Kann die eID die Banken vor GAFA schützen und für neues Geschäft sorgen?

Von Ralf Keuper

Das Thema Digitale Identität wird von den deutschen Banken bislang eher stiefmütterlich behandelt. Von einer gemeinsamen Marschroute ist die Branche weit entfernt. Die Deutsche Bank versucht mit Verimi Digitale Identitäten zu adressieren, während die Sparkassen und Volksbanken mit YES, worum es sehr ruhig geworden ist, ein einheitliches Verfahren für die digitale Identifizierung und Authentifizierung anbieten.

Anders dagegen die skandinavischen Länder, wie Schweden und Norwegen, wo bereits seit Jahren die einheitliche Lösung BankID eingesetzt wird. Könnte die eID des neuen Personalausweises für die Banken die Chance bieten, den Identifizierungslösungen von GAFA (Google, Apple, facebook, Amazon) etwas entgegenzusetzen? Sind sogar neue Geschäftsmodelle möglich, wie in eID verhilft Banken zu neuen Geschäftsmodellen zu lesen ist? Ohne ein gemeinsames Ident-Verfahren seien die Banken gegen GAFA jedoch chancenlos.

Prinzipiell bietet das Thema Digitale Identität großes Geschäftspotenzial für Banken, wie auf diesem Blog seit Jahren herausgestellt wird. Allerdings haben die Banken hierzulande zu viel Zeit verstreichen lassen und sich bis heute nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können. Diese Zeit haben andere, wie Apple mit Sign in with Apple, deutlich besser und zielstrebiger genutzt.

Drei Trends bei der digitalen Identifizierung zeichnen sich immer deutlicher ab:

  1. Die digitale Identität wandert auf die mobilen Endgeräte
  2. Selbstverwaltete Digitale Identitäten werden für viele Nutzer, aber auch Unternehmen, attraktiv
  3. Der Digitale Zwilling wird “das” Identifikationsobjekt, sowohl für Personen, wie auch für Unternehmen und Maschinen

Künftig wird es für Personen, Unternehmen und Maschinen immer wichtiger zu wissen, mit wem man es bei der Person, dem Unternehmen (Know Your Customer – KYC) oder der Maschine (Know Your Object – KYO) zu tun hat.

Die eigentliche Chance der eID wie auch der Banken besteht in dem Aufbau von Vertrauensnetzwerken. Diese sorgen für die sichere Identifizierung der Personen, Unternehmen und Geräte und für die Integrität der ausgetauschten Daten.

Das ist ein riesiges Geschäftsfeld – die Identity Economy.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Telegram Open Network (TON): What Happened To Telegram’s Gram Cryptocurrency? | Blockchain Central

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Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Herausforderungen der Plattformökonomie für den deutschen Mittelstand und die Datensouveränität des Einzelnen

Meiner Meinung nach besteht die ganz große Herausforderung –  nicht für die großen Konzerne, sondern für die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen – darin, zu verstehen, was die Digitalisierung mit sich bringt. Es reicht nicht mehr, nur ein Produkt zu verkaufen, sondern es müssen auch neue Produkte aus den Daten um die Produkte herum geschaffen werden. Es müssen ganz andere Kunden-Produzenten-Beziehungen aufgebaut werden. In diese Kunden-Produzenten-Beziehungen drängen sich internationale Unternehmen als Intermediär, als Plattform, die zwischen Kunden und Unternehmen vermittelt, hinein. Wenn unsere Unternehmen ihre Daten nicht selber managen, sondern irgendwo speichern, weil sie selber die Möglichkeiten dazu nicht haben, dann kann es passieren, dass wir in Deutschland immer mehr zur verlängerten Werkbank werden, weil wir an wesentlichen Teilen der neuen Wertschöpfung nicht teilnehmen. Das muss aber nicht so kommen. Wir müssen – und wenn ich sage “wir”, dann meine ich einerseits den Staat, aber eben auch die Unternehmen selbst –  sehr schnell diesen Weg der Digitalisierung und der damit veränderten Wertschöpfung gehen. …

Auf die Fragen, was mit den Daten passiert und welche Rolle das Individuum hat, gibt es sehr spezifische europäische Antworten, von denen ich glaube, dass sie durchaus in der Welt anerkannt werden. Nehmen Sie zum Beispiel die Datenschutzgrundverordnung oder die Frage der Datenethik. Ich bin überzeugt, dass die persönlichen Daten weder dem Staat noch den Unternehmen gehören, sondern es muss sichergestellt sein, dass der Einzelne Souveränität über seine eigenen Daten hat und entscheiden kann, wem er sie zu welchem Zweck gibt. 

