Vertrauenswürdige Digitale Zwillinge

Von Ralf Keuper

Digitale Zwillinge werden über kurz oder lang zu einem Schlüsselelement der vernetzten Wirtschaft. Künftig wird die Datenkommunikation zwischen digitalen Abbildern realer Objekte, wie Personen, Maschinen und Unternehmen/Organisationen, abgewickelt. Daraus entstehen neue Geschäftsmodelle.

Um so wichtiger daher, dass man als Unternehmen, Person oder Maschinen darauf vertrauen kann, dass der jeweilige Digitale Zwilling tatsächlich der ist, für den er sich ausgibt.

Auf dem IoT Solutions World Congress im Oktober vergangenen Jahres in Barcelona haben die IDSA, FIWARE und PROSTEP ein Testbed für sichere Digitale Zwillinge vorgestellt (Vgl. dazu: Trusted Digital Twins – Data Connection Across the Product Life Cycle).

In collaboration with FIWARE and PROSTEP (for the full list of contributing partners see box), the International Data Spaces Association has created a testbed that demonstrates how data sovereignty, blockchain, and open source technologies can be jointly used to break information silos. It can, hereby, provide a seamless and controlled exchange of data across digital twins.

Bislang werden Digitale Zwillinge für bestimmte spezifische Anwendungsfälle entwickelt. Um die verschiedenen digitalen Zwillinge vernetzen zu können, müssen sie in die Lage versetzt werden, miteinander zu kommunizieren.

The data exchange among digital twins breaking these silos opens the door for manufacturers to receive unprecedented insights, visibility and automation opportunities. This, in turn, leads to efficiency improvements in product design, product performance and manufacturing process operations.

Zum Testbed:

The Trusted Digital Twin testbed demonstrates how FIWARE’s and IDSA’s open source technology, as well as SAMPL secure 3D printing technology, can be used to provide a seamless and controlled exchange of data across digital twins based on open international standards (prostep ivip, QIF) and the SAMPL blockchain technology.

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Datenmanagement-Werkzeuge für die Nutzer

Von Ralf Keuper

Momentan ist die Möglichkeit für die Nutzer, Einfluss auf das Management ihrer personenbezogenen Daten zu nehmen, gering. Die großen Technologiekonzerne wie facebook oder Google lassen sich die kostenlose Nutzung ihrer Services mit den Daten der Nutzer bezahlen. Neue gesetzliche Bestimmungen, wie die Datenschutzgrundverordnung, wollen das Recht der Nutzer an der Verwendung ihrer Daten stärken. Solange die Abhängigkeit der Nutzer von den Services der Internetunternehmen bestehen bleibt, wird sich an dem Status quo jedoch kaum etwas ändern.

Ein Weg, um den Nutzern zu mehr Souveränität zu verhelfen, könnte die Bereitstellung entsprechender Werkzeuge sein. In It’s time to redefine how data is governed, controlled and shared. Here’s how schlagen die Autoren vor:

Data utilities could offer a simpler way for users to manage data without having to manage consent with every firm with which they come into contact. Marketplaces, where firms could trade consumer data, would give individuals centralized control over how information about them is used and shared.

Consumer-centric data utilities may not replace the need for baseline data protections entirely, but they could streamline the complex web of data management responsibilities that consumers now have. Models could also emerge that allow individuals not only data control but also data monetization. At least one firm already enables individuals to pool their data for surveys and other uses in exchange for a fee.

Im Grunde besteht die primäre Aufgabe dieser Werkzeuge bzw. Lösungen darin, die Komplexität im Datennutzungsdschungel zu reduzieren und damit für den Nutzer beherrschbar zu machen. So oder so werden vertrauenswürdige Instanzen benötigt, welche die entsprechenden Werkzeuge und Services anbieten (Vgl. dazu: Data Banking: Datenkonten für alle). Wie neutral müssen diese Anbieter sein, d.h. bis zu welchem Grad können sie ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen verfolgen, ohne dass die Nutzer dabei “über den Tisch gezogen werden”? Wie wird das nötige Maß an Vertrauen in die Infrastrukturen und Lösungen hergestellt – durch Zertifizierungen? Welche Instanz kann die Rolle des Zertifizierers übernehmen – die IHK, eine Genossenschaft, ein digitaler Notar, der TÜV, eine Bank, eine staatliche Institution oder ein Gemeinschaftsunternehmen von Industrie, Banken, Handel und Regierung, die Blockchain? Wer kann die Datenmarktplätze betreiben, wie wird der Wert der Daten auf transparente und faire Weise ermittelt?

