Wunderwaffe Predictive Maintenance?

Von Ralf Keuper

Die vorausschauende Wartung von Maschinen, Predictive Maintenance, kann zu deutlichen Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen führen. Da heutzutage Informationen erhoben und in Echtzeit verarbeitet werden können, die früher mühsam hätten zusammengetragen werden müssen (Vgl. dazu: Wettbewerbsvorteile durch Information (Michael E. Porter und Victor E. Millar)), lässt sich mit großer Treffgenauigkeit vorhersagen, wann ein Teil in einer Maschine ausfällt.

Hierfür werden große Datenmengen (Big Data) ausgewertet (Vgl. dazu: IoT-Basics: Was ist Predictive Maintenance?). Einige Anbieter jedoch, wie Katana oder IS Predict setzen dagegen mehr auf Smart Data. Einen guten Überblick über die gängigen Werkzeuge für die vorausschauende Instandhaltung liefert der Beitrag Predictive Analytics Werkzeuge. Ebenfalls informativ im weiteren Zusammenhang ist der Gartner-Bericht Magic Quadrant for Data Science and Machine Learning Platforms.

Trotz seiner zahlreichen Vorzüge – zumindest auf den ersten Blick – setzt sich Predictive Maintenance in der Industrie nur langsam durch (Vgl. dazu: Predictive Maintenance kommt in der Industrie nicht an).

Thomas Rohrbach, Geschäftsführer der Staufen Digital Neonex GmbH, bringt die Defizite auf den Punkt:

Die überwiegende Mehrheit der Maschinenausfälle lässt sich auf Faktoren zurückführen, die Predictive Maintenance nicht lösen kann, allen voran Bedienungsfehler“, sagt Digitalisierungsexperte Rohrbach, „einen echten Mehrwert kann vorausschauende Wartung erzielen, wenn sie mit anderen Leistungen gekoppelt wird, etwa einer intelligenten Überwachung der Prozessdaten zur Optimierung von Verfahren und Material oder digitalen Assistenzsystemen, die Fehler durch den Menschen verhindern (in: Predictive Maintenance kommt in der Industrie nicht an).

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Identity-Ökosysteme in Deutschland

Von Ralf Keuper

Zusammen mit dem Partner-Blog Bankstil und mit freundlicher Unterstützung der FinLab AG und der Authada GmbH hat Identity Economy die Studie Identity-Ökosysteme in Deutschland veröffentlicht. Darin werden in dieser Form erstmalig die Identity-Ökosysteme in Berlin, München, Bochum, Frankfurt/Darmstadt und Kiel vorgestellt.

Ergebnis ist, dass die Ökosysteme sich zwar in ihrer Diversität (Anzahl Startups, IT-Sicherheitsunternehmen, Investoren, Veranstaltungen, wissenschaftliche Einrichtungen) unterscheiden, jedoch jedes für sich beanspruchen kann, ein “Diamant” in der Lesart von Michael E. Porter zu sein.

Der “Diamant” ist ein sich wechselseitiges verstärkendes System. Die Wirkung des einen Bestimmungsfaktors hängt vom Zustand der anderen ab. Günstige Nachfragebedingungen z.B. ergeben keinen
Wettbewerbsvorteil, wenn der Konkurrenzzustand nicht ausreicht, die Unternehmen zu einer Reaktion darauf zu veranlassen. Vorteile bei einem Bestimmungsfaktor können auch Vorteile bei anderen hervorrufen oder sie aufwerten (in: Nationale Wettbewerbsvorteile)

Identity-Startups, IT-Sicherheitsunternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Veranstaltungen bilden ein sich wechselseitig verstärkendes (Öko-)System. Dabei spielen das standortspezifische Wissen und Spill-Over-Effekte ein große Rolle. Insofern würde die isolierte Betrachtung von Identity-Startups ein unvollständiges Bild liefern. Die Erfolgsaussichten der Startups hängen auch davon ab, wie stark ihre Wechselwirkung mit den anderen Teilen des Ökosystems ist, und – vice versa – auch davon, wie stark und innovativ die anderen Teile sind. Zu empfehlen ist, dass die Ökosysteme sowohl deutschlandweit wie auch international eine intensive Zusammenarbeit pflegen, um u.a. zu verhindern, dass das Rad gleich mehrmals erfunden wird.

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idento.one – OrbiterChain & IDSA Hannover Fair 2019

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Microsoft als Unterstützer Dezentraler Digitaler Identitäten und eines “Ethischen Kapitalismus”

Von Ralf Keuper

Microsoft macht erneut als Förderer dezentraler Digitaler Identitäten auf sich aufmerksam. Wie u.a. in Zukunftsvision dezentrale Identität: Microsoft stellt das blockchainbasierte Open-Source-Projekt ION vor berichtet wird, beabsichtigt Microsoft ein Open-Source-Projekt namens ION (Identity Overlay Network) zu lancieren.

Sogenannte Identity Hubs sollen eine sichere, verschlüsselte Speicherung personenbezogener Daten gewährleisten. Das dafür entwickelte DID-Netzwerk mit dem Namen ION (Identity Overlay Network) basiert auf der Bitcoin Blockchain. Dieses neue Konzept soll den Durchsatz von DID-Systemen erheblich verbessern, um Zehntausende von Transaktionen pro Sekunde zu erzielen.

So ganz uneigennützig ist das Engagement von Microsoft indes nicht. Christopher Allen, Mitbegründer der DID-Organisation, wird mit den Worten zitiert:

“A lot of enterprise infrastructures use Microsoft products. So if they integrate this into any of their infrastructure products, they’ll have access to DID.” (in: Microsoft Launches Decentralized Identity Tool on Bitcoin Blockchain).

Anders als Microsoft und DID, so Rouven Heck, Chef von DID bei ConsenSys, verfolgt Facebook mit seinen Stablecoin einen weniger dezentralisierten Ansatz. Facebook hält sich, so Heck, auffallend fern von der Diskussion um die Vorzüge dezentraler Identitäten. Der Ansatz ließe sich ohnehin nur schwer mit dem Geschäftsmodell von Facebook vereinen.

Mit ION und seinen anderen Aktivitäten im Umfeld der Digitalen Identitäten, beabsichtigt Microsoft sich, ähnlich wie Apple, als Vertreter eines ethischen Kapitalismus zu positionieren, wie York Rhodes von Microsoft bestätigt:

Rhodes agrees with this approach, saying that engaging with the open source ecosystem serves Microsoft’s business objectives. He said the “philosophy of consumer ownership and consumer centricity” are core principles for designing Microsoft’s software going forward.
Allen said he hopes a sense of public responsibility will continue to be viewed as a competitive advantage – especially as Microsoft Azure goes head-to-head with Amazon Web Services for cloud market share (ebd.).

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Machine Identity – DIDs & Verifiable Credentials for trust & interoperability in IoT – Mrinal Wadhwa

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Angewandte Medienlogik: Von der Kreditkarte über Apple Pay und Apple Card zur Digitalen Identität

Von Ralf Keuper

Geld ist für seine Verbreitung auf bestimmte Medienträger, Standards und Kommunikationssysteme angewiesen. Das gilt in besonderer Weise für den unbaren Zahlungsverkehr. Ein Meilenstein war die Einführung der Kreditkarte in den USA in den 1960er Jahren, in deren Folge auch in anderen Regionen, wie in Europa, die Zahlungssysteme erneuert wurden. Jüngere Ausprägungen dieses Wandels sind Apple Pay und neuerdings die Apple Card (Vgl. dazu: Machtbeben die 2. – Apple startet eigene Kreditkarte und Streamingdienste). 

Seit der Einführung von Apple Pay im Jahr 2014 ebenso wie mit dem neuesten Schachzug durch die Ausgabe der Apple Card konzentrieren sich die meisten Beobachter auf Einzelaspekte, wie Fragen der Usability, der Gebühren und des Partnernetzwerkes. Dabei gerät das “Big Picture”, das vor allem Apple und Google verfolgen, aus dem Blick. Es geht um weitaus mehr als nur um den reinen Zahlungsvorgang und die Bezahldaten. Vielmehr handelt es sich darum, durch die Beherrschung der Medien die gewünschte Botschaft zu transportieren, was dann wiederum ein entsprechendes Verhalten der Kunden zur Folge hat. Dabei geht es nicht bzw. kaum um gezielte Manipulation, sondern um die Eigenlogik der Medien. Auf diesen Punkt weist Sebastian Gießmann in Geld, Kredit und digitale Zahlung 1971/2014. Von der Kreditkarte zu Apple Pay hin. 

Für Gießmann steht der Einsatz digitaler Medien im Zahlungsverkehr für Kontinuität und nicht für einen Bruch. Ingesamt der vorläufig letzte Schritt hin zu einer vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft und zum Internet der Dinge. 

Folgt man der Geschichte der Zahlungsinteraktionen, erscheint das Internet der Dinge nicht als neu, sondern steht in der Tradition digitaler Systeme, die für spezialisierte Anwendungen im Bank- und Finanzbereich entwickelt worden sind. Man kann sogar sagen, dass die gesamte infrastrukturell-industrielle Moderne Projekte zur Interkommunikation von Objekten verfolgt hat. 

Vor diesem Hintergrund erscheint das Thema IoT-Banking in einem neuen Licht. Für den Normalverbraucher unsichtbar, werden die Einzelmedien durch Medien der Kooperation, durch Plattformen und Ökosysteme abgelöst:

Gegenüber der infrastrukturellen Verfertigung von Netzwerkgesellschaften sind im Internet der Dinge vor allem Elemente einer beschleunigten, automatisierten und weitgehend unsichtbaren Aufrüstung medialer Umwelten entscheidend, die auf digitalen Plattformtechnologien beruhen. Dies gilt gerade für die administrative Ordnung der Interaktion, die weitgehend über bürokratische Medientechniken realisiert wird, z.B. durch Standards, Netzwerkprotokolle und Zertifizierungen. 

Damit nicht genug. Folgender Punkt ist entscheidend: 

Auch das Internet der Dinge ist ein Registratur- und Identizierungsprojekt, das auf Tracking und Tracing von Personen, Zeichen und vor allem Dingen abstellt. 

In der Vergangenheit sorgten verschiedene Standards (ANSI X4, ISO) und Gremien dafür, dass der Umstieg von der alten, auf Schecks basierenden Zahlungsinfrastruktur auf die Abrechnung mittels Kreditkarten erfolgen konnte. Mit der Zeit umgab die Kunden ein Ökosystem aus Anwendungen und Netzwerken, das zu überschauen nur noch Eingeweihte in der Lage waren und sind:

Die materielle Kultur der für die Bankenwelt aufgebauten digitalen Infrastruktur umgibt uns heute wie selbstverständlich als Geldmedien-Ökologie: optische Schrifterkennung von Formularen und Unterschriften, Geldautomaten, Plastikkarten mit Magnetstreifen und Chips zur Authenti zierung, Sicherheitstechniken wie Hologramme und vor allem die für die Banken reservierten abgegrenzten digitalen Kommunikationsnetzwerke. 

Dieses Netzwerk bzw. Ökosystem wird nun ersetzt durch ein neues, das ähnlich komplex sein wird wie das bisherige für das Apple Pay sinnbildlich ist:

Tatsächlich ist im Internet der Dinge mit einer Wiederkehr solcher schon aus Sicherheitsgründen stark abgeschotteten spezialisierten Anwendungen zu rechnen, selbst wenn diese auf weitgehend offenen Standards beruhen sollen. Mit Apple Pay möchte ich anschließend einen aktuellen Dienst analysieren, der Teil dieser Entwicklung ist und noch nicht die universelle Einsetzbarkeit der Plastik-Kreditkarte erreicht hat. 

Noch sind Umstellungen technischer sowie organisatorische Art sowohl bei den Händlern wie auch bei den Banken und Kunden nötig, damit das alte System durch das neue ersetzt werden kann. Die Medienlogik wird hier über kurz oder lang für eine entsprechende, unterstützende Umwelt sorgen und das Verhalten der Akteure verändern: 

Auch wenn noch nicht absehbar ist, welche Rolle Apple Pay auf Dauer im stets umkämpften Markt der digitalen mobilen Transaktionen übernehmen wird, sorgt der Dienst doch für die weitere Umstellung bisheriger Bezahlterminals auf das kontaktlose Bezahlen. Man kann auch sagen, dass er eine ganze Ökologie von neuen Geräten und Interaktionsmöglichkeiten anführt, die vergleichbar mit der Plastik-Kreditkarte die ersten prägenden digitalen Medienpraktiken im Internet der Dinge realisieren. 

Apple wirbt damit, keine Daten über die Nutzer zu sammeln, um daraus Profile abzuleiten, die dann wiederum für Werbezwecke verwendet werden können. Das hat gewiss nicht nur altruistische Motive, sondern folgt auch hier konsequent der neuen Medienlogik:

Eine dezidierte Nicht-Nutzung von zur Profilbildung hochinteressanten großen und gut strukturierten Datenmengen erscheint zumindest paradox, weil sie den Kreditkartenfirmen die Big-Data-Analysen überlässt. Das zugrundeliegende Verfahren der Nicht-Speicherung, »network tokenization« genannt, ist jedoch nicht nur für Zahlungsinteraktionen, sondern generell für die Interaktion im Internet der Dinge relevant. Wenn immer mehr Geräte vernetzt werden, steigt auch die Anzahl »sensibler« Adressen, Konten und Transaktionen. 

»Tokenization« antwortet als Methode technischen Datenschutzes auf genau dieses Problem: Übermittelt werden nicht mehr die (verschlüsselten) Daten, beispielsweise eine Kontonummer und ein Betrag. Übermittelt wird vielmehr ein (verschlüsselter) »token«, mit dem ein sensibles Datum durch ein nicht-sensibles bzw. nicht-wertvolles ersetzt wird. Mittels des entsprechenden Systems zur »Tokenization« lässt sich aber von entsprechend autorisierten Akteuren eine Referenz auf das sensible Datum wiederherstellen. 

Im Falle von Apple Pay erfolgt die Erzeugung des verschlüsselten Tokens lokal auf dem iPhone – einmal gerätespezifisch in einem speziellen Chip und einmal dynamisch pro Transaktion. Eine Rückübersetzung in die tatsächliche Kreditkartennummer findet erst im Netzwerk des jeweiligen Anbieters statt, sodass nur die Bank und das jeweilige Bezahlnetzwerk über die entsprechenden Daten verfügen. Der Aufwand, eine Zahlung in vernetzter Buchhaltung tatsächlich auf allen Seiten zu realisieren, steigt. 

Gießmann spricht davon, dass durch die Tokenization eine Ersatzwährung eingeführt wird, das die Referenz eines Datums im Zuge der Übermittlung verwischt. 

Hieß es im Eingang dieses Beitrages, dass auch das Internet der Dinge ein Registratur- und Identi zierungsprojekt darstellt, so verkomplizieren sich offenbar die Transaktionsmodi bereits im Bereich der digitalen Zahlungsdienste enorm. Eine Frage der weiteren Objektvernetzung wird sein, ob und wie viele solcher Ersatzwährungen eingeführt werden, um die sicherheitsrelevante Maschinen- und Sensorenkommunikation abzusichern. Dies ist nicht primär als Virtualisierung zu fassen, sondern bestätigt die medientheoretische Annahme dieses Artikels: Je mehr Vermittlungsschritte zum Registrieren, De-Registrieren und Re-Registrieren sowie zur Identifizierung, Desidentifizierung und Re-Identifizierung nötig sind, umso realer wird eine Zahlungsinteraktion. 

Wenn Apple demnächst mit einer eigenen Lösung für die Verwaltung Digitaler Identitäten an den Markt geht, wofür einiges spricht (Vgl. dazu: Apple strebt nach der Vormachtstellung bei der digitalen Identifizierung), dann ändert sich das zuvor beschriebene Zusammenspiel. Apple wäre dann eine zentrale Instanz für die Identifizierung von Personen und die Geräte der Personen. Apple würde die Rolle einer Clearingstelle sowohl für die von Gießmann vorgestellte Ersatzwährung wie auch für die digitalen Identitäten übernehmen. Sofern dann noch Debitkarten virtualisiert bzw. auf das Smartphone verlagert werden, haben wir es hier mit einem neuen Zahlungsnetzwerk zu tun, das Mastercard und Visa weit in den Schatten stellen wird. Die Banken würden damit in eine noch größere Abhängigkeit von den großen digitalen Ökosystemen wie Apple und Google geraten. 

Solange Apple, Google & Co. die Medienlogik wie bislang anzuwenden verstehen, werden es Banken, Fintechs und andere extrem schwer haben, noch einen Fuss in die Tür zu bekommen. Da helfen Kartellrechtsverfahren nur wenig. Erst wenn die Banken und die anderen Akteure die Medienlogik verstehen und anzuwenden lernen, haben sie noch eine (Rest-)Chance. Ob eigene Schemes, wie Bluecode und die Blockchain-Technologie hierbei eine Rolle spielen können?

Crosspost von Bankstil

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Identity Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #91

Von Ralf Keuper

Anbei eine Aufstellung von Beiträgen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

re:publica: EU-Kommissarin will Konzerne zur Datenfreigabe zwingen

Bitkom warnt vor bedingungsloser Datenweitergabe

Sparkasse stellt automatisierte Kundenidentifikation über den Personalausweis vor

Die Gründer von IDnow kehren zurück ins Unternehmen

Finlab steigt bei Krypto-Startup Blockchain Helix ein

So lässt sich das Smartphone zur elektronischen Identitätsprüfung einsetzen

EU-Bericht fordert dezentrale digitale Identitäten – Blockchain soll helfen

Kartellrechtlicher Algorithmen-TÜV?

Synthetic Identities: From Data Breaches to Auto Loan Fraud

Einsprachige Identität

Daten- und KI-getriebene digitale Geschäftsmodelle als Motor der Industrie

Digitaler Marktplatz für KI-Anwendungen im Produktentstehungsprozess

Vetri – die Währung für persönliche Daten

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Impulsvorträge zu ethischen Fragen rund um Künst­liche Intelli­genz

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Video-Ident schon bald Geschichte?

Von Ralf Keuper

Ginge es nach dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Ulrich Kleber, dann sind die Tage des Video-Ident-Verfahrens gezählt. In seinem Tätigkeitsbericht 2017-2018 findet Kleber deutliche Worte:

Die elektronische Identifizierung baut auf einer einmaligen sicheren Erstidentifizierung auf, die in Deutschland nun teilweise per
Video-Ident möglich ist. Allerdings bleibt das Ausstellen
qualifizierter Zertifikate für die Website-Authentifizierung hiervon ausgeschlossen. Das Ausstellen qualifizierter Zertifikate für qualifizierte elektronische Signaturen bzw. qualifizierter elektronischer Siegel ist auf die Ausgabe von nur einmalig nutzbaren Zertifikaten (sog. Ad-Hoc-Zertifikate) beschränkt. Obwohl ich diese Einschränkungen des Nutzungsbereichs begrüße, wird mit der grundsätzlichen Anerkennung der Videoidentifizierung ein falsches Signal für mögliche weitere Anwendungsfälle der Videoidentifizierung gesetzt.

Bereits in meinem 25. TB hatte ich der Bundesregierung empfohlen, für die Identifizierung von Kunden nach dem Geldwäschegesetz auf die Möglichkeiten einer Videoidentifizierung zu verzichten. Schon damals war nicht sichergestellt, dass die anfallenden personenbezogenen Daten datenschutzkonform verarbeitet werden. Diese Aussage hat weiterhin Bestand.

Die Videoidentifizierung weist nicht das gleiche Sicherheitsniveau auf, wie die Identifizierung unter Anwesenden. Eine Dokumentenprüfung ist nach dem heutigen Stand der Technik in einem Videokanal nicht vollumfänglich möglich. Daher kann bei einer Videoidentifizierung noch schlechter als bei der Identifizierung vor Ort unterschieden werden, ob ein Ausweisdokument echt ist oder eine Fälschung vorliegt (vgl. hierzu auch unter Nr. 6.1.2). Da die Integrität der zur Identifizierung herangezogenen Daten maßgeblich für jedwede sichere Identifizierungsmethode ist, bei der Videoidentifizierung aber nicht erfüllt werden kann, lehne ich diese Identifizierungsmethode ab.

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Warum digitale Plattformen die Marktregulierung vor Herausforderungen stellen

Prof. Dr. Jan Krämer über datengetriebene Geschäftsmodelle und ihre Probleme

Weitere Informationen:

Warum digitale Plattformen die Marktregulierung vor Herausforderungen stellen

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