Internet of Production – Daten als wirtschaftliche Ressource in einer Fertigungsökonomie

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Forschungsgruppe der h_da (Hochschule Darmstadt) arbeitet an biometrischen Erkennungsverfahren

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Integrationsportale und offene Systeme in der Telematik zur Auswertung der Trailerdaten

Von Ralf Keuper

Dass Sensoren eine große Rolle in der vernetzten Produktion und Logistik übernehmen, ist nicht neu. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei die LKW-Auflieger. Europas größter Hersteller von Aufliefern (Trailern), Schmitz Cargobull, hat in den letzten Jahren sein Telematik-Angebot kontinuierlich ausgebaut. Vor wenigen Monaten stellte die Schmitz Cargobull Telematics GmbH ihr Smart Trailer-Konzept vor (Vgl. dazu: Schmitz Cargobull Telematics mit dem neuen TrailerConnect und smarten Trailern weiter auf Erfolgskurs).

Der besondere Kundennutzen besteht in der Vernetzung aller relevanten Sensoren und der Überwachung der damit verbundenen Fahrzeug­komponenten direkt über das Telematik-System. Waren bei bisher auf dem Markt erhältlichen Systemen die Einzelkomponenten autark und oft auf eigene Sende- und Empfangsgeräte angewiesen, sind sie im Rahmen des Schmitz Cargobull SmartTrailer-Konzepts direkt mit dem Telematik-Steuergerät verbunden – egal ob Reifendruck­kontrollsystem, Türsensorik, Türverschluss-System oder Temperaturschreiber. 

In einem Interview ging der Vertriebschef von Schmitz Cargobull, Boris Billich, näher auf den Leistungsumfang des neuen Angebots ein, wobei er die besondere Bedeutung der Trailer-Daten- bzw. Trailer-Datenpools hervorhob (Vgl. dazu: Konnektivität bedeutet Vernetzung der Einzelteile).

Momentan wird an der intelligenten Ladebordwand gearbeitet, die als offenes System ausgelegt ist. Damit können die Verpackungseinheiten erkannt werden.

Echtzeitdaten lassen sich am effizientesten direkt vom Fahrzeug, vom Auflieger per Nahfeldfrequenzen abrufen. Die Verpackungseinheiten und Paletten müssten – stand heute – mit großen Sendeeinheiten ausgestattet werden, was (noch) nicht ökonomisch ist.

Alles aus einer Hand anbieten zu wollen, sei illusorisch:

 Es ist eine Illusion, zu glauben, dass eine Lösung, ein System alles abdecken kann. Wichtig ist die Offenheit und die Integrationsfähigkeit von Systemen. Entscheidend ist, was beim Anwender ankommt, was er tatsächlich braucht. Es gibt zehntausende von Daten, die sich abrufen lassen. Aber welche werden tatsächlich für das Geschäft genutzt und was ist einfach nur Datenflut, die kreiert wird, aber aus der man keinen produktiven Nutzen zieht? Da sind Firmen unterschiedlich aufgestellt. Je tiefer man in die tatsächlichen Trailerdaten hinein geht und beispielsweise kombinierte Verkehre nutzt, umso interessanter wird es, wirklich über einen spezialisierten Trailer-Datenpool zu verfügen.

Künftig werde Schmitz Cargobull sein Geld mit dem Gesamtsystem, aus Datenaufbereitung, Konnektivität, Telematik und Fahrzeugbau, verdienen.

Für die Trailer-Daten interessieren dürften sich auch die Versicherungs- und Leasinggesellschaften. Im PKW-Umfeld wird schon länger an Telematik-Tarifen gearbeitet (Vgl. dazu: Telematik-Tarife: Durchwachsene Ergebnisse). Der “gläserne LKW-Fahrer” könnte Realität werden.

Scania bietet die Möglichkeit an, die Spesenabrechnung aus dem eigenen Telekmatik-System anzustossen (Vgl. dazu: Scania: Neue digitale Spesenabrechnung).

Schmitz Cargobull ist eine Kooperation mit der BPW-Gruppe eingegangen (Vgl. dazu: Digitales Tandem: Schmitz Cargobull und idem telematics kooperieren).

Über eine gemeinsame Schnittstelle lassen sich zukünftig Daten zwischen dem Telematiksystem „Cargofleet“ des BPW-Tochterunternehmens idem telematics und dem neuen Schmitz Cargobull TrailerConnect Portal austauschen. Auf Kundenwunsch können die Daten aus beiden Systemen in den je dazugehörigen Portalen integriert und übersichtlich dargestellt werden.

Informativ in dem Zusammenhang ist „Telematik 2015“ Integrationsportale Ergebnisse einer Befragung von Anbietern von Telematik-Integrationsportalen.