Diese Fragen müssen gelöst bzw. angegangen werden, bevor die Nutzer ihre Daten entweder in Eigenregie oder aber mit Unterstützung Dritter verwalten können.

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Cyborg Payments – Bezahlen mit Handauflegen

Von Ralf Keuper

Werden wir künftig überwiegend mit unserem Körper bezahlen und damit quasi zu Cyborgs? Erste Ansätze gibt es bereits, wie mit dem Biohacking (Vgl. dazu: Biohacking mit der Sparda-Bank Berlin). Bislang ist es nicht möglich, über im Körper implantierte NFC-Chips zu bezahlen. Lediglich für die Identifikation können sie verwendet werden.

Nicht ganz so futuristisch ist das Bezahlen mit der Handfläche, woran derzeit bei Amazon gearbeitet wird (Vgl. dazu: Amazon will Kreditkartendaten mit der Handfläche verknüpfen). Dabei soll die Struktur der Hand analysiert und gescannt werden; in der Fachsprache auch als Venenerkennung bezeichnet. Darüber kann der Kunde identifiziert werden. Der Handflächen-Scan wird mit der Kreditkarte verbunden. Auch hier geht es in erster Linie um die Identifizierung des Kunden, um im Anschluss daran die Zahlung autorisieren und durchführen zu können. Auf Golem wird ein Bericht des Sicherheitsforschers Jan Krissler erwähnt. Darin legt Krissler dar, wie leicht Venenerkennungssysteme ausgetrickst werden können.

Bis wir mittels Telepathie und Handauflagen zahlen können, wird es wohl es noch etwas dauern …

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Datenstrategie der Bundesregierung: Expertenanhörung mit ChefBK Helge Braun vom 23.01.2020

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Pay-Per-Use-Modelle in der Landwirtschaft

Von Ralf Keuper

Die Landwirtschaft ist den anderen Branchen in Sachen Digitalisierung weit voraus. Beispielhaft dafür ist das Pay-Per-Use-Modell des Landmaschinenherstellers Grimme. Der Landwirt kann über das myGRIMME Kundenportal definierte softwarebasierte Funktionen der Maschine befristet oder unbefristet buchen. Auf diese Weise kann er die Bezahlung an die Auslastung koppeln.

Weiteres Beispiel ist das Geschäftsmodell bzw. das Forschungsprojekt nPotato (Vgl. dazu: Service Engineering: Von Dienstleistungen zu digitalen Service-Systemen). Hier bietet Pay-Per-Use die Möglichkeit einer leistungsbezogenen Abrechnung der Maschinen-Leistungen für die Kartoffelernte.

Die bedeutet, dass die Hardwarekomponente für einen geringen Preis oder gar kostenlos vertrieben wird und die Umsatzströme durch eine stetige Nutzung des intelligenten Ernte-Service erfolgt. Dabei könnten die Abrechnung beispielsweise pro eingesetzte Zeiteinheit oder pro eingesetzte Fläche erfolgen.

Andere Erlösmodelle sind die Einmalige Abrechnung sowie die ergebnisbezogene Abrechnung.

Weitere Smart Service – Erlösmodelle find sich in Wegweiser Smart Service Welt und in „Tractor-Sharing“ als neues Geschäftsmodell.

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Wird EDI durch Blockchain ersetzt?

Von Ralf Keuper

Die Blockchain, dieser Eindruck entsteht zuweilen, kann demnächst den gesamten Informationsbedarf in Wirtschaft und Gesellschaft decken. Insofern würde es nicht überraschen, wenn Standards für den Datenaustausch, wie EDI, durch die Blockchain abgelöst werden. Warum dem nicht so ist, wird in dem informativen Beitrag Wird Blockchain EDI ersetzen? erläutert.