Das ist eine sehr europäische Ausprägung dessen, wie wir die Digitalisierung gestalten. Dabei stellen sich natürlich viele Fragen. Vor allem haben wir in Europa die Neigung, bei manchen Themen sehr langsam zu sein. Wir müssen schneller werden. Aber das liegt ja in unserer eigenen Hand. 

Quelle: Interview der Bundeskanzlerin mit der “Financial Times”

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Geschichte der Standardisierung: Die Nagelrahmtechnik

Von Ralf Keuper

Die Einigung auf bestimmte Begriffe, Verfahren und Maße ist wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen ihre Produkte auf den Weltmärkten absetzen können. Die arbeitsteilige Wirtschaft würde ohne verbindliche Standards nicht funktionieren. Der Bedarf an Gütern auf Seiten der Verbraucher könnte nicht gedeckt werden; jedenfalls nicht zu vertretbaren Kosten. Innovationen würden aufgrund fehlender Absatzmärkte ausbleiben.

Einen Beleg für die Wirkung von Standards bringt David Landes in Wohlstand und Armut der Nationen das Fabrikwarensystem in den USA zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die entscheidende und recht eigentliche amerikanische Innovation war .. gar kein besonderes Gerät, sondern eine Produktionsweise – das später so genannte amerikanische Fabrikwarensystem. Es war eine kreative Reaktion erstens auf einen Markt, auf dem die Europa vorherrschenden lokalen und regionalen Präferenzen ebenso fehlten wie Klassen- und Standesunterschiede, der als standardisierte Artikel aufnehmen konnte; und zweitens auf den im Verhältnis zu den Arbeitsmaterialien erheblichen Mangel an Arbeitskräften. Beides hing zusammen. In einer Volkswirtschaft mit wenig Arbeitskräften bot die Standardisierung eine Möglichkeit, die Arbeit zu teilen und damit zu vereinfachen und zu repetitiven Arbeitsgriffen zu machen, um auf diese Weise die Produktivität zu steigern. Aber schnelles Arbeiten meinte tendenziell die Verschwendung von Material – für Gewohnheiten der Alten Welt wie Ordnung und Sparsamkeit blieb keine Zeit. In Europa drehten selbst reiche Handelsbankiers ihre Briefbögen, wenn sie voll waren, um 90 Grad und schrieben am Rand weiter, um Papier zu sparen.

Besonders bemerkbar machte sich die neue Produktionsweise im Hausbau.

Türen und Fenster wurden auf eine Standardgröße zugeschnitten und zusammengesetzt; Glas war entsprechend vorgeschnitten. .. Dann, in den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, führte die Erfindung des Nagel- oder Schwartenrahmhauses zur Normierung und Dequalifizierung des Hausbaus selber. Vorbei waren die Zeiten, in denen man schwere Bauteile für die traditionellen Scheunen und Wohnhäuser brauchte. Vorbei waren die Zeiten des Verzapfens, der Mauer- und Verputzarbeiten, die die Bauten in der Alten Welt erforderten. Statt dessen verwendete man vorgefertigte 2×4-Inch-Balken und nagelte sie zusammen, dann verschalte man das Balkenwerk und setzte die Schindelfassade an, die sich praktisch und gefällig anbot. Die neuen Gebäude waren weder besonders schön, noch wiesen sie irgendwelche ortsgebundenen Stileigenheiten auf; aber sie waren billig, wurden mit Material errichtet, das im Überfluss vorhanden war, und waren von nüchterner Zweckgebundenheit. Die Nagelrahmtechnik fand weite Verbreitung, außer in den Gegenden, wo es wenig Holz gab.

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Data Banking: Datenkonten für alle

Von Ralf Keuper

Die Idee einer Personal Data Bank, einer Bank also, die für die Verwahrung und das Management der personenbezogenen Daten der Nutzer/Kunden zuständig ist, taucht immer häufiger auf (Vgl. dazu: Mit Datenkonten und Datenbörsen zu mehr Kundenbindung und besseren Finanzservices & Datenmonetarisierungs-Plattform UBDI in Europa gestartet).