Die Zukunft gehört Integrationsportalen bzw. offenen Systemen.

Irgendwann stellt sich auch in der Telematik die Frage, wem die Trailer-Daten gehören? Dem Spediteur, dem Fahrer (in Teilen), dem Telematik-Dienstleister?

Könnte die Blockchain-Technologie eine Vermittlerrolle übernehmen?

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Drivers of innovation for digital business models

The discussion about what Industrie 4.0 contributes to value creation is increasingly focusing on mechanisms of action and architectures of digital business models. Questions surrounding the added value it can bring to German industry, and how it can raise Germany’s competitiveness and quality of life, are being discussed by government, scientists, business associations and the social partners alike. Plattform Industrie 4.0 has therefore set up a new Working Group on Digital Business Models in Industrie 4.0 to address these questions and, through structured discussion between different stakeholders, to provide stimulus for action.

Our aim is to develop a collective understanding about the components and mechanisms involved in digital business models and about the opportunities they provide. Presenting examples, we will set out what digital business models already exist on the market and will analyse their architectures and the dynamics of the value creation networks upon which they are based. This input paper presents the first steps taken in this work, setting out initial results from our expert workshop on drivers of innovation in the goods-producing industry.

Quelle / Link: Drivers of innovation for digital business models

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Digital Identity 360 – The Transformation of the Digital World

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Identity Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #75

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:


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Datenaustausch zwischen Unternehmen – Erfolgs- und Risikofaktoren

Von Ralf Keuper

Der Austausch von Daten zwischen Unternehmen gestaltet sich zuweilen noch schwierig. Zwar gehört der Datenaustausch zwischen Lieferanten und Unternehmen sowie im Finanzbereich zum Alltag; allerdings lässt die Kooperationsbereitschaft rasch nach, wenn die Unternehmen (direkte) Wettbewerber sind. Die fortschreitende Digitalisierung wird nach Ansicht vieler Branchenbeobachter die Unternehmen dazu zwingen, ihre Daten auch mit Mitbewerbern auszutauschen – aus eigenem Interesse. Die Alternative ist häufig, sich in Abhängigkeit von den großen Plattformen wie Amazon und Alibaba zu begeben, was zu einem Verlust der Datenhoheit bzw. Datensouveränität führen könnte.

In der Studie Datenaustausch als wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung kommt PwC zu dem Ergebnis, dass der klassische Datenaustausch vor einem tiefgreifenden Wandel steht:


Datenaustausch ist offenbar die Basis für Wertschöpfungsprozesse der heutigen Zeit. Jedoch bezieht sich dieser zum Großteil auf den Austausch von Daten zwischen Kunden und Lieferanten. Diese klassischen etablierten Anwendungsfälle werden für die zukünftigen Anforderungen und Bedarfe des Mittelstands und der Großunternehmen nicht mehr ausreichen.


Bereits jetzt schätzen drei Viertel aller Studienteilnehmer, dass der Bedarf mit anderen Unternehmen Daten auszutauschen, in den nächsten fünf Jahren ansteigen wird. Damit wird die Fähigkeit, Datenaustauschbarrieren zu durchbrechen und neue Wege zu gehen, zu einem Key Differentiator eines Unternehmens. Nächste, mögliche Benefits könnten dann neben den unbestrittenen Optimierungs- und Effizienzgedanken die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle oder die Verkürzung der Time-to-Market sein.

Informativ auch das folgende Schaubild aus der Studie:


Datenaustausch zwischen Unternehmen als wesentlicher Bestandteil der Digitalisierung

In der Vergangenheit haben sich verschiedene Veröffentlichungen mit den Erfolgsfaktoren von Unternehmensnetzwerken beschäftigt. Zu dem Zeitpunkt befand sich das Internet noch im Anfangsstadium (Vgl. dazu: Ökonomische Analyse elektronischer Märkte). Die Erfolgsfaktoren wurden unterteilt in unternehmensbezogene, netzwerkbezogenen und umweltbezogene. Die unternehmensbezogenen Erfolgsfaktoren wurden bestimmt von der Kooperationsfähigkeit (technische Voraussetzungen, personelle Voraussetzungen, organisatorische Voraussetzungen) und der Kooperationsbereitschaft (allgemeine Kooperationsbereitschaft, Eigenschaften der Kooperationspartner, potenzielle Kooperationshindernisse).

In dem Arbeitspapier Institutionenökonomische Grundlagen und Implikationen für Electronic Business betont Axel Schwickert, dass sich die Analyse der elektronischen Transaktionskosten nicht auf die Informationsbeschafftung, -übertragung und -verwertung beschränken dürfe.

Phasen, Kosten und IuK-Instrumente einer Transaktionssequenz

Zu dem Zeitpunkt war in der Forschung die Ansicht noch weit verbreitet, dass der Ersatz hierarchischer Koordinationsmechanismen durch den Markt hohe Kosten verursachen würde. Die gestiegenen Kosten wurden auf die Etablierung von Mechanismen für die Sicherung der Glaubwürdigkeit der Transaktionspartner zurückgeführt. Diese Kosten würden in den “rechtsverbindlichen” Phasen, der Abwicklungs- und Nachvertragsphase anfallen. Zwar lasse sich die Glaubwürdigkeit durch kryptografische Methoden verbessern; die Herstellung von Vertrauen, Integrität und Authentizität mittels technischer Verfahren würde jedoch nicht vor unfairen Regelverstößen und opportunistischem Verhalten schützen.

Trust Center und Kryptografie könnten im weltweiten elektronischen Wirtschaftsverkehr nur eingeschränkt genutzt werden, da die hohe technische Komplexität die Verbreitung in Kreisen technisch nicht-versierter Nutzer behindern würde und weiterhin keine globale Rechtsgrundlage für die diese Form von Geschäften bestehe.

Mit der Blockchain und den Distributed Ledger Technologies stehen – prinzipiell – Verfahren bereit, um das für den unternehmensübergreifenden Datenaustausch nötige Vertrauenslevel herzustellen. Jedoch gilt auch hier, dass die dadurch entstehende Komplexität und bis dato nur geringe Anwenderfreundlichkeit verbunden mit offenen Rechtsfragen und fehlenden internationalen Standards, einer breiten Akzeptanz im Weg stehen. Von Fragen der Kooperationsbereitschaft und -fähigkeiten der Unternehmen ganz zu schweigen. Benötigt werden überdies noch Sichere Digitale Identitäten, wenn die Industrie 4.0 in all ihren Facetten Realität werden soll.

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35C3 – Archäologische Studien im Datenmüll

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Anhörung zu Blockchain im Digitalausschuss des Deutschen Bundestages

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Die Blockchain – ein weltweites, auf unzählige Computer verteiltes Kerbholz

Von Ralf Keuper

Über das Wesen der Blockchain ist schon viel spekuliert worden. Handelt es sich bei dieser Technologie um ein neues Phänomen, für das es in der Geschichte keinen Vorläufer gibt, oder übersetzt sie lediglich uralte, archaische Praktiken in eine neue, der Zeit entsprechenden Form?

Der italienische Philosoph Mauricio Ferraris geht in Was ist Kapital? Wie steht es zum Geld? Was leistet die Blockchain? weit in die Vergangenheit zurück, um die Verbindungslinien ausfindig zu machen. Bereits  35.000 Jahre vor Christus hätten unsere Vorfahren mit Kerben Vorgänge, Ereignisse aufgezeichnet, um sie dem Vergessen zu entreißen und zu dokumentieren. Im Lauf der Zeit wurden neue Dokumentationsformen eingeführt. Das Hauptprinzip jedoch blieb erhalten: Die fälschungssichere, durch mindestens zwei Parteien bestätigte Dokumentation eines bestehenden Vertrags- und Schuldverhältnisses, deren neueste Ausprägung die Blockchain ist:

Denn die Blockchain – diese Erfindung, die uns als die grösste Neuheit unserer Zeit erscheint – ist nichts anderes als ein weltweites, auf unzählige Computer ausgeweitetes Kerbholz. Anstelle eines von zwei Personen geteilten Zählstabs haben wir es mit einer Spur zu tun, die auf möglichst vielen Festplatten gespeichert wird, damit das Hinzufügen oder Löschen von Spuren (Blöcken) verhindert wird. Einmal mehr bringt die Technologie, wie in einer Prozession, uralte Dinge wieder ans Licht.

Die Blockchain als universelles Register bringe neben zahlreichen Vorteilen auch einige Nachteile mit sich. Zu letzteren zählt der Verlust der Anonymität. Indiskretion ist das Hauptwesensmerkmal der Blockchain.

Vor Ferraris und der Blockchain führte der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler den Begriff des Aufschreibesystems ein (Vgl. dazu: Banking im totalen Medienverbund auf Digitalbasis – Aufschreibesystem 2000+).

Als Aufschreibesystem bezeichnet Friedrich Kittler in seiner Medientheorie primär technische Einrichtungen, die dem Speichern von Daten dienen, aber auch „das Netzwerk von Techniken und Institutionen […], die einer gegebenen Kultur die Adressierung, Speicherung und Verarbeitung relevanter Daten erlauben“. (Quelle: Wikipedia)

Um den von Ferraris genannten Gefahren begegnen und ein Minimum an Diskretion bewahren zu können, benötigen wir künftig so etwas wie ein Bankgeheimnis 4.0.

Crosspost von Bankstil

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