Quintessenz des Beitrags bzw. des GS1-Workshops zu dem Thema :

Blockchain und EDI einfach so zu vergleichen, das geht nicht – genauso wenig wie man Äpfel und Birnen vergleichen kann. Äpfel und Birnen sind Obst – Blockchain und EDI sind Technologien. Aber das war’s dann auch schon. Denn die beiden liegen auf unterschiedlichen Funktionsebenen bzw. sind zwei unterschiedliche Schichten in den Informationsflüssen. Schnell war klar, dass es kein „entweder EDI oder Blockchain“ gibt – die beiden Technologien ergänzen sich bzw. lassen sich miteinander kombinieren. So kann man EDI-Nachrichten technisch gesehen in Blockchain abbilden (die Sinnhaftigkeit, also ein passender Use Case – ist eine andere Frage). EDI beschreibt das sogenannte Übertragsverfahren von strukturierten Daten, automatisiert und ohne manuelle Eingriffe und im Prinzip Peer-to-Peer. Welches Format dahinter liegt, ist für diese Schicht erstmal zweitrangig. Blockchain hingegen ist eine Art Meta-Netz, mit dem solche Information übertragen werden. Blockchain eignet sich insbesondere dann, wenn mehrere Teilnehmer dieselbe manipulationssichere Information empfangen sollen

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Why Big Tech Wants You To Ditch Your Password

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Positionspapier Landwirtschaft 4.0 (BUND)

Schon heute setzen viele Bauern und Bäuerinnen digitale Instrumente ein und sind grundsätzlich offen für digitale Technik. Deren Anwendung birgt neue Möglichkeiten und Chancen, etwa zur Vernetzung und Organisierung sowie zum Austausch von Informationen. Jedoch wird der aktuelle Diskurs von der (Agrar- und Digital-)Industrie dominiert und ist eher von deren Interessen geleitet als von den Bedürfnissen von und dem Nutzen für Bauern und Bäuerinnen. Es droht dabei die Gefahr, dass das industrielle Agrarmodell einfach fortgesetzt und die menschenrechtlichen sowie Umweltprobleme sogar noch verschärft werden.

Bislang sind große Fragen in Bezug auf den Zugang zu den Technologien, die Datenhoheit, den Energie- und Ressourcenverbrauch, den Schutz bäuerlichen Wissens, die Kontrolle von algorithmenbasierten Entscheidungen sowie entstehende Abhängigkeiten durch mangelnde Kompatibilität unterschiedlicher Systeme ungeklärt. Dazu besteht dringender Forschungs- und politischer Handlungsbedarf. Hinzu kommt, dass rechtliche Grundlagen, die bäuerliches Wissen und den Zugang von Bauern und Bäuerinnen zu Saatgut und genetischen Ressourcen schützen sollen, bisher nicht vollständig oder unzureichend in nationales Recht überführt wurden.

Quelle / Link: Positionspapier Landwirtschaft 4.0 (BUND)

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The European Digital Agenda (Thierry Breton) | DLD Munich 20

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Reimagining Digital Identity: A Strategic Imperative

Von Ralf Keuper

Das World Economy Forum (WEF) hat sich in Reimagining Digital Identity: A Strategic Imperative erneut der Digitalen Identitäten angenommen. Darin wird die Bedeutung sicherer digitaler Identitäten für die Wirtschaft betont. Unternehmen sollten das Potenzial sicherer Digitaler Identitäten nutzen, um vertrauensvolle Beziehungen zu ihren Kunden aufzubauen. Als Beispiel wird Starbucks genannt. Dort will man die Kundenbeziehung durch den Einsatz von KI und biometrischen Verfahren stärken (Vgl. dazu: A.I. Informs Personalization for Starbucks). Das Internet der Dinge sei in besonderer Weise auf sichere digitale Identitäten angewiesen, insbesondere dann, wenn immer mehr Transaktionen über IoT-Geräte abgewickelt werden.

Insgesamt bleibt der Report hinter der aktuellen Entwicklung im Bereich digitale Identitäten zurück. Selbstverwaltete Digitale Identitäten finden keine Erwähnung, ebenso wenig wie der Trend zu abgeleiteten Digitalen Identitäten auf den mobilen Endgeräten, ganz zu schweigen von der wachsenden Bedeutung digitaler Zwillinge. Ein Rückschritt.

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