJustice, eHealth und Strafverfolgung bis hin zur Untersuchung, ob Sensoren und Geräte im Internet der Dinge vertrauenswürdig sind. …

LIGHTest will dieses Problem mit einer globalen Vertrauensinfrastruktur lösen, über die unabhängige Behörden ihre »trust information« veröffentlichen können. Eine solche globale Infrastruktur aufzubauen, ist ein ehrgeiziges Ziel. Aufgrund der bestehenden Infra-, Governance- und Organisationsstrukturen sowie Sicherheitsstandards des Domain Name Systems (DNS) des Internets können wir aber zuversichtlich sein, dieses Ziel zu erreichen. Wie Handelsregisterführer und Behörden in den Bereichen Gesundheit, Strafverfolgung und Justiz können die Europäische Kommission und ihre Mitgliedstaaten dann über die Infrastruktur Listen zertifizierter vertrauenswürdiger Dienste veröffentlichen (Quelle: LIGHTest – globale Vertrauensinfrastruktur).

Quelle: Cross-Border Trust Infrastrucutures:
What the LIGHTest tool has to offer

Obwohl die Vermutung nahe liegt, setzt LIGHTest nicht auf die Blockchain-Technologie. Zwar schließen sich die beiden Ansätze nicht aus, zumal die Zielsetzungen ähnlich sind (automatic verification of transactions, transparency, secure
transactions) und ein Zusammenwirken in bestimmten Fällen möglich ist, jedoch handele es sich um fundamental verschiedene Vorgehensweisen.

Wofür LIGHTest steht:

  • Make it automatic for Verifiers to query Trust Lists
  • Combine multiple queries to validate
    • an Electronic Transaction
    • against an easy to author Trust Policy

Dazu noch die Infrastruktur für die Übersetzung über verschiedene Trust-Domains hinweg.

Authority publishes Trust List on

  • which authorities from other trust domains are trustworthy
  • how to translate foreign into native trust schemes

Was LIGHTest nicht ist:

  • LIGHTest does not provide an alternative to eIDs or business registers
  • LIGHTest does not allow you to outsource trust decisions
  • LIGHTest does not allow you to use a global, known und trusted infrastructure to:
    • Retrieve declared policy details from partners
    • Verify those declared policies partners from Trust Lists
    • Determine trust assurances behind partners
    • Facilitate your own decision making
  • While also providing a path for trustworthy future business

Kurzum: LIGHTest dient dazu, den Unternehmen die Suche nach vertrauenswürdigen Geschäftspartnern, Personen und technischen Objekten zu erleichtern. Die Entscheidung nimmt sie den handelnden Personen nicht ab.

In einem Pilotprojekt hat LIGHTest zusammen mit der Spanischen Post Correos eine vertrauenswürdige Kommunikations-Infrastruktur entwickelt (eDelivery trust schemes), um die Kommunikation zwischen Unternehmen und Nutzern/Kunden/Bürgern zu sichern. Mehr dazu in: How the DNS Can Support Identification and Trust Services.

Einige Zeit vor LIGHTest beschäftigte sich das ebenfalls von der EU geförderte Projekt FutureID mit ähnlichen Fragestellungen (Vgl. dazu: FutureID: Ein dezentrales Identitätsmanagement-Ökosystem für Europa und darüber hinaus).

The objective of the FutureID project was to build an identity management infrastructure for Europe in support of a single market of online services. This requires the availability and large-scale use of trusted and secure identities that replace current password credentials. .. FutureID therefore attempts to find a solution that renders it easier to reach the required critical mass by providing interoperability between credentials and services.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse und Erfahrungen aus der Projekten gebündelt werden, um die PoC-Phase zu verlassen.

Weitere Informationen:

Let’s talk about digital identity with Rachelle Sellung and Alberto Miranda García, representing the LIGHTest Project. (Podcast)

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