In Digital Transformation: Why we need personal data accounts, similar to today’s personal bank accounts plädiert Karl Steinacker für die Einführung von Datenkonten für die Nutzer. Voraussetzung für sichere Datenkonten sind vertrauenswürdige Infrastrukturen für Digitale Identitäten, so Steinacker. Dabei sollten die Nutzer die Kontrolle über ihre Digitalen Identitäten ausüben können. Sind die technischen und regulatorischen Voraussetzungen für sichere Digitale Identitäten gegeben, wie mit der eID und eIDAS, besteht der nächste Schritt darin, Datenkonten für jeden anzubieten.

The concept of an personal data account is the cornerstone for effective data sovereignty for the simple reason that I can only control what is with me. This applies not only to my money but also to my personal data. My data account is the place where my patient file belongs – and only there. Data retention? Yes – if the storage takes place in my data account!

Nötig sind Anbieter, die Datenkonten als Service – Data Banking as a Service – zur Verfügung stellen. Ein großes Aufgabengebiet für Banken oder bankähnliche Institute, wobei neben den personenbezogenen Daten der Nutzer auch die Maschinendaten von großer Bedeutung sind.

Die Frage ist nun, wie man den Wert der Daten bemessen kann. Ein Eigentum an Daten existiert bis dato nicht. Diesem Punkt wendet sich Olaf Groth in Personal Data Is Valuable. Give Pricing Power to the People zu. Den Nutzern sollten Werkzeuge für die Gestaltung eigener Preislisten und Vertragskonditionen an die Hand gegeben werden. Damit können die Nutzer ihre Daten mit einem Identitätsmerkmal versehen. Auf diese Weise können die Nutzer die Verwendung ihrer Daten in Echtzeit verfolgen. Nötig sei weiterhin die entsprechende Marktinfrastruktur, wie Datenmarktplätze und Broker-Services, welche die Marktentwicklung beobachten, die Datenpreise festlegen und ggf. den Verkauf und Handel im Auftrag der Nutzer übernehmen.

Data Banking: Ein attraktives Geschäftsfeld.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Algorithmen und Wettbewerb

Algorithmen gehören zu den wichtigsten technologischen Treibern der Digitalisierung. Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt weil sie Unternehmen dabei helfen, innovativer und effizienter zu agieren. Dies kann sowohl dem Wettbewerbsprozess als auch Verbrauchern zugutekommen, etwa über neue oder verbesserte Angebote und einer damit evtl. einhergehenden Intensivierung des Wettbewerbs. Inzwischen hat sich jedoch auch eine Debatte darüber entwickelt, ob und inwieweit Algorithmen negative Effekte auf den Wettbewerb haben könnten, z.B. über möglicherweise erhöhte Kollusionsrisiken oder Wechselwirkungen mit der Marktmacht von Unternehmen, die Algorithmen einsetzen.

In einer gemeinsamen Studie haben sich die Autorité de la concurrence (ADLC) und das Bundeskartellamt (BKartA) diesen potentiellen wettbewerblichen Risiken gewidmet. Der vorliegende Beitrag der Schriftenreihe „Wettbewerb und Verbraucherschutz in der digitalen Wirtschaft“ fasst wesentliche Inhalte jener Studie zusammen. Dazu wird einleitend der Begriff des Algorithmus‘ betrachtet sowie die unterschiedlichen Arten, auf die Algorithmen klassifiziert werden können (B.). Im Folgenden liegt der Schwerpunkt bei möglichen Zusammenhängen zwischen dem Einsatz von Algorithmen und Kollusion zwischen Wettbewerbern (C.). Es schließt sich ein Überblick darüber an, in welcher Beziehung Algorithmen potentiell zur Marktmacht von Unternehmen stehen (D.). In einem weiteren Abschnitt diskutiert der Beitrag praktische Herausforderungen, die sich bei der Kartellrechtsanwendung im Zusammenhang mit Algorithmen möglicherweise stellen (E.)

Quelle: Algorithmen und Wettbewerb. Schriftenreihe „Wettbewerb und Verbraucherschutz in der digitalen Wirtschaft“

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Digitalisierung: Deutschland verzettelt sich

Von Ralf Keuper

In Deutschland herrscht kein Mangel an Projekten, in denen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Wirtschaft und Gesellschaft untersucht und daraus branchenbezogene Prototypen abgeleitet werden. Ein roter Faden ist indes weit und breit nicht in Sicht. Es fehlt eine klare Strategie. Das Rad wird in jedem Projekt neu erfunden; die Ergebnisse aus abgeschlossenen Projekten finden kaum Eingang in andere, nach- oder übergelagerte. Häufig starten diverse Projekte mit einem ähnlichen Fokus. Insofern ist Theresa Martus in Zukunft ist woanders: Deutschland im Digitalisierungsbrei zuzustimmen:

Ein Forschungswettbewerb hier, ein Pilotprojekt da: Das reicht nicht. Das wird der Dimension der Aufgabe nicht gerecht. In der Kleinteiligkeit, mit der Digitalthemen angegangen werden, wirkt die Bundesregierung wie ein Schüler, der erst einmal sein Zimmer aufräumt, mit dem Hund rausgeht, freiwillig Geschirr spült, bevor er endlich seine Hausaufgaben macht.

Aber nicht nur die Politik hat keine klare Vorstellung davon, wie den Herausforderungen der Digitalisierung begegnet werden soll. Ähnlich orientierungslos agiert die Industrie. Hier überwiegt der Glaube, es irgendwie alleine schaffen zu können. Ansonsten beteiligt man sich gerne an öffentlich geförderten Projekten.

Zu den wenigen Ausnahmen zählt die Landmaschinenindustrie. Dort hat man, wie mit Data Connect, erkannt, wie wichtig die Kooperation über Unternehmensgrenzen hinweg ist, wenn man nicht irgendwann die Kundenschnittstelle an die großen digitalen Plattformen verlieren will.

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iSHARE: an innovative project for a future-proof Dutch transport & logistics industry

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Fernwartung im industriellen Umfeld

Von Ralf Keuper

Die Wartung von Maschinen aus der Ferne ist heutzutage technisch an sich kein Problem mehr. Dennoch gilt es dabei einige Aspekte zu beachten, wie das BSI in seiner Empfehlung Fernwartung im industriellen Umfeld anmerkt.

Laut einer Mitgliederbefragung des VDE aus dem Jahr 2018 sehen 49% der Unternehmen den Einbruch über Fernwartungszugänge als eines der größten Sicherheitsrisiken in der Industrie 4.0.

Das BSI empfiehlt u.a. die starke Authentisierung:

Starke Authentisierungsmechanismen: Das beste Sicherheitsniveau bieten Zwei-Faktor-Verfahren, bei denen nicht nur Wissen (z.B. ein Passwort), sondern auch Besitz (z.B. X.509-Zertifikat) nachgewiesen werden muss. Besonders hoch ist das Sicherheitsniveau bei Hardware-basierten Lösungen wie Generatoren für Einmalpasswörter (One-Time Passwords), Smart Cards oder USB-Token, bei denen ein Kopieren der Hardwarekomponente ausgeschlossen ist. Die Verwendung solcher Mechanismen ist einer einfachen Authentisierung mittels Passwort in jedem Fall vorzuziehen

Zur Datenspeicherung in der Cloud:

Je nach Anforderungen sowie der zu bewertenden Fernwartungslösung sind in einer individuellen Betrachtung weitere Kriterien zu prüfen. Beispielsweise sollten bei Cloud-basierten Produkten die entsprechenden Empfehlungen des BSI3 beachtet werden. Insbesondere PublicCloud-basierte Lösungen implizieren ein erhöhtes Sicherheitsrisiko, weshalb unter Sicherheitsaspekten eher eine Private-Cloud oder ein hinreichend vertrauenswürdiger Anbieter gewählt werden sollte.

In dem Zusammenhang lesenswert sind der Leitfaden Industrie 4.0 Security
Handlungsempfehlungen für den Mittelstand
, der Cyber-Security Leitfaden für Produktionsbetriebe sowie die Sicherheitsspezifischen Empfehlungen für
Maschinenbauer und Integratoren
.

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What is trustworthy AI?

Weitere Informationen:

Ethics guidelines for trustworthy AI

Ethics guidelines for trustworthy AI – High-Level Expert Group on Artificial Intelligence